„Martha‘s Rule“ zeigt Wirkung: Sepsis-Stiftung fordert Umsetzung in Deutschland23. März 2026 Symbolfoto: ©Maks_Lab/stock.adobe.com Die Sepsis-Stiftung fordert nach dem Vorbild der britischen „Martha‘s Rule“ mehr Mitsprache für Sepsis-Patienten und deren Angehörige in Deutschland. Ziel ist, die Patientensicherheit zu erhöhen. Die 2024 in England eingeführte „Martha’s Rule“ erlaubt es Patienten, Angehörigen oder Pflegepersonen, eine dringende Zweitmeinung anzufordern, wenn sie sich Sorgen um einen Patienten machen und den Eindruck haben, dass sie nicht gehört werden. Neue Daten des National Health Service belegen den Erfolg: Seit Einführung der Regel wurden in Krankenhäusern nahezu 450 potenziell lebensrettende medizinische Interventionen ausgelöst. Darüber berichtete unter anderem „BBC News“. Aus Sicht der Sepsis-Stiftung zeigt diese Entwicklung, wie wichtig es ist, Angehörige stärker in die Patientensicherheit einzubeziehen. „Die Erfahrungen aus England zeigen eindrucksvoll, was viele Angehörige seit Jahren erleben: Familien erkennen oft sehr früh, wenn sich der Zustand eines Menschen gefährlich verschlechtert. Wenn ihre Hinweise ernst genommen werden und klare Strukturen für eine schnelle Zweitmeinung bestehen, können Leben gerettet werden. Patientensicherheit beginnt damit, zuzuhören“, sagt Prof. Marlies Ostermann, Ärztin in London und Vorständin der Sepsis-Stiftung. Hintergrund: Der Tod von Martha Mills Die Initiative Martha‘s Rule geht auf den Tod der 13-jährigen Martha Mills zurück. Sie starb im Londoner King’s College Hospital an einer Sepsis. Ihre Familie hatte wiederholt auf eine Verschlechterung ihres Zustands hingewiesen, fühlte sich jedoch nicht ausreichend gehört. Ein Gerichtsmediziner stellte 2022 fest, dass Martha wahrscheinlich überlebt hätte, wenn sie früher auf eine Intensivstation verlegt und entsprechend behandelt worden wäre. Nach einer öffentlichen Kampagne ihrer Eltern wurde Martha‘s Rule 2024 im britischen Gesundheitssystem eingeführt. Inzwischen wird sie in allen Akutkliniken Englands umgesetzt – sowohl in der Erwachsenen- als auch in der Kindermedizin. Daten aus England Die Sepsis-Stiftung fasst die bisherigen Daten zur Wirkung der Regel zusammen: Rund 450 kritische medizinische Interventionen wurden demnach durch Angehörigen-Anrufe ausgelöst. Über ein Drittel der Fälle führte zu einer deutlichen Verbesserung der Behandlung. Die Zahl der Anrufe bei den Kontaktnummern hat sich seit Mitte 2025 mehr als verdoppelt. „Wenn auch in Deutschland die Möglichkeit zu einer Zweitmeinung im Krankenhaus möglich wäre, würde mein Sohn Jann mit höchster Wahrscheinlichkeit noch leben“ sagt Kerstin Martensen, die Initiatorin der Initiative „Jülich rüstet gegen Sepsis“. „Am Tag bevor Jann entlassen werden sollte, sagte er noch: ‚Mama, sie haben mich aufgegeben, Mama ich habe solche Angst und will nicht sterben.‘ Mein Mann und ich haben den Ärzten seine Symptome geschildert – ohne selber zu wissen, dass es die Symptome einer Sepsis sind – diese wurden jedoch als nicht bedrohlich abgetan“, so Martensen weiter. Bedeutung für Deutschland Die Sepsis-Stiftung sieht in den Entwicklungen in England ein wichtiges Signal auch für das deutsche Gesundheitssystem. Angehörige würden häufig frühzeitig Veränderungen im Zustand eines Patienten erkennen, hebt die Stiftung hervor, – etwa zunehmende Verwirrtheit, Atemprobleme oder eine rasche Verschlechterung des Allgemeinzustandes. „Werden solche Hinweise strukturiert aufgenommen, kann dies entscheidend dazu beitragen, schwere Verläufe zu verhindern“, heißt es von der Stiftung. Sie setzt sich daher für eine stärkere Einbindung von Patienten und Familien in die Patientensicherheit ein.
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