Long-COVID-Folgen bei jungen Erwachsenen: Hohes Cholesterin, steigendes Gewicht und verringerte Ausdauer9. September 2022 Foto: ©Parradee/stock.adobe.com Eine Studie mit rund 500 jungen Schweizer Militärangehörigen in „The Lancet Infectious Disease“ zeigt: Auch nach milder COVID-19-Erkrankung kann es bei jungen Erwachsenen zu erhöhten Cholesterin- und BMI-Werten sowie zu einer geringen körperlichen Ausdauer kommen. Bei der gegenwärtigen COVID-19-Pandemie wird die Frage nach den längerfristigen Folgen der Infektion immer wichtiger. Wirkt sich Long-COVID auch auf zuvor gesunde junge Erwachsene aus? Obwohl diese das Rückgrat der künftigen Erwerbsbevölkerung bilden, sind die mittel- und langfristigen Folgen von SARS-CoV-2-Infektionen bei rund Zwanzigjährigen kaum erforscht. Bisherige Studien konzentrieren sich in der Regel auf ins Krankenhaus eingelieferte Patienten, auf ältere Menschen oder auf Personen mit Mehrfacherkrankungen. Oder die verfügbaren Daten beschränken sich auf ein einzelnes Organsystem. Long-COVID-Folgen bei jungen Schweizer Militärangehörigen analysiert Eine neue, von der Schweizer Armee finanzierte Studie unter der Leitung von Patricia Schlagenhauf, Professorin am Institut für Epidemiologie, Biostatistik und Prävention der Universität Zürich (UZH), hat nun mögliche Auswirkungen von Long-COVID bei jungen Schweizer Militärangehörigen untersucht. Die im renommierten Fachmagazin „The Lancet Infectious Diseases“ erschienene Studie wurde zwischen Mai und November 2021 durchgeführt mit 29 weiblichen und 464 männlichen Teilnehmenden, die im Schnitt 21 Jahre alt und ungeimpft waren. Davon hatten 177 Teilnehmende eine COVID-19-Erkrankung im frühen Stadium der Pandemie durchgemacht, die mehr als 180 Tage seit der Diagnose zurücklag. Die Kontrollgruppe bestand aus 251 serologisch negativ-getesteten Personen – die also keine SARS-CoV-2-Infektion hatten. Im Gegensatz zu anderen Studien wurde erstmals eine ganze Reihe von Organsystemen untersucht: kardiovaskuläre, pulmonale, neurologische, ophthalmologische, psychologische und allgemeine sowie die männliche Fruchtbarkeit. Trotz mehrheitlicher Genesung auch Folgeerscheinungen bei neueren Infektionen Die Ergebnisse zeigen, dass sich junge, zuvor gesunde und nichthospitalisierte Personen von einer leichten Infektion weitgehend erholen. COVID-19 wirkt sich bei ihnen weniger auf mehrere Organsysteme aus als bei älteren, multimorbiden oder hospitalisierten Patienten. Die Studie zeigt aber auch, dass neuere, selbst leichte Infektionen bis zu 180 Tage lang zu Müdigkeit, vermindertem Geruchssinn, höherer psychischer Belastung und einer kurzfristig negativen Beeinträchtigung der männlichen Fruchtbarkeit führen können. Bei Infektionen, die vor mehr als 180 Tagen stattfanden, waren die meisten dieser Folgeerscheinungen dagegen nicht mehr signifikant. Spezifische Konstellation birgt Risiko für Stoffwechselstörungen Personen, deren Infektionen mehr als ein halbes Jahr zurücklag, wiesen im Vergleich zur nichtinfizierten Kontrollgruppe einen signifikanten Trend zu Stoffwechselstörungen auf. So hatten sie einen höheren Body-Mass-Index (Median 24,0 kg/m2; IQR 22,0–25,8 vs. 23,2 kg/m2; IQR 27,1–25,0; p=0,035), eine verminderte aerobe Schwelle (39%; IQR 36–43 vs. 41%; 37–46; p=0,012) sowie gesteigerte Blutcholesterin- (4,2 μM; IQR 3,7–4,7 vs. 3,9 μM; IQR 3,5–4,5; p<0,0001) und LDL-Konzentrationen (2,4 μM; IQR 1,9–2,9 vs. 2,2 μM; IQR 1,7–2,7; p=0,001). Außerdem gaben die Teilnehmenden mit lang zurückliegender Infektion höhere Werte für Müdigkeit an als die Kontrollgruppe. Andere psychosoziale Aspekte, ophthalmologische Ergebnisse und die Spermienqualität oder -motilität waren mehr als sechs Monate nach der Infektion nicht mehr auffällig. Schlagenhauf weist auf die in der Untersuchung ermittelte potenziell riskante Konstellation hin: „Erhöhter BMI, hohe Cholesterinwerte und geringere körperliche Ausdauer deuten auf ein höheres Risiko für Stoffwechselstörungen und mögliche kardiovaskulären Komplikationen hin“, sagt die Studienleiterin. „Dies kann sich auf die Gesellschaft und die öffentliche Gesundheit als Ganzes auswirken. Daher sind auch bei jungen Erwachsenen weitere Strategien für eine breit angelegte, interdisziplinäre Bewertung von COVID-19-Folgestörungen, deren Management und Behandlung nötig.“ Aussagekräftige Studie weist den Weg Neuartig an der in Zusammenarbeit mit mehreren Kliniken des Universitätsspitals Zürich und Labor Spiez durchgeführten Studie ist, dass sie erstmals die Multiorganfunktion bei einer homogenen Gruppe mehrere Monate nach einer COVID-19-Infektion quantitativ bewertet hat. Durchgeführt wurde dies mit einer empfindlichen, minimalinvasiven Testbatterie. Ein wichtiger Aspekt der Studie ist auch die Kontrollgruppe, bei der mit Hilfe von Bluttests bestätigt wurde, dass die Teilnehmenden keine Exposition mit SARS-CoV-2 hatten. „Diese Kombination aus einzigartiger Testbatterie, homogener Probandengruppe und einer spezifischen Kontrollgruppe macht diese Studie sehr aussagekräftig in der Evidenzbasis zu Long-COVID bei jungen Erwachsenen“, fasst Schlagenhauf zusammen.
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