Maßnahmen zur Reduktion von Hitzestress in der Gefügelhaltung8. Juli 2026 Auch Hühner bevorzugen den Schatten bei heißem Wetter. (Symbolbild) Foto: tashmetova808 – stock.adobe.com Anhaltende Hitzewellen setzen nicht nur uns Menschen zu, sie sind auch für Tiere außerordentlich belastend. Viele Tierarten verfügen nur bedingt über Mechanismen zur Regulation der Körpertemperatur ‒ wie beispielsweise das Geflügel. Sogenannter Hitzestress entsteht, wenn Tiere ihre Körpertemperatur nicht mehr eigenständig im physiologischen Bereich halten können. Der kritische Schwellenwert, ab dem Hühner etwa in Hitzestress geraten liegt bei 28 °C und wird von dem Feuchtigkeitsgehalt in der Luft beeinflusst. In Frankreich sind im Zuge der ersten Hitzewelle dieses Sommers mehrere Hunderttausend Hühner sowohl in Stall- als auch in Freilandhaltung wegen der anhaltend hohen Temperaturen verendet. Hitze hat Einfluss auf Wohlbefinden, Leistung und Gesundheit Hitze wirkt sich unmittelbar auf Legeleistung und Gesundheitszustand der Tiere aus. Auch die Qualität der Eierschale kann dadurch Schaden nehmen. Da Hitze viele weitere Probleme mit sich ziehen kann, etwa im Sozialverhalten (Federpicken, Kannibalismus) ist es wichtig zeitnah die notwendige Maßnahmen zu ergreifen, um vermeidbaren Tierverlusten vorzubeugen. Ist wie derzeit mit erhöhten sommerlichen Temperaturen zu rechnen, sollten Mitarbeiter von Geflügelbetrieben sich rund um die Uhr auf dem Laufenden halten in Bezug auf die Wetterlage. Unter Wetter und Klima – Deutscher Wetterdienst – Agrarmeteorologische Gefahrenhinweise kann die aktuelle Wettersituation jederzeit abgerufen werden. Auch stehen Fachleute zur individuellen Beratung telefonisch zur Verfügung. Hitzestress-reduzierende Maßnahmen im einzelnen Je nach Haltungsform ist insbesondere darauf zu achten, dass den Tieren ausreichend Schattenbereiche zur Verfügung stehen. Außerdem ist die relative Luftfeuchte im Stall zu reduzieren. Gerade in den Nachmittagsstunden, wenn die Luftfeuchtigkeit ansteigt, ist eine Reduktion wichtig, damit die Tiere körpereigene Mechanismen effektiv zur Regulierung ihrer Körpertemperatur nutzen können. Zusätzlich sollte Vitamin C über das Trinkwasser verabreicht werden, um das Immunsystem zu unterstützen und die Infektionsgefahr zu senken. Insbesondere im Tierbereich muss die Ventilation stufenweise erhöht werden – je nach Wettersituation. Zusätzliche Kühlung kann über die Vernebelung von Wasser über den Luftweg erreicht werden, diese sollte jedoch nicht auf die Einstreu oder die Tiere selbst gerichtet sein. Eine stetige Befeuchtung des Daches stellt ebenfalls eine effektive Maßnahme gegen Hitzestau in Stallgebäuden dar. Zugang zu frischem Wasser ist – wie für alle Lebewesen – essenziell Die Tiere müssen permanent Zugang zu frischem, möglichst kühlem Trinkwasser haben. Auch eine Reduzierung bzw. Anpassung der Futterrezeptur sollte erfolgen. Leichtverdauliche Proteine stellen hier eine adäquate Wahl dar. Gegebenenfalls kann auch der Fettanteil in der Futterration geringgradig erhöht werden. Täglich mehrfach zu absolvierende Kontrollgänge durch sachkundige Mitarbeiter, die das Tierverhalten einschätzen können, stellen die Grundlage für ein zeitnahes Handeln dar, sodass, wo nötig, schnell Maßnahmen ergriffen und gegenreguliert werden kann. Falls die beschriebenen Hilfestellungen nicht ausreichen zum Schutz der Tiere vor Hitzestress, können dem Trinkwasser eventuell Elektrolyte zugesetzt werden, um einer drohenden Übersäuerung entgegenzuwirken. Die Übersäuerung entsteht durch das Hecheln der Tiere, das als Abwehrmechanismus