Lungenkrebs nach Brustkrebs-Strahlentherapie-Boost: Thorakale Malignome entwickeln sich rascher nach intensivierter Bestrahlung

VERSAILLES (Biermann) – Nach Angaben der verantwortlichen Autorengruppe wird in einer neuen Studie erstmals über die möglichen Auswirkungen einer Dosiserhöhung („Boost“) im Rahmen einer Strahlentherapie bei Brustkrebs auf eine mögliche nachfolgende Entwicklung von Lungenkrebs berichtet.

Wie die Wissenschaftler schreiben, könnte der Einfluss niedrig dosierter Strahlung auf das Lungenparenchym dieses Phänomen erklären. Die zugrunde liegende Pathophysiologie sei aber noch nicht geklärt und müsse noch erforscht werden. „Die Studie unterstreicht, dass Ärzte solche Patientinnen identifizieren müssen, bei denen ein Risiko für eine raschere Entwicklung eines thorakalen Malignoms nach Bestrahlung wegen Brustkrebs besteht.“ Würden solche Patientinnen erkannt, eröffne dies die Möglichkeit einer individualisierten Überwachungsstrategie.

Die Studienautoren führten eine retrospektive Untersuchung aller Patientinnen mit Lungenkrebsdiagnose aus den Jahren 2000–2020 durch, von denen bekannt war, dass sie in der Vergangenheit an lokalisiertem Brustkrebs erkrankt waren, der chirurgisch und mittels postoperativer Strahlentherapie behandelt worden war. Primärer Endpunkt der Untersuchung war die Zeit bis zur ersten Lungenkrebsdiagnose nach der Brustkrebs-Strahlentherapie.

Von den 98 in die Analyse eingeschlossenen Patientinnen hatten 38 % (n=37) einen zusätzlichen Strahlentherapie-Boost erhalten und 46 % (n=45) eine an die Bestrahlung folgende Hormonbehandlung. Insgesamt handelte es sich bei 61% (n=60) um Raucherinnen.

In Bezug auf die Lungenkrebsmerkmale bildete das Adenokarzinom die häufigste Histologie (68 %; n=66). Mindestens 1 molekulare Veränderung wurde in 36 % der Fälle (n=35) beobachtet, und 57 % (n=20) von diesen waren einer gezielten Therapie zugänglich. Auf die gesamte Kohorte bezogen vergingen im Median bis zur Lungenkrebserstdiagnose 6 Jahre (1,7–28,4). In der Untergruppe der mit einem Boost behandelten Patientinnen verkürzte sich diese Zeit auf 4 Jahre (1,8–20,8) im Vergleich zu 8 Jahren bei Patientinnen ohne Boost (1,7–28,4; p=0,007).

Als unabhängige Faktoren, die mit einer kürzeren Zeit bis zur 1. Lungenkrebsdiagnose nach einer Bestrahlung wegen Brustkrebs assoziiert waren, ermittelte man einen Strahlentherapie-Boost, Rauchen, eine endokrine Therapie und ein Alter von <50 Jahren zum Zeitpunkt der Bestrahlung der Brust. (ac)

Autoren: Basse C et al.
Korrespondenz: Nicolas Girard; [email protected]
Studie: Accelerated subsequent lung cancer after post-operative radiotherapy for breast cancer
Quelle: Lung Cancer 2023;182:107295.
doi: 10.1016/j.lungcan.2023.107295