ME/CFS-Symptome nach SARS-CoV-2-Infektion: Kinder sind nur selten betroffen11. Oktober 2022 Foto: © Eléonore H – stock.adobe.com Das Risiko, nach einer Infektion mit SARS-CoV-2 eine myalgische Enzephalomyelitis und/oder ein chronisches Müdigkeitssyndrom (ME/CFS) zu entwickeln, scheint bei Kindern und Jugendlichen gering zu sein. Darauf deutet eine Studie hin, die an neun deutschen Kliniken durchgeführt wurde. Die Untersuchung war Teil der Querschnittserhebungen zur SARS-CoV-2-Seroprävalenz in Deutschland (SARS-CoV-2 KIDS) und wurde vom 1. Mai bis 31. Oktober 2021 in neun Kinderkliniken durchgeführt. Pädiatrische Patienten wurden während eines stationären oder ambulanten Aufenthaltes rekrutiert, unabhängig vom Zweck des Besuches in der Klinik. Elternfragebögen und Serumproben wurden bei klinisch indizierten Blutentnahmen gesammelt. Der elterliche Fragebogen zu demografischen und klinischen Informationen wurde um Items des DePaul-Symptom-Questionnaires erweitert, einem pädiatrischen Screening-Instrument für ME/CFS bei Patienten im Alter von fünf bis 17 Jahren. Dabei wurden die Hauptsymptome von ME/CFS einzeln oder als Cluster von ME/CFS-Symptomen bewertet, einschließlich der Fatigue. Von 634 Teilnehmern (294 männlich [46,4 %]; mittleres Alter 11,5 Jahre [IQR 8–14]) berichteten 198 (31,2 %) über gebündelte ME/CFS-Symptome, darunter 40 von 100 SARS-CoV-2-seropositiven (40,0 %) und 158 von 534 SARS-CoV-2-seronegativen (29,6 %) Kindern und Jugendlichen. Nach Adjustierung für Geschlecht, Altersgruppe und Vorerkrankungen sank das Risikoverhältnis für die Angabe von gebündelten ME/CFS-Symptomen von 1,35 (95 %-Konfidenzintervall [KI] 1,03–1,78) auf 1,18 (95 %-KI 0,90–1,53) und für erhebliche Fatigue von 2,45 (95%-KI 1,24–4,84) auf 2,08 (95 %-KI 1,05–4,13). Die Beschränkung auf Kinder und Jugendliche mit unbekanntem früheren SARS-CoV-2-Infektionsstatus (n=610) führte zu niedrigeren bereinigten Risiken für alle Symptome außer Gelenkschmerzen und ME/CFS-bezogenen Symptomen. Das bereinigte Risikoverhältnis betrug 1,08 (95 %-KI 0,80–1,46) für die Angabe von gebündelten ME/CFS-Symptomen und 1,43 (95 %-KI 0,63–3,23) für Fatigue. “Diese Ergebnisse deuten darauf hin, dass das Risiko einer ME/CFS-Erkrankung bei Kindern und Jugendlichen aufgrund einer SARS-CoV-2-Infektion sehr gering sein könnte. Eine Verzerrung des Erinnerungsvermögens kann zu den Risikoschätzungen für lange COVID-19-Symptome bei Kindern beitragen”, resümieren die Autoren. Die Lockdowns und ihre Auswirkungen auf Kinder und Jugendliche müssten als alternative Erklärung für komplexe unspezifische Symptome während der COVID-19-Pandemie in Betracht gezogen werden, schlussfolgern Erstautorin Anna-Lisa Sorg von der LMU München und Kollegen.
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