Umfrage zeigt: Termine beim Tierarzt sind schwer zu bekommen

Könnte eine bessere Planung Abhilfe schaffen im tierärztlichen Terminwesen oder liegt das Problem nicht doch eher darin, dass es für sehr viele Haustiere insgesamt viel zu wenig Tierärzte gibt? (Symbolbild) Abb.: Maryati – stock.adobe.com

Die Tierliebe der Deutschen stößt im Alltag an Grenzen, so zumindest sieht dies ein Start-up-Unternehmen. Nach eigener Aussage verzichte rund ein Drittel aus organisatorischen Gründen auf ein Haustier. Wer bereits ein Tier hat, kenne den Konflikt: Wenn Hund oder Katze zum Tierarzt müssen, beginne für viele Berufstätige ein Kampf gegen die Uhr.

So zeigt eine aktuelle YouGov-Umfrage im Auftrag des Start-up-Unternehmens „Rex“, das mehrere über das Bundesgebiet verteilte Tierarztpraxen betreibt, dass 40 Prozent der befragten Tierhalter aus beruflichen Gründen schon einmal auf einen Tierarzttermin während ihrer Arbeitszeit verzichtet oder einen Termin verschoben hätten. Fast jeder Dritte nutze demnach Überstunden, Freizeitausgleich oder Urlaub für den Praxisbesuch. Jonathan Loesing, Mitgründer und CEO der Tierarztpraxis Rex, sieht darin mehr als ein privates Organisationsproblem.

„Deutschland“ liebt seine Haustiere – pauschal gesagt

In 43 Prozent aller Haushalte lebt mindestens ein Haustier – insgesamt teilen sich die Deutschen ihr Zuhause mit 33,4 Millionen Hunden, Katzen, Kleinsäugern und Ziervögeln.[1] Für viele sind sie keine bloßen Mitbewohner, sondern feste Familienmitglieder. Doch zwischen dem Wunsch nach einem Tier und dem Alltag mit ihm liegt offenbar eine wachsende Hürde: die berufliche Tätigkeit.

Eine aktuelle YouGov-Umfrage im Auftrag des Unternehmens Rex zeige, dass 23 Prozent ein Haustier nicht mit ihrem Berufsleben vereinbaren können. Weitere 14 Prozent schrecke der Planungsaufwand rund um Tierarzttermine ab. Unternehmer Loesing ordnet dies folgendermaßen ein: „Moderne Tierarztpraxen müssen stärker berücksichtigen, wie ihre Kundinnen und Kunden tatsächlich leben und arbeiten“. Er sieht die Ergebnisse der YouGov-Umfrage als Weckruf für die Branche. Medizinische Qualität allein reiche nicht aus, wenn Tiere im entscheidenden Moment nicht rechtzeitig behandelt werden können. „Eine moderne Tierarztpraxis muss beides leisten: hochwertige tierärztliche Versorgung und einen Zugang, der zur Lebensrealität der Halter passt“, so Loesing.

Wie stark sich der Konflikt bereits auswirkt, zeige der Blick auf diejenigen, die bereits ein Haustier haben. Fast 40 Prozent der befragten Halter stehen vor organisatorischen Schwierigkeiten, wenn es um die Vereinbarkeit von Job und Tierarzttermin geht.

Anruf beim Tierarzt kann für Berufstätige zum Zeitfresser werden

Der organisatorische Aufwand beginne oft schon vor dem eigentlichen Praxisbesuch. Wer während der Arbeitszeit telefonisch nach einem Termin sucht, müsse Warteschleifen, Rückrufe und unterschiedliche Zeitfenster in Kauf nehmen. Komme anschließend eine längere Wartezeit in der Praxis hinzu, könne aus einer kurzen Untersuchung schnell ein halber Arbeitstag werden.

Damit Tierarztbesuche besser mit dem Berufsalltag vereinbar sind, müssten Praxen aus Sicht von Loesing vor allem an drei Punkten ansetzen: einer unkomplizierten Online-Terminbuchung, längeren Öffnungszeiten und digital vorbereiteten Abläufen.

„Entscheidend ist, dass Tierhalter einen verbindlichen Termin auswählen und den zeitlichen Aufwand möglichst zuverlässig einschätzen können“, erklärt der Unternehmensgründer. Würden Beschwerden und wichtige Informationen bereits vorab erfasst, könne sich das Praxisteam gezielter auf den Besuch vorbereiten. Digitale Prozesse ersetzten dabei zwar weder die persönliche Betreuung noch die tierärztliche Untersuchung, könnten den Zugang zur Versorgung jedoch deutlich erleichtern.

Jeder Dritte nutze Urlaub oder Überstunden für den Tierarzttermin

Für Loesing sind die Zahlen besonders brisant, weil Erkrankungen, Verletzungen und akute Beschwerden unabhängig von Arbeitszeiten und Praxisöffnungszeiten auftreten. „Ein Tier wird nicht passend zum Dienstplan krank“, verdeutlicht er. „Trotzdem hängt die Frage, wie schnell ein Termin möglich ist, für viele Menschen davon ab, ob sich die verfügbaren Praxiszeiten mit ihrem Arbeitsalltag vereinbaren lassen.“

Wer den Praxisbesuch während der Arbeitszeit wahrnimmt, müsse dafür ‒ ähnlich wie bei einem eigenen Arztbesuch ‒ häufig eigene Zeitreserven einsetzen. So gaben 22,6 Prozent der Befragten an, dass sie bei ihrem letzten Tierarzttermin auf Überstunden oder Freizeitausgleich hätten zugreifen müssen. Weitere 9,4 Prozent nahmen nach eigenen Angaben Urlaub. Weitere 6,6 Prozent ließen sich auf eine andere Art von der Arbeit befreien. „Urlaubstage und Überstunden werden zur stillen Notfallreserve für die Tiergesundheit“, schlussfolgert Loesing daraus. Er betont: „Für den einzelnen Halter mag das irgendwie funktionieren. Für eine verlässliche tiermedizinische Versorgung ist es aber kein tragfähiges Modell.“

Zugänglichkeit wird zur Qualitätsfrage der Tiermedizin

Umso wichtiger sei es, bestehende Ressourcen durch digitale Prozesse und eine bessere Terminplanung möglichst effizient einzusetzen. Der Unternehmer fasst zusammen: „Nicht der Beruf muss sich an den Tierarzttermin anpassen – tiermedizinische Angebote müssen besser mit dem Berufsalltag vereinbar werden“.

Wie sich dieser Anspruch praktisch umsetzen lässt, zeige sein Unternehmen unter anderem mit einem vernetzten Praxismodell: Die medizinische Historie der Tiere wird standortübergreifend gebündelt, sodass Halter bei Bedarf auch einen verfügbaren Termin in einer anderen Praxis des Anbieters wahrnehmen können, ohne Befunde und Krankengeschichte erneut zusammentragen zu müssen. Eigene Labore ermöglichen zudem, viele Untersuchungsergebnisse direkt vor Ort zu erhalten. So sollen nicht nur Wartezeiten, sondern auch zusätzliche Praxisbesuche und erneute Ausfallzeiten reduziert werden.


[1] https://www.zzf.de/marktdaten/heimtiere-in-deutschland