Lücken schließen: Auffinden nicht diagnostizierter Hepatitis-C-Infektionen nach Bluttransfusionen24. Juli 2020 Foto: © Vlad/Adobe Stock Wie häufig tritt vor und nach der Einführung des Blut-Screenings in Schweden Anfang der 1990er-Jahre eine Virushepatitis auf, die durch Bluttransfusionen verursacht wurde? In einem Artikel, der vor dem Welt-Hepatitis-Tag am 28. Juli in „Eurosurveillance“ veröffentlicht wurde, versuchen die Autoren außerdem abzuschätzen, wie viele Menschen von denen, die durch Bluttransfusionen mit Hepatitis B und C infiziert wurden, mit einer nicht diagnostizierten Hepatitis noch leben. Die Übertragung einer Virushepatitis durch Bluttransfusion oder durch die Verwendung von aus Plasma gewonnenen Produkten ist heutzutage in Europa aufgrund wirksamer Programme zur Gewährleistung der Sicherheit, die Ausschlusskriterien für Spender und Blutuntersuchungen auf Hepatitis B (HBV) und C (HCV) umfassen, selten. Seit der Durchführung des Screenings um das Jahr 1990 wurde eine große Anzahl infizierter Blutspender und Empfänger von Bluttransfusionen identifiziert. Die schwedische Gesundheitsbehörde schätzte 2015, dass in Schweden zwischen 35.000 und 45.000 Menschen mit einer diagnostizierten HCV leben. Eine ähnliche Schätzung für HBV gibt es für Schweden nicht. Victor Dahl von der schwedischen Gesundheitsbehörde und seine Kollegen führten eine retrospektive Kohortenstudie durch, die auf verschiedenen landesweiten Datenquellen beruhte und die schwedischen Transfusionserfahrungen von 1968 bis 2012 sowie landesweit gemeldete Infektionen abdeckte. Ziel war es, die vergangene und gegenwärtige Last durch Transfusionsübertragung aller Arten von Virushepatitis abzuschätzen und nicht diagnostizierte HCV-Infektionen zu finden. Insgesamt 1.146.307 transfundierte Patienten wurden in die Analyse der HCV-Übertragung für die Studie einbezogen. Etwa 12.000 Patienten hatten mindestens eine Transfusion von einem Spender in einer der Patientenkategorien erhalten, die als mit einer wesentlichen und statistisch signifikanten Risikoerhöhung belastet identifiziert wurden: Patienten, die vor dem Jahr 1992 mit Blut eines Spenders erhalten hatten, bei dem anschließend eine HCV diagnostiziert wurde. Auf dieser Grundlage wurden in der Datenanalyse 1180 transfundierte Patienten und 44 Blutspender identifiziert, bei denen ein hohes Risiko einer HCV-Infektion besteht und die noch am Leben sind, in Schweden leben und bei denen am Endpunkt der Nachbeobachung im Jahr 2017 noch keine HCV-Infektion diagnostiziert worden war. Keine Anzeichen einer HBV-Übertragung durch Bluttransfusion seit 1992 „Für Hepatitis C stellten wir in Schweden fest, dass es zu Übertragungen kam, bevor das Anti-HCV-Blut-Screening 1992 vollständig durchgeführt wurde. Danach sank die Übertragung von HCV unter die Nachweisgrenze. Unsere Studie zeigte nach 1992 keine Anzeichen einer Hepatitis-B-Übertragung durch Transfusionen“, berichtet Gustaf Edgren, außerordentlicher Professor für Epidemiologie am schwedischen Karolinska Institutet. „Diejenigen Menschen, bei denen wir festgestellt haben, dass bei ihnen immer noch keine Hepatitis C diagnostiziert wurden, sollten getestet und behandelt werden.“ Die Studie zeigte nur einen möglichen Fall einer Übertragung von Hepatitis A nach Bluttransfusion in Schweden. Und obwohl in dieser Studie keine HEV-Übertragung im Zusammenhang mit Transfusionen festgestellt wurde, zeigte eine frühere Studie, dass eine von 7896 schwedischen Plasmaspenden positiv für HEV-RNA war, was darauf hinweist, dass dieser Übertragungsweg wahrscheinlich auch in Schweden stattfindet. Die Studie basierte nur auf gemeldeten Infektionen, was die Sensivität einschränkt, da diese davon abhängt, inwieweit in Schweden Infektionen diagnostiziert wurden. Das, wiederum, kann auch davon abhängen, ob die Hepatitis-Infektion symptomatisch ist.
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