Lokalisierter Hochrisiko-Prostatakrebs: Neoadjuvante Therapie verbessert Kontinenz und Potenz nach Prostatektomie29. Mai 2026 Roboterassistierte radikale Prostatektomie (Symbolbild). Foto: RFBSIP – stock.adobe.com Könnte eine neoadjuvante Hormontherapie vor einer Prostatektomie bei Patienten mit lokalisiertem Hochrisiko-Prostatakarzinom zu einem besseren Kontinenz- und Potenzerhalt führen? Eine aktuelle Phase-II-Studie aus den USA scheint dies zu bestätigen. Von Markus Schmitz Anthony Zhang von der Yale School of Medicine in New Haven (USA) stellte die Studie beim Jahreskongress der American Urological Association (AUA) am 16.05.2026 in Washington/DC (USA) vor. Wie Zhang schilderte, brauchen Männer mit einem lokalisierten Hochrisiko-Prostatakarzinom für eine onkologische Kontrolle häufig eine ausgedehntere Exzision, was die Möglichkeit der Nervenschonung und damit die funktionelle Erholung einschränkt. „Für die Männer ist es aber von entscheidender Bedeutung, wie das Leben nach der Operation aussieht“, betonte Zhang. Grundlage für ihre Studie war die Beobachtung, dass die Hemmung des Androgenrezeptor-Signalwegs mittels Apalutamid in früheren Studien zu einer Reduktion positiver Schnittränder geführt hatte. Wenn der Tumor dadurch schrumpft, so die Überlegung, wäre es vielleicht möglich, diese Patienten nervenschonend zu operieren. Dreiarmiges Studiendesign In ihrer multizentrischen Phase-II-Studie (NCT02949284) überprüften Zhang und Kollegen ihr Konzept. Sie verteilten die Patienten, bei denen ein lokalisiertes Hochrisiko-Prostatakarzinom (Gleason-Score ≥8 oder PSA-Wert >20 ng/ml) diagnostiziert worden war, per Zufall auf 3 Gruppen: Die Patienten im Studienarm 1 erhielten Apalutamid über 3 Monate, gefolgt von einer radikalen Prostatektomie. In Arm 2 erhielten sie zusätzlich Abirateronacetat mit Prednison und ein Analogon des Gonadotropin-stimulierenden Hormons (GnRH). Die Medikation erstreckte sich jeweils auf drei Monate, dann folgte die Operation. Die Patienten in Arm 3 wurden ohne neoadjuvante Therapie unmittelbar prostatektomiert. Der primäre Endpunkt der Studie war die Potenz nach 12 Monaten, gemessen an Punkt 2 im Fragebogen „Sexual Health Inventory for Men“. Die Frage „Wie oft waren Ihre Erektionen bei sexueller Stimulation hart genug für das Eindringen?“ musste hier mindestens mit 3 („manchmal / etwa die Hälfte der Zeit“) beantwortet werden. Sekundäre Endpunkte waren Kontinenz, positive Schnittränder, Veränderung des Prostatavolumens, biochemisches Rezidiv (BCR), Erholung des Testosteronspiegels, operative Komplikationen und unerwünschte Ereignisse. Höhere Kontinenz- und Potenzraten Die 73 Männer (Arm 1: n=24; Arm 2: n=26; Arm 3: n=23) wiesen vergleichbare Ausgangsmerkmale auf. Die Rate positiver Schnittränder unterschied sich signifikant (p=0,047) und war in Arm 2 im Vergleich zu Arm 3 niedriger (p=0,015). Die Magnetresonanztomographie nach der neoadjuvanten Therapie zeigte eine stärkere Reduktion des Prostatavolumens in Arm 2 im Vergleich zu Arm 1 (p=0,027). Die BCR-Raten nach 12 Monaten unterschieden sich nicht signifikant (p = 0,58); die BCR-freie Überlebensrate lag zwischen 75 % und 81 %. „Es gab also keinen Abstrich bei der Krebskontrolle durch die dreimonatige neoadjuvante Behandlung“, betonte Zhang. In Arm 2 waren mehr Patienten nach 12 Monaten wieder potent als in Arm 3 (p = 0,017), während sich in Arm 1 immerhin ein Trend abzeichnete (p = 0,066). Die Kontinenzrate nach 3 Monaten war in Arm 1 im Vergleich zu Arm 3 signifikant höher (p = 0,029), wobei sich die Werte bis zum 12. Monat anglichen. Eine Erholung des Testosteronspiegels trat bei 95,8 % der neoadjuvant behandelten Patienten auf, mit einem Median von 3 Monaten. Die unerwünschten Ereignisse waren überwiegend vom Clavien-Dindo-Grad 1–2; 17 Ereignisse waren vom Grad ≥ 3, und in Arm 2 trat ein reversibles Ereignis vom Grad 4 (Hitzewallungen) auf. In Arm 3 kam es zu einer Meatusstenose vom Grad IIIb. Es waren keine behandlungsbedingten Todesfälle zu beklagen. Bessere Möglichkeit zur nervenschonenden Operation „Eine der größten Herausforderungen der Prostatektomie bei lokalisiertem Hochrisko-Prostatakrebs ist, dass die Operateure größere Bereiche resezieren, welcheNervenbündel für die Erektion und die Kontinenz enthalten können. Unsere Studie zeigt, dass eine kurze, dreimonatige neoadjuvante Therapie mit s Apalutamid, Abirateronacetat mit Prednison und einem GnRH-Analogon dies möglicherweise ändern kann. Aufgrund der Suppression des Androgensignalweges und das Downstaging des Tumors vor der Operation können die Operateure die neurovaskulären Bündel leichter erhalten, was sich in eine verbesserte funktionelle Erholung, Kontinenz und Potenz übersetzt“, resümierte Zhang. Diese Ergebnisse ergänzten die wachsende Evidenz dafür, dass eine neoadjuvante systemische Therapie einen möglichen Nutzen für die Erholung und die klinischen Ergebnisse nach einer radikalen Prostatektomie bei Männern mit lokalisiertem Prostatakarzinom und hohem Risikoprofil bietet. Das könnte Sie ebenfalls interessieren: Roboterassistierte radikale Prostatektomie bei ausgewählten älteren Patienten nicht mit höherem Inkontinenzrisiko verbunden AUA-Debatte: Rezidivierende bulbomembranöse Stenose nach TURP – Was tun?
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