Los! Stopp! Schade.18. Dezember 2020 Foto: Prof. Thomas Frese © Maike Gloeckner Liebe Kolleginnen und Kollegen, nach jetzigem Stand beginnt um den 27.12. die Impfung mit dem mRNA-Impfstoff des Konsortiums Pfizer/Biontech. Dieser Schritt war lange erwartet. Neben der Zulassung für ein komplett neues Impfverfahren: Es werden virale Proteine kodierende mRNA-Sequenzen über Hilfssubstanzen in körpereigene Zellen eingebracht, dort virale Proteine synthetisiert und auf der Zelloberfläche präsentiert, was eine Antikörperbildung und schließlich den Schutz vor eine Sars-CoV2-Infektion bewirken soll. Die in klinischen Studien gezeigte Wirksamkeit soll hoch sein. Zur Langzeitsicherheit fehlen noch die Daten. Gerade für die Hochrisikogruppen (Pflegeheimbewohner, schwer chronisch Erkrankte, Menschen älter als 80 Jahre) ist das eine große Hoffnung. Aktuelle Berichte legen nahe, dass der Impfstoff im Umgang etwas unkomplizierter ist als gedacht: Die Aufbewahrung kann, nach dem Auftauen von -70°C, für etwa 5 Tage bei Kühlschranktemperatur erfolgen, die Verimpfung des Inhaltes aus einer angebrochenen Ampulle muss binnen einer Stunde erfolgen. Allein die vermuteten Zahlen zur Verfügbarkeit des Impfstoffes lassen einen (ver-)zweifeln. Wahrscheinlich ist das durch die STIKO erarbeite Schema zur Priorisierung der zu impfenden Bevölkerungsgruppen Schall und Rauch. Der Impfstoff der ersten Lieferungen wird vermutlich gerade ausreichen, nichtärztliches Personal in Kliniken oder Teilbereichen von Kliniken zu impfen und dadurch die fortdauernden Personalausfälle im Laufe des Januars zu minimieren. Dennoch startet damit eine neue Ära in der Medizin und aus der Krise resultiert beschleunigte Innovation, die sich zukünftig vor allem auch in dem Feld zielgerichteter Tumortherapie auswirken wird. Die Impfungen werden erst nach einer breiteren Anwendung bei Älteren Entlastungseffekte für den stationären Sektor bewirken. Dazu braucht es weitere zugelassene Impfstoffe und deren Auslieferung. Die übrigen Maßnahmen zur Eindämmung der Sars-CoV2-Lage bleiben nicht nur deswegen von herausragender Bedeutung. Viele Hausärzte tragen durch eine exzellente Betreuung von Älteren Patienten zudem dazu bei, die Belastungen im stationären Versorgungsbereich zu reduzieren. Dies kann insbesondere im Kontext der Versorgung von Patienten in Pflegeheimen durch eine engmaschige Patientenführung unter Berücksichtigungen von Handlungsempfehlungen zu z.B. Thrombembolieprophylaxe, Flüssigkeitsgabe, Einsatz von Kortikosteroiden und Antibiotika sowie der Verordnung von Sauerstoff auch gelingen. Leider gibt es aber noch zu viele hausärztliche Kollegen, die diese Empfehlungen nicht kennen oder zu wenig beherzigen. Abseits des kurativen ärztlichen Handelns sind in den nächsten Wochen die Einhaltung von Kontaktbeschränkungen essenziell. Das Virus kennt kein Weihnachten und zählt auch nicht anwesende Personen. Seien Sie durch die Erfahrungen aus Sachsen gewarnt: Zeitgerechte Kontaktnachverfolgung, geordnete Testung von Personal und Bewohnern in Heimen, Patientenversorgung in Krankenhäusern ohne Überlastung des Personals sind hier kaum mehr möglich. Bleiben Sie gesund! IhrProf. Dr. med Thomas Frese
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