MAFLD: Körperliche Fitness ist bedeutsamer als reiner Gewichtsverlust

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Eine neue Studie von Forschern des Trinity College Dublin zeigt, dass körperliche Fitness in Trainingsstudien möglicherweise ein bedeutsamerer klinischer Endpunkt für eine Verbesserung von Fettlebererkrankungen ist als Gewichtsverlust.

Die metabolisch assoziierte Fettlebererkrankung (MAFLD) ist durch eine Fettansammlung in der Leber gekennzeichnet ist. Unbehandelt kann sie zu schwerwiegenden Komplikationen wie Leberfibrose, Leberzirrhose, Leberversagen und Leberkrebs sowie zu Herz-Kreislauf- und Stoffwechselproblemen führen. Risikofaktoren für die Entwicklung einer MAFLD sind Typ-2-Diabetes und Adipositas. Die weltweit geschätzte Prävalenz von MAFLD liegt bei 25 Prozent; sie ist damit die weltweit häufigste Ursache für chronische Lebererkrankungen. In der westlichen Welt entwickelt sie sich bei Kandidaten für eine Lebertransplantation immer mehr zur Hauptursache für Leberzirrhose und Leberkrebs.

Weil zugelassene pharmakologische Interventionen bislang fehlen, bestand die Behandlung bisher in einer Kombination aus Gewichtsverlust und körperlicher Aktivität, wobei eine Abnahme von sieben bis zehn Prozent primäres Ziel der Maßnahmen war. Es gibt jedoch Hinweise darauf, dass ein körperliches Training allein ohne signifikanten Gewichtsverlust den Leberfettgehalt (bewertet mit nicht invasiven Methoden wie transienter Elastographie und Ultraschall) bei MAFLD-Patienten reduzieren kann. Über die unabhängigen Auswirkungen von körperlicher Bewegung allein auf die durch bei einer Biopsie gemessenen Ergebnisse (der Goldstandard für die Diagnose und Bewertung von MAFLD) wusste man jedoch bis jetzt wenig.

Eine neue Studie hebt nun hervor, dass eine gesteigerte Fitness – in diesem Fall das Ergebnis eines aeroben Trainings – ein bedeutsamerer klinischer Endpunkt für die Verbesserung von MAFLD-Patienten in Trainingsstudien sein kann als ein Gewichtsverlust.

In Irland, wo die Untersuchung durchgeführt wurde, gibt es derzeit kein nationales MAFLD-Screening-Programm, daher ist die tatsächliche Prävalenz dort unbekannt. Das St. James’ Hospital in Dublin, wo die Untersuchung stattfand, hat inzwischen mehr als 1000 Patienten in seiner eigenen Datenbank, wobei die Zahl von Jahr zu Jahr wächst.

Die Trinity-Studie ist nach Angaben der Autoren die erste, die signifikante Verbesserungen der durch Biopsie gemessenen hepatologischen Outcomes in einer MAFLD-Kohorte nach einer Intervention nur durch körperliche Betätigung ohne klinisch signifikanten Gewichtsverlust nachweist. Die Studie zeigt auch, dass Verbesserungen der mittels Biopsie gemessenen hepatologischen Outcomes signifikant mit Verbesserungen des Fitnessniveaus zusammenhängen. Die Studie ergab jedoch zudem, dass bei einer Längsschnittuntersuchung der Patienten keiner der Vorteile der Trainingsintervention erhalten blieb.

Die Studie sei insofern einzigartig, schreiben die Verfasser, als dass hier wiederholte Biopsien bei MAFLD-Patienten im Laufe einer Intervention genommen wurden, die ausschließlich ein körperliches Training beinhaltete. Dies sei nur in zwei älteren Studien ebenfalls geschehen, wobei aber diese Untersuchungen signifikante methodische Einschränkungen gehabt hätten. In den genannten Untersuchungen absolvierten die Probanden ein Krafttraining mit geringer Intensität. Zudem wurde dieses Training nicht überwacht, was möglicherweise zu nicht signifikanten Veränderungen der Leberbiopsie-Outcomes geführt habe, erklären die Verfasser der aktuellen Arbeit. Ihre Studie sei auch die erste, die Verbesserungen der Ergebnisse von Leberbiopsien mit Verbesserungen der Fitness in Verbindung bringe, was auf eine mögliche Wechselbeziehung zwischen den beiden Outcomes hinweise.

Dr. Philip O’Gorman von der Abteilung für Physiotherapie am Trinity College, erklärt: „Die Vorteile des Bewegungstrainings sowohl für die Leber als auch für die kardiometabolischen Outcomes dieser Patienten liegen auf der Hand. Unsere Resultate lassen darauf schließen, dass ein solches Training dringend besser in den ambulanten Kontext implementiert werden muss, da die Vorteile einer solchen Intervention nicht auf lange Sicht erhalten bleiben. Diese Studie zeigt deutlich den klinischen Nutzen von Bewegung bei MAFLD in nur 12 Wochen und den klinischen Nutzen einer Verbesserung der kardiorespiratorischen Fitness, die zunehmend als ‘klinisches Vitalzeichen’ angesehen wird.“

„Es ist besorgniserregend, dass im irischen Gesundheitswesen in Krankenhausabteilungen und darüber hinaus kaum oder gar keine Systeme für eine Überweisung zu körperlichem Training existieren“, beklagt O’Gorman. „Wie unsere Ergebnisse gezeigt haben, ist die mangelnde Nachhaltigkeit der Vorteile von Bewegung bei MAFLD Anlass zur Sorge, und es besteht ein dringender unerfüllter Bedarf an Möglichkeiten für Patienten, sich ambulant kontinuierlich einer Bewegungstherapie zu unterziehen. Ein systembasierter Ansatz, bei dem Ärzte Patienten an ambulante Trainingsspezialisten überweisen können, ist erforderlich, damit die langfristigen Vorteile körperlicher Bewegung erhalten bleiben.“