Lungenkrebs: GLP-1-Rezeptoragonisten verbessern womöglich den Krankheitsverlauf

GLP-1-Rezeptoragonisten beeinflussen möglicherweise den Krankheitsverlauf bei Patienten mit nicht-kleinzelligem Lungenkrebs. Symbolbild ©patcharida/stock.adobe.com

Ergebnisse einer neuen US-Studie deuten an, dass die Anwendung von GLP-1-Rezeptoragonisten bei Patienten mit Nichtkleinzelligem Lungenkrebs (NSCLC) das Überleben und den Krankheitsverlauf positiv beeinflussen könnte. Im Mausmodell zeigte sich ein direkter Einfluss des Wirkstoffs auf das Tumormilieu.

Es gibt zunehmend Hinweise darauf, dass Menschen, die GLP-1-Rezeptoragonisten (GLP-1RAs) anwenden, ein geringeres Krebsrisiko aufweisen. Aus diesem Grund haben Forschende des Roswell Park Comprehensive Cancer Center und des Columbia University Irving Medical Center die Wirkung dieser Medikamente auch bei Patienten mit NSCLC untersucht.

Längeres Überleben ‒ und synergistische Effekte mit Immuncheckpoint-Inhibitoren?

Die Studie unter der Leitung von Dr. Sai Yendamuri beinhaltete zwei retrospektive Analysen von übergewichtigen oder adipösen Patienten mit NSCLC. Ein Datensatz umfasste 1177 Patienten, die sich einer chirurgischen Resektion unterzogen hatten, von denen 71 ein GLP-1RA-Medikament anwendeten. Der zweite Datensatz umfasste 300 Patienten, die mit einem Immuncheckpoint-Inhibitor behandelt wurden, von denen zehn Patienten ein GLP-1RA-Medikament anwendeten.

Die in der Fachzeitschrift „Journal of Clinical Investigation Insight“ veröffentlichten Ergebnisse zeigten, dass die Anwendung von GLP-1RAs in der chirurgischen Gruppe mit einem längeren rezidiv-freien Überleben verbunden war, während in der zweiten Gruppe die gleichzeitige Anwendung von GLP-1RAs und Immuncheckpoint-Inhibitoren mit einem verbesserten Gesamt- und progressionsfreien Überleben einherging.

GLP-1-RAs könnten Tumormikromilieu beeinflussen

In derselben Studie wurden auch die Auswirkungen von GLP-1-RAs auf Lungenkrebs in Mausmodellen untersucht. So reduzierte GLP-1RA die Tumorlast bei adipösen, aber nicht bei normalgewichtigen Mäusen. Wirkstoff-induzierte Veränderungen im Tumormikromilieu, die mit diesen Effekten einhergingen, deuten darauf hin, dass der Nutzen von GLP-1RA auf der Fähigkeit beruhen könnte, die Anti-Tumor-Immunität positiv umzuprogrammieren.

Eine erst kürzlich in der Fachzeitschrift „JAMA Oncology“ veröffentlichte Studie hatte ergeben, dass GLP-1-RAs bei übergewichtigen Anwendern ohne Krebs mit einem reduzierten Krebsrisiko assoziiert war. Ob GLP-1-RAs dabei einen direkten Einfluss auf die Tumorentstehung hatten oder über eine potenzielle Gewichtsabnahme vor allem das Risiko für Adipositas-assoziierte Krebsarten reduzierten, blieb aufgrund des retrospektiven Studiendesigns unklar. Interessanterweise klassifizierten die Autoren der Studie Lungenkrebs nicht als Krebsart, die mit Adipositas in Verbindung steht.

Kleine Kohortengröße limitiert Aussagekraft

Zudem wurde in der JAMA-Studie nicht der Zusammenhang einer GLP-1-RA-Behandlung mit bereits bestehenden Krebserkrankungen untersucht. Die aktuelle JCI-Studie legt diesbezüglich nahe, dass eine GLP-1-RA-Anwendung die Wirkung einer Immuntherapie bei Lungenkrebs begünstigen könnte.

Allerdings ist die untersuchte Kohorte klein und die Analyse ebenfalls retrospektiv, weshalb die Ergebnisse mit Vorsicht interpretiert werden sollten. Die präklinischen Ergebnisse verweisen jedoch auf einen direkten Einfluss von GLP-1-RAs auf das Tumorgeschehen. Angesichts steigender Zahlen von Personen, die GLP-1-RAs nicht nur zur Behandlung von Diabetes, sondern auch zur Gewichtskontrolle anwenden, bedarf es weiterer Forschung. Auch ein gezielter Einsatz von GLP-1-RAs begleitend zur Krebstherapie muss in weiteren Studien untersucht werden.

(mkl/BIERMANN)