Long-COVID – Alles eine Frage der Gene?25. Juli 2023 Foto: © xyz+ – stock.adobe.com Einige Risikofaktoren, an den Langzeitfolgen einer Corona-Infektion zu erkranken, sind bekannt. Jetzt deuten die Ergebnisse einer neuen Studie darauf hin, dass auch ein Gen namens FOXP4 mit Long-COVID verknüpft sein könnte. Europaweit waren fast 36 Millionen Menschen in den drei Pandemiejahren von Long-COVID betroffen und haben oder hatten daher mit den Spätfolgen einer COVID-19-Infektion zu kämpfen. Hans Kluge, Regionaldirektor der WHO geht sogar davon aus, dass wir uns niemals wirklich von der Pandemie erholen werden, solange nicht umfassende Diagnostik- und Behandlungsmöglichkeiten für Long-COVID zur Verfügung stehen. Entsprechend warnt die WHO eindringlich vor einem blinden Fleck in unserem Wissen in Bezug auf Long-COVID. Dieser blinde Fleck könnte nun ein bisschen kleiner geworden sein, denn eine Studie mit mehreren tausend Menschen hat Hinweise darauf ergeben, dass Varianten eines Gens mit dem Namen FOXP4 mit einem erhöhten Long-COVID Risiko verknüpft sein könnten. „FOXP4 ist der Name des Gens, um das es geht, und das haben wir alle. Es zeigt sich nun, dass eine Variante im Bereich dieses Gens gehäuft bei Long-COVID-Erkrankten zu finden ist. Entsprechend werden nicht alle Menschen, die diese Variante haben, nach einer akuten Corona-Infektion Long-COVID bekommen. Und umgekehrt kann man auch Long-COVID bekommen, wenn man die Variante nicht hat“, erklärte Prof. Jörn Bullerdiek, Direktor des Instituts für Medizinische Genetik der Universitätsmedizin Rostock und Vorstandsmitglied des Ärzte- und Ärztinnenverbandes Long Covid (ÄLC). Dennoch werden die Ergebnisse der Studie großen Einfluss darauf haben, Entstehungsmechanismen von Long-COVID besser zu verstehen, ist der Experte überzeugt. Wie die Autoren berichten, wurde FOXP4 bereits in früheren Studien mit dem Schweregrad von COVID-19, der Lungenfunktion und Krebserkrankungen in Verbindung gebracht, was auf eine breitere Rolle der Lungenfunktion in der Pathophysiologie von Long-COVID hindeute. „Wir haben zwar den Schweregrad von COVID-19 als kausalen Risikofaktor für Long-COVID identifiziert, aber der Einfluss des genetischen Risikofaktors im FOXP4-Locus konnte nicht allein durch seine Assoziation mit schwerem COVID-19 erklärt werden. Unsere Ergebnisse unterstützen daher die Rolle der pulmonalen Dysfunktion und des Schweregrads von COVID-19 bei der Entwicklung von Long-COVID“, schreiben Vilma Lammi vom Institute for Molecular Medicine Finland und Kollegen in der als Preprint veröffentlichten Studie. Für Prof. Martin Walter, Direktor der Universitätsklinik für Psychiatrie und Psychotherapie des Universitätsklinikums Jena und Präsident des ÄLC, belegt die Studie eindrucksvoll die Bedeutung der Forschung auf diesem Gebiet: „Wir haben uns daher sehr über die Ankündigung des Bundesgesundheitsministers gefreut, 41 Millionen Euro für die Forschung zur Verfügung zu stellen. Neben den Ursachen und Behandlungsansätzen muss aber auch die aktuelle klinische Situation beforscht und so schnell wie möglich flächendeckend verbessert werden. Enger Austausch zwischen Betroffenen, Fachdisziplinen und Vertretern der Versorgungssysteme, wie er zum Beispiel auch beim 2. Long-COVID-Kongress am 24. und 25.11.2023 in Jena stattfinden wird, ist daher von großer Bedeutung.“
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