Lokalisierter Prostatakrebs: Randomisierte Studie soll Bestrahlungsschema mit nur zwei Fraktionen prüfen

Elisha Fredman leitet das Zentrum für urogenitale Onkologie und klinische Strahlenforschung am am Davidoff Cancer Center. Foto: Rabin Medical Center

In einer neuen Studie wollen Mediziner aus Israel überprüfen, ob sich die Anzahl der strahlentherapeutischen Behandlungen bei lokalisiertem Prostatakrebs noch weiter von fünf auf zwei Sitzungen reduzieren lässt.

Jüngste Fortschritte haben zur Standardisierung der ultrahypofraktionierten stereotaktischen Ablationstherapie (SABR) geführt. Hierzu reichen bereits jetzt fünf Fraktionen aus. Ziel der neuen randomisierten, kontrollierten Phase-II/III-Studie ist die Bewertung der Sicherheit, Wirksamkeit und Nichtunterlegenheit einer generalisierbaren SABR mit nur zwei Fraktionen im Vergleich zum aktuellen Fünf-Fraktionen-Schema.

Teilnahmeberechtigt sind Patienten mit einem zuvor unbehandelten Adenokarzinom der Prostata mit niedrigem Risiko oder günstigem intermediären Risiko. Insgesamt sollen 502 Patienten in die Studie eingeschlossen werden. Derzeit sind nach Angaben des federführenden Davidoff Cancer Center am Rabin Medical Center in Petah Tikvah (Israel) die ersten 100 rekrutiert.

Randomisierung auf fünf versus zwei Fraktionen

Die Patienten werden per Zufall verteilt auf die Standard-SABR mit 40 Gy in fünf Fraktionen jeden zweiten Tag bzw. auf das neue Schema mit 27 Gy in 2 Fraktionen im Abstand von mindestens zwei Tagen. Dabei muss die Behandlung nach dem neuen Schema innerhalb von sieben Tagen abgeschlossen sein.

Das Studienprotokoll sieht eine MRT-basierte Planung, die Anwendung eines röntgendichten Hydrogel-Spacers zum Schutz des Rektums und die Platzierung von Fiducial-Markern vor. Letztere sollen helfen, die Lage des Tumors genauer zu bestimmen und die maximale Strahlendosis gezielt auf den Tumor abzugeben.

Die SABR wird entweder mit einem standardmäßigen CT-gesteuerten Linearbeschleuniger oder einem Magnetresonanz-Linearbeschleuniger (MR-LINAC) durchgeführt. Da das Studienprotokoll die Verwendung eines MR-LINAC oder anderer adaptiver Technologien nicht vorschreibt, seien die Ergebnisse breit übertragbar, betonen die Forscher. Der primäre Endpunkt der Studie ist das progressionsfreie Überleben. Weitere sekundäre Endpunkte sind klinische Parameter, Toxizität und Lebensqualität.

Schonendere Therapie durch präzise Bestrahlungspläne

„Früher war die Standarddosis der täglichen Strahlentherapie gering und wurde über mehrere Wochen verteilt. Mit der Zeit wurde deutlich, dass die biologischen Eigenschaften von Prostatakrebs höhere Strahlendosen zulassen“, erläutert Dr. Elisha Fredman, Radioonkologe am Davidoff Cancer Center. „Die Kombination aus rasanten technologischen Fortschritten und der verbesserten Fähigkeit, hochpräzise und personalisierte Bestrahlungspläne zu erstellen, die gesunde Organe schonen, hat eine deutliche Reduzierung der Behandlungsanzahl ermöglicht. Genau dies können wir in dieser Studie nun beweisen.“

Laut aktualisierten Daten des israelischen Gesundheitsministeriums stieg die Prostatakrebsinzidenz in dem Land zwischen 2015 und 2022 bei jüdischen Männern jährlich um 3,8 Prozent und bei arabischen Männern zwischen 2016 und 2022 um 2,8 Prozent. „In den letzten Jahren müssen wir deutlich mehr Prostatakrebspatienten behandeln als früher“, erklärt Fredman. „Ziel unserer Forschung ist es, die Lebensqualität von Prostatakrebs-Patienten in Israel und weltweit erheblich zu verbessern und die Behandlung einfacher, effizienter und vor allem individueller zu gestalten.“ Die Forscher um Fredman hoffen, dass das von ihnen vorgeschlagene Modell zu einem neuen internationalen Behandlungsstandard werden und so jährlich Hunderttausende von Patienten weltweit entlasten könnte.

Daten der Phase-I-Kohorte

Daten der nicht randomisierten Phase-I-Kohorte der SABR-DUAL-Studie zur Überprüfung der Sicherheit sind bereits im „International journal of radiation oncology, biology, physics“ publiziert worden: Nach einer medianen Nachbeobachtungszeit von 8 Monaten traten klinisch relevante Veränderungen innerhalb von 3 Monaten in den Bereichen Harninkontinenz, Harnabfluss-Störung, Darmfunktion, Sexualität und Hormonhaushalt bei 1/20 (5%), 6/20 (30%), 2/20 (10%), 4/20 (20%) bzw.5/20 (25%) der Patienten auf. Es zeigte sich ein Anstieg des Internationalen Prostata-Symptom-Scores um 1 ± 5,4 und ein Rückgang des Sexual-Health-Inventory-for-Men-Scores um 1,8 ± 6,5. Die Raten für Harnwegs- und Darmtoxizität vom Grad 2 betrugen 10% bzw. 0%, Toxizitäten Grad ≥ 3 traten nicht auf. Die mittlere PSA-Abnahme beim letzten Follow-up betrug 70,4% ± 17,7%.

(ms)