Medizinisches Cannabis zur Behandlung von Endometriose

Laut neuer Studie verringert medizinisches Cannabis die Schmerzen bei Frauen mit Endometriose effektiv. (Symbolbild: © Vane Nunes/stock.adobe.com)

Medizinisches Cannabis könnte eine alternative Behandlungsoption für Frauen mit Endometriose darstellen. Eine Studie der University of Otago in Neuseeland zeigt, dass es Schmerzen linderte, den Schlaf verbesserte und Angstzustände reduzierte.

An der Studie unter Leitung von Dr. Claire Henry vom Department of Surgery and Critical Care der University of Otago nahmen 28 Frauen mit Endometriose und/oder damit verbundenen Beckenschmerzen teil. Ihnen wurde drei Monate lang Cannabidiol (CBD)-Öl allein oder in Kombination mit getrockneten Cannabisblüten verschrieben. Die Ergebnisse wurden in der Fachzeitschrift „BMC Complementary Medicine and Therapies“ veröffentlicht.

Die Teilnehmerinnen dokumentierten wöchentlich ihre Schmerzintensität auf einer numerischen Skala (0 = kein Schmerz, 10 = stärkster vorstellbarer Schmerz). Vor Beginn und nach Abschluss der zwölfwöchigen Studie füllten sie zudem einen Fragebogen zu ihrem Endometriose-Gesundheitsprofil aus. 17 Teilnehmerinnen wurden am Ende der Studie zu ihren Erfahrungen befragt.

Schmerzreduktion und bessere Lebensqualität unter CBD

Laut Henry sanken die Beckenschmerzen in der Gruppe im Durchschnitt von 5,4 auf 3,7, und der Wert für den stärksten Schmerz verringerte sich von 7,6 auf 5,3. Es zeigte sich eine klinisch relevante Verbesserung der gesundheitsbezogenen Lebensqualität. Henry erklärt, dass CBD zwar nicht bei allen Patientinnen wirkte, die Auswirkungen für einige jedoch lebensverändernd waren.

Eine Studienteilnehmerin berichtete, sich nach drei Jahren Auszeit auf den Wiedereinstieg ins Berufsleben vorzubereiten, während eine andere angab, sich gesundheitlich so gut zu fühlen, dass sie sich ein Kind wünsche. Die positiven Auswirkungen auf Schlaf und Angstsymptome hatten einen fast ebenso großen Einfluss auf die Lebensqualität wie die Schmerzlinderung.

Nur begrenzte anderweitige Therapieoptionen

Schätzungsweise leidet jede neunte Person, der bei der Geburt das weibliche Geschlecht zugewiesen wurde, an Endometriose, einer entzündlichen Erkrankung, bei der gebärmutterschleimhautähnliches Gewebe außerhalb der Gebärmutter wächst. Zu den Symptomen gehören starke und quälende Menstruationsschmerzen, nicht-zyklische Unterleibsschmerzen, Müdigkeit und verminderte Fruchtbarkeit.

Henry zufolge umfassen die aktuellen Behandlungsmethoden Schmerztherapie, Hormonpräparate und laparoskopische Operationen. „Die medikamentöse Behandlung von Endometriose ist jedoch häufig mit Nebenwirkungen verbunden, und die Patientenzufriedenheit mit diesen Behandlungen kann begrenzt sein.“

Die Studienteilnehmerinnen nutzten individuell angepasste Kombinationen aus Schmerzmitteln, Verhütungsmitteln und komplementären Therapien sowie Lebensstiländerungen, um ihre Schmerzen selbst zu lindern. Mehrere Teilnehmerinnen berichteten, zuvor opioidhaltige Schmerzmittel, darunter Tramadol, eingenommen zu haben. Diese hätten jedoch nur eine begrenzte oder unzuverlässige Linderung verschafft und seien häufig mit unerwünschten Nebenwirkungen wie Übelkeit, Schwindel und Müdigkeit verbunden gewesen.

Bei der Anwendung von CBD wurden nur wenige Nebenwirkungen berichtet. Die Teilnehmerinnen empfanden es als sanftere Alternative, die dennoch eine wirksame Linderung der Symptome bieten kann.

Weitere Studien zu Wirksamkeit und Sicherheit nötig

Henry betont, dass groß angelegte Studien und klinische Prüfungen notwendig sind, um die Sicherheit, Wirksamkeit und Langzeitwirkung von medizinischem Cannabis zur Behandlung von Endometriose-bedingten Schmerzen weiter zu untersuchen. „Insbesondere ist es wichtig zu verstehen, wie medizinisches Cannabis Schmerzen lindert und für wen es am besten geeignet ist. Die Schmerzbehandlung bei Endometriose ist oft komplex und individuell. Obwohl Cannabis bei vielen unserer Teilnehmerinnen zu Schmerzlinderung und besserem Schlaf führte, müssen wir noch genauer verstehen, wie es wirkt und welche Langzeitwirkungen die Anwendung haben kann.“

(lj/BIERMANN)

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