Long-COVID: Unbestätigter Verdacht kann in die Irre führen19. April 2022 © galitskaya – stock.adobe.com (Symbolbild) Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Frankreich haben den Zusammenhang zwischen einer von den Betroffenen selbst angegebenen SARS-CoV-2-Infektion und darauf bezogenen Ergebnissen aus serologischen Untersuchungen mit anhaltenden körperlichen Symptomen während der COVID-19-Pandemie untersucht. Die Analyse umfasste 26.823 Personen aus der französischen bevölkerungsbasierten CONSTANCES-Kohorte (Zeitpunkt der Aufnahme in die Studie: 2012–2019), die an den in die Studie eingebetteten SAPRIS- und SAPRIS-SERO-Erhebungen teilnahmen. Zwischen Mai und November 2020 wurde ein Enzyme-linked Immunosorbent Assay zum Nachweis von SARS-CoV-2-Antikörpern eingesetzt. Zwischen Dezember 2020 und Januar 2021 machten die Teilnehmenden Angaben dazu, ob sie glaubten, sich in den vorangegangenen 4 Wochen mit SARS-CoV-2 infiziert und körperliche Symptome gehabt zu haben, die mindestens 8 Wochen anhielten. Personen, die erst nach Abschluss des serologischen Tests angaben, der Meinung zu sein, dass sie eine SARS-CoV-2-Erstinfektion gehabt hatten, wurden von der Analyse ausgeschlossen. Von 35.852 Personen, die man zur Teilnahme an der Studie eingeladen hatte, wurden schließlich 26.823 (74,8%) mit vollständigen Daten in die vorliegende Auswertung eingeschlossen (Durchschnittsalter 49,4 [SD 12,9] Jahre; 13.731 Frauen [51,2%]). Von den Probandinnen und Probanden selbst zu Protokoll gegebene SARS-CoV-2-Infektionen waren positiv mit anhaltenden körperlichen Symptomen assoziiert, mit ORs im Bereich von 1,39 (95%-KI 1,03–1,86) bis 16,37 (95%-KI 10,21–26,24). Ausnahmen bildeten Hör- (OR 1,45; 95%-KI 0,82–2,55) und Schlafstörungen (OR 1,14; 95%-KI 0,89–1,46). Ein positives Ergebnis serologischer Tests auf SARS-COV-2 war nur mit anhaltender Anosmie positiv assoziiert (OR 2,72; 95%-KI 1,66–4,46), selbst wenn die Analysen auf Teilnehmende beschränkt wurden, die ihre Symptome auf eine SARS-CoV-2-Infektion zurückführten. Eine weitere Anpassung an die selbst eingeschätzte Gesundheit oder depressive Symptome ergab ähnliche Ergebnisse. Die Forschenden beobachteten keine signifikante Wechselwirkung zwischen der Überzeugung der Teilnehmenden und den Ergebnissen serologischer Tests. Fazit In der Querschnittsanalyse einer großen, bevölkerungsbezogenen französischen Kohorte haben Forschende beobachtet, dass anhaltende körperliche Symptome nach einer COVID-19-Infektion möglicherweise eher mit dem Glauben, mit SARS-CoV-2 infiziert worden zu sein, assoziiert sind als mit einer im Labor bestätigten COVID-19-Infektion. Nach Ansicht der Arbeitsgruppe sollten in zukünftigen Arbeiten auf diesem Gebiet die zugrunde liegende Mechanismen erforscht werden, die möglicherweise nicht spezifisch für das SARS-CoV-2-Virus sind. Entsprechende Patientinnen und Patienten müssten möglicherweise eingehend medizinisch untersucht werden, um zu verhindern, dass aufgrund einer anderen Erkrankung auftretende Symptome fälschlicherweise als durch Long-COVID verursacht verbucht werden. (ac) Autoren: Matta J et al. Korrespondenz: Cédric Lemogne; [email protected] Studie: Association of Self-reported COVID-19 Infection and SARS-CoV-2 Serology Test Results With Persistent Physical Symptoms Among French Adults During the COVID-19 Pandemic Quelle: JAMA Intern Med 2022;182(1):19–25. Web: https://doi.org/10.1001/jamainternmed.2021.6454
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