des Körpers vor Überhitzung dient. Eine weitere Maßnahme besteht in der Reduzierung der Besatzdichte. Mobilställe sollten in den Schatten verlegt werden, wobei der Wanderung der Sonne im Tagesverlauf Rechnung zu tragen ist. Zukunftsorientierte Planung von Ställen Auch Hobbyhühnerhalter können einiges für das Wohlbefinden ihrer Tiere tun. So ist bereits bei Planung des Stalles zu bedenken, dass helle Farben weniger Strahlung absorbieren und darum dunklen Farbtönen als Anstrich vorzuziehen sind. Bei der Materialauswahl ist Holz einer Bauweise aus Metall zur Hitzeabwehr überlegen. Hygienetechnisch stellt Holz jedoch gewisse Herausforderungen in Bezug auf eine adäquate Reinigung und Desinfektion dar. Um ausreichend Schatten zu gewährleisten,sollten Bäume oder Sonnensegel für die Tiere verfügbar sein. Prinzipiell können für als Haustiere gehaltenes Geflügel ähnliche Maßnahmen ergriffen werden wie für das sogenannte „Wirtschaftsgeflügel“. Drei Fragen an Prof. Silke Rautenschlein von der TiHo Hannover Prof. Silke Rautenschlein, TiHo Hannover Foto: privat Prof. Silke Rautenschlein, Direktorin der Klinik für Geflügel der TiHo Hannover, ist Fachtierärztin für Geflügel sowie Fachtierärztin für Mikrobiologie und EBVS® European Specialist in Poultry Veterinary Science. Außerdem ist sie Leiterin des Training Centers for Poultry Veterinary Science im Rahmen des European Boards for Veterinary Specialisations. Frau Prof. Rautenschlein, ist es bei uns ebenfalls zu einem Massensterben durch die anhaltend hohen Temperaturen wie in Frankreich gekommen? Bisher ist mir keine Information dazu bekannt. Viele der größeren Betriebe habe sich in den letzten Jahren auch auf höhere Temperaturen im Sommer vorbereitet und auch u.a. Verneblungsanlagen in ihren Ställen installiert. Bei welchen Symptomen sollten Halter hellhörig werden? Sollten die Tiere abrupt die Legeleistung einstellen, ist unbedingt zu überprüfen, ob die Tiere Zugang zu frischem Wasser haben oder dursten müssen. Nachfolgend sind natürlich weitere infektiöse oder andere Ursachen auszuschließen. Was können wir in der Geflügelhaltung verbessern, um für durch den Klimawandel bedingte Hitzeperioden gewappnet zu sein? Es ist sinnvoll, sich mit stallbaulichen Maßnahmen vorzubereiten wie z. B. der Installation von modernen Cool Pad Systemen, aber es kann auch bei der Wahl der Tiere bzw. züchterisch etwas getan werden, da es Hühnerrassen/Linien gibt, die besser mit Hitze umgehen können als andere. Text und Fragen: Sigrun Grombacher
Mehr erfahren zu: "FLI bestätigt weiteres Shamonda-Virus-verwandtes Orthobunyavirus" FLI bestätigt weiteres Shamonda-Virus-verwandtes Orthobunyavirus Neueste Untersuchungsergebnisse des Friedrich-Loeffler-Instituts (FLI) weisen laut einer tagesaktuellen Mitteilung auf ein zweites Einschleppungs- und Ausbreitungsereignis in Deutschland hin.
Mehr erfahren zu: "FLI zum Shamonda-Virus: Infektionen bei Pferd und Alpaka bestätigt" FLI zum Shamonda-Virus: Infektionen bei Pferd und Alpaka bestätigt Neben Nachweisen bei Rindern aus Baden-Württemberg, Hessen, Bayern, dem Saarland und Sachsen bestätigte das Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) nun Infektionen mit dem neu eingeschleppten europäischen Shamonda-Virus (SHAV) bei einem Pferd aus Rheinland-Pfalz […]
Mehr erfahren zu: "Shamonda-Virus erstmals bei Rindern in Sachsen nachgewiesen" Shamonda-Virus erstmals bei Rindern in Sachsen nachgewiesen Milchrückgang, Fieber, Durchfall: Das Shamonda-Virus sorgt für Alarm bei sächsischen Rinderhaltern. Wie die Behörden jetzt reagieren und was Tierärzte empfehlen.