Mehr als ein ästhetisches Problem: Alopecia areata in schweren Formen behandlungsbedürftig5. Mai 2023 Foto: © Nadya Kolobova – stock.adobe.com Dank immunologischer Forschung sind viele chronisch-entzündliche Autoimmunerkrankungen heute gut behandelbar – so auch die Alopecia areata. Zusammen mit Haarspezialistinnen und Haarspezialisten befürwortet Lilly die Anerkennung des kreisrunden Haarausfalls als behandlungsbedürftige Autoimmunerkrankung. Eine Petition von Betroffenen ist aktuell beim Deutschen Bundestag eingereicht und kann unterstützt werden. Bei Autoimmunerkrankungen kann das Immunsystem nicht mehr zwischen selbst und fremd unterscheiden und greift körpereigene Zellen an. Bei Alopecia areata steht der Haarfollikel im Fokus der Entzündung, wobei Entzündungszellen spezifisch die Haarfollikel in der Phase der aktiven Haarbildung angreifen. Darüber hinaus besteht ein erhöhtes Risiko, weitere Autoimmunerkrankungen zu entwickeln. Menschen mit Alopecia areata sind wegen der fehlenden Haare anfälliger für Sonnenbrand, Augenreizungen und Allergien, denn Haare übernehmen auch wichtige physiologische Funktionen. Psychische Erkrankungen als Folge einer Alopecia areata Vor allem schwere Formen der Alopecia areata können zu einem enormen Leidensdruck führen. Aufgrund der Alopecia areata entwickeln 70 Prozent der Betroffenen im Laufe der Zeit eine psychische Erkrankung. Durch die Behandlung der Alopecia areata können schwere psychische Belastungen der Betroffenen abgefangen werden, die weit über die Bedürfnisbefriedigung und die Steigerung des Selbstwertgefühls hinausgehen. Dazu gehören schwere Depressionen, Angststörungen sowie körperdysmorphe Störungen, Sozialphobie und Selbstmordgedanken. Dies geht einher mit einem signifikant erhöhten Sterberisiko im Zusammenhang mit vorