Lungenkrebs-Screening bei Ex-Rauchern: Risikoadaptierte Strategie sinnvoll19. Januar 2026 Abbildung: © typomaniac/stock.adobe.com Ein Team vom Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) hat eine neue, risikoadaptierte Strategie für den Start des Lungenkrebs-Screenings bei ehemaligen starken Rauchern entwickelt. Ziel ist es, den Beginn der Früherkennung nicht pauschal festzulegen, sondern anhand der tatsächlichen Risikoreduktion zu bestimmen. Abhängig davon, wie lange der Rauchstopp zurückliegt, errechneten die Forschenden für Betroffene ein an das jeweilige Risiko angepasste Alter, bei denen ein Screening starten sollte, von zwischen etwa 53 und 67 Jahren. Große Studien belegen, dass ein Lungenkrebs-Screening die Sterblichkeit durch die Erkrankung senken kann. Darauf hat der Gemeinsame Bundesausschuss im Sommer 2025 mit dem Beschluss reagiert, die Lungenkrebs-Früherkennung mittels Niedrigdosis-Computertomographie für starke Raucher als Leistung der Gesetzlichen Krankenversicherung aufzunehmen. Dieses Angebot richtet sich an Menschen im Alter von 50 bis 75 Jahren mit hohem Tabakkonsum, die aktuell rauchen oder vor weniger als zehn Jahren aufgehört haben. Neue Strategie entwickelt Doch ist es überhaupt sinnvoll, ehemaligen Rauchern, die vor weniger als zehn Jahren aufgehört haben, das Screening einheitlich beginnend mit dem Erreichen des 50. Lebensjahrs anzubieten? Und ist es richtig, ehemaligen Rauchern, deren Rauchstopp länger zurückliegt, gar kein Screening anzubieten? Ein Forschungsteam um Prof. Hermann Brenner vom DKFZ hat nun eine neue, risikoadaptierte Strategie für den Start des Lungenkrebs-Screenings bei ehemaligen starken Rauchern entwickelt. Ziel ist es, den Beginn der Früherkennung nicht pauschal festzulegen, sondern anhand der tatsächlichen Risikoveränderung abhängig vom Zeitpunkt des Rauchstopps zu bestimmen: In welchem Alter erreicht eine Person, die früher stark geraucht hat, das gleiche Risiko, das ein „dauerhafter“ Raucher im Alter von 50 Jahren hat?Für die Studie wertete das DKFZ-Team Daten der UK Biobank aus. Analysiert wurden 86.035 aktuelle und ehemalige starke Raucher im Alter von 50 bis 72 Jahren, die zu Studienbeginn nicht an Krebs erkrankt waren. Die ehemaligen Raucher teilte das Forschungsteam in vier Gruppen – abhängig davon, wie lange der Rauchstopp zurücklag (bis 5 Jahre, 6–10 Jahre, 11–15 Jahre, mehr als 15 Jahre). Während der Nachbeobachtungszeit traten 2109 Lungenkrebsfälle auf. Ermittlung der „Risikoverzögerungszeit“ Um konkrete Altersempfehlungen für den Screening-Start ableiten zu können, nutzten die Forschenden ein Konzept, das sich vereinfacht so erklären lässt: Wenn ein Rauchstopp das Lungenkrebsrisiko senkt, dann kann man berechnen, um wie viele „Risikojahre“ das mit dem Alter ansteigende Erkrankungsrisiko dadurch nach oben verschoben wird. Das Team bezeichnet diese Zeitspanne als „Risikoverzögerungszeit“. Sie gibt an, wie viele Jahre später ehemalige Raucher ungefähr das gleiche Erkrankungsrisiko erreichen wie Raucher, die nie mit dem Tabakkonsum aufgehört haben. Daraus lässt sich dann ein risikoadaptiertes Alter bestimmen, ab dem ein Screening bei Ex-Rauchern beginnen könnte – mit dem Referenzpunkt, dass aktuelle starke Raucher ab dem Alter von 50 Jahren starten.Das Ergebnis: Je länger der Rauchstopp zurücklag, desto stärker war das Risiko reduziert – und desto später im Leben wurde das Referenzrisiko erreicht. Bei Personen, die höchstens fünf Jahre zuvor aufgehört hatten, lag die berechnete Risikoverzögerung bei rund 2,7 Jahren. Ein Beginn des Screenings wäre also etwa mit 53 Jahren zu empfehlen. Wer seit sechs bis zehn Jahren nicht mehr rauchte, erreichte das Referenzrisiko etwa 6,2 Jahre später, also ungefähr mit 56 Jahren. Aber selbst ehemalige Raucher, bei denen der Rauchstopp 11 bis 15 oder sogar über 15 Jahre zurücklag und die nach den geplanten Kriterien keinen Anspruch auf das Screening hätten, würden mit etwa 60 bzw. 67 Jahren das Risiko der starken Raucher ohne Rauchstopp erreichen. Insgesamt ergaben sich damit risikoadaptierte Startalter zwischen 53 und 67 Jahren. Personen mit ehemals hohem Konsum nicht ausschließen „Mit der Untersuchung wollten wir die Grundlagen liefern, um die bisherigen, starren Altersgrenzen anzupassen“, erklärt Hermann Brenner. „Besonders relevant ist der Befund, dass Ex-Raucher mit langjährigem hohen Tabakkonsum nicht grundsätzlich von der Früherkennung ausgeschlossen werden sollten – in höherem Alter könnten sie wieder ein Risiko erreichen, bei dem ein Screening sinnvoll ist.“Umgekehrt zeigt die Analyse, dass ein pauschaler Screening-Start mit 50 Jahren bei vielen ehemaligen starken Rauchenden möglicherweise zu früh sein könnte: Wenn das Risiko bereits deutlich gesunken ist, könnte ein späterer Start helfen, unnötige Strahlenexposition, Folgeuntersuchungen, Belastungen durch falsch-positive Befunde sowie das Risiko von Überdiagnosen und Übertherapie zu reduzieren. So könnte ein risikoadaptierter Ansatz sowohl die Wirksamkeit als auch die Verhältnismäßigkeit des Lungenkrebs-Screenings verbessern.
Mehr erfahren zu: "„Ungewöhnlich früh“: Allergiker leiden schon unter Pollenflug" „Ungewöhnlich früh“: Allergiker leiden schon unter Pollenflug Die Erkältungszeit ist noch nicht vorbei, da stehen die nächsten Plagegeister vor der Tür: Haselpollen. In einigen Regionen ist der Pollenflug so stark wie noch nie Mitte Januar.
Mehr erfahren zu: "Neu: „Schwerpunktversorgung Intensivmedizin“ am Universitätsklinikum Jena" Neu: „Schwerpunktversorgung Intensivmedizin“ am Universitätsklinikum Jena Als eine von wenigen Kliniken in Deutschland erhielt die Klinik für Anästhesiologie und Intensivmedizin am Universitätsklinikum Jena (UKJ) jüngst die Auszeichnung „Schwerpunktversorgung Intensivmedizin“.
Mehr erfahren zu: "Immunantwort nach Organtransplantationen: Forschungskooperation will extrakorporale Photopherese weiterentwickeln" Immunantwort nach Organtransplantationen: Forschungskooperation will extrakorporale Photopherese weiterentwickeln Die Medizinische Universität Wien (Österreich) und das Unternehmen Therakos haben eine langfristige Forschungspartnerschaft zur Weiterentwicklung der extrakorporalen Photopherese (ECP) bei der Transplantation solider Organe gestartet.