LVEF zur Risikoeinschätzung für Plötzlichen Herztod nach Myokardinfarkt wenig geeignet9. Dezember 2024 Die DHZC-Wissenschaftler Gerhard Hindricks (links) und Nikolaos Dagres haben die Analyse basierend auf Daten von mehr als 140.000 Patienten geleitet. (Foto: ©DHZC) Wie lässt sich das Risiko eines Plötzlichen Herztodes (SCD) bei Patienten, die bereits einen Herzinfarkt überstanden haben, zuverlässig beurteilen? Und wann ist der Einsatz eines implantierbaren Defibrillators wirklich sinnvoll? Eine neue Analyse stellt bisher gültige Empfehlungen deutlich in Frage. Der SCD macht etwa 20 Prozent aller Todesfälle in Europa aus. Besonders gefährdet sind Patienten, die bereits einen Herzinfarkt erlitten haben. Zur Einschätzung des individuellen SCD-Risikos wird bei diesen Patienten bisher vor allem die linksventrikuläre Ejektionsfraktion (LVEF) herangezogen. Ist diese stark eingeschränkt (≤35 %), empfehlen die gängigen Leitlinien die vorbeugende Implantation eines ICDs (implantierbarer Kardioverter-Defibrillator). Doch sind diese Empfehlungen – basierend auf rund 20 Jahre alten Studienergebnissen – noch zeitgemäß? Ist die LVEF tatsächlich eine zuverlässige Methode zur Einschätzung des Risikos für einen SCD? Und rechtfertigt sie den routinemäßigen Einsatz eines ICDs, trotz der Kosten und möglichen Komplikationen für die Patienten? LVEF kein geeignetes Maß zur Risikoeinschätzung Ein internationales Team unter der Leitung von Prof. Gerhard Hindricks und PD Dr. Nikolaos Dagres vom Deutschen Herzzentrum der Charité (DHZC) hat diese Fragen untersucht. Sie analysierten dazu die Daten von mehr als 140.000 Patienten, die nach einem Herzinfarkt in 20 internationalen Kohortenstudien über mehrere Jahre hinweg beobachtet wurden. Die im „European Heart Journal“ veröffentlichte Analyse zeigt, dass das Risiko eines SCD durch die Messung der LVEF nicht zuverlässig eingeschätzt werden konnte – weder bei Patienten mit stark eingeschränkter Pumpfunktion noch bei solchen mit moderat oder normaler Pumpfunktion. Auch in Kombination mit anderen klinischen Daten konnte das Risiko laut der Analyse der Berliner Forscher nicht wesentlich besser bewertet werden. Verbesserte Therapien und neue Überlegungen Die Forscher weisen außerdem darauf hin, dass sich die Behandlungsmöglichkeiten für Herzinsuffizienz-Patienten durch die Einführung neuer Medikamentenklassen erheblich verbessert haben. Dies habe dazu geführt, dass schwere Herzrhythmusstörungen und SCDs auch bei Patienten nach einem Infarkt deutlich seltener auftreten. Daher halten die Wissenschaftler eine Neubewertung des Nutzens einer routinemäßigen prophylaktischen Defibrillator-Implantation bei Patienten mit einer LVEF von ≤35 % für dringend erforderlich. PROFID EHRA: Neue Wege in der Forschung In der randomisierten klinischen Studie PROFID EHRA wird derzeit untersucht, ob eine optimale medikamentöse Therapie (OMT) ebenso wirksam ist wie eine OMT plus ICD-Implantation bei Patienten nach einem Herzinfarkt mit reduzierter Pumpfunktion (LVEF ≤35 %), die derzeit gemäß den Leitlinien einen ICD erhalten würden. Die im November 2023 gestartete Studie ist die weltweit größte ihrer Art und soll mehr als 3600 Patienten aus 180 Kliniken in 13 Ländern einschließen. Sowohl die im „European Heart Journal“ veröffentlichte Analyse als auch die neue Studie sind Teil des EU-geförderten Forschungsprojekts „PROFID“ („Implementation of personalised risk prediction and prevention of sudden cardiac death after myocardial infarction“), das von Hindricks und Dagres geleitet und mit mehr als 20 Millionen Euro vom Horizon 2020 Programm der Europäischen Union gefördert wird. „Die PROFID-EHRA-Studie wird dringend benötigte aktuelle Daten zur Prävention des SCD durch Defibrillator-Implantation nach einem Herzinfarkt liefern und die klinische Praxis künftig erheblich beeinflussen“, sagt Dagres. Ziel der Forschung sei es, Defibrillatoren gezielt nur jenen Patienten zu implantieren, die tatsächlich davon profitieren, erklärt Hindricks: „So sollen unnötige Eingriffe vermieden und gleichzeitig die Sicherheit der Betroffenen verbessert werden.“
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