Medizintechnik: Lieferketten durch Einschränkungen im Luftverkehr bedroht29. April 2020 Viele Güter werden als Beifracht mit Passagierflugzeugen transportiert; deren Verbindungen sind in der Corona-Krise jedoch massiv reduziert worden. Illustration: © den-belitsky – stock.adobe.com Eine Erhebung des Deutschen Industrieverbandes für Optik, Photonik, Analysen- und Medizintechnik – Spectaris – weist auf wachsende Schwierigkeiten im Luftfrachtverkehr hin. Die Exportnation Deutschland müsse daher notwendige Kapazitäten in der Luftfracht aufbauen, fordert der Verband. Reduzierte Luftfrachtkapazitäten stellen die Spectaris-Mitgliedsunternehmen zunehmend vor Herausforderungen im Auslandsgeschäft, wie eine aktuelle Mitgliederbefragung des Industrieverbandes vom 6. und 7. April zeigt. Demnach erzeugt die Verknappung bis zu fünffach höhere Transportkosten und bedroht insbesondere die wichtigen Im- und Exportrouten in die USA und nach China. Die Güter würden üblicherweise auch als Beifracht mit Passagierflugzeugen transportiert, deren Verbindungen allerdings zur Eindämmung des Virus massiv reduziert worden seien.Geringe Kapazitäten, hohe KostenZurzeit stehen nach Angaben des Industrieverbandes lediglich geringe Luftfrachtkapazitäten zu weitaus höheren Kosten zur Verfügung. „In den letzten Wochen hat sich gezeigt, dass vor allem die Medizintechnik sowie die Analysen-, Bio- und Labortechnik samt ihrer Zulieferer einen unverzichtbaren Beitrag im Kampf gegen das Corona-Virus leisten. Damit das auch so bleibt, müssen internationale Lieferketten erhalten bleiben und das zu bezahlbahren Kosten“, betont Spectaris-Geschäftsführer Jörg Mayer. Bei weniger zeitkritischen Lieferungen stiegen die Unternehmen derzeit auf Straßen-, Schienen- und Schiffsverkehr um, aber auch hier seien termingerechte Lieferungen nicht immer möglich. Die von Spectaris vertretenen Hightech-Branchen sind laut Mitteilung des Verbandes „außerordentlich exportstark“. So seien vor Corona im Schnitt zwei Drittel des Umsatzes im Ausland generiert worden, in der Photonik-Industrie sogar mehr als 70 Prozent. Intakte globale Lieferbeziehungen seien daher für die Bewältigung der Corona-Krise essenziell.Krisenrelevante Güter bevorzugt abfertigenUm Engpässe in den Lieferketten zu vermeiden und selbige für Unternehmen wirtschaftlich zu gestalten, sollten aus Sicht von Spectaris Passagier- und Bundeswehrflugzeuge kurzfristig für den Frachttransport umgerüstet werden. Dafür sind nach Einschätzung des Industrieverbandes staatliche Anreize und Unterstützungsleistungen erforderlich. Zudem seien krisenrelevante Güter wie Labor- und Medizintechnik bevorzugt an den Flughäfen abzufertigen. „Als Industrienation, die besonders stark von Export und Import abhängig ist, sollte Deutschland im Luftverkehr die notwendigen Kapazitäten bereithalten, um die Versorgung mit wichtigen Gütern zu sichern“, fordert Mayer abschließend.
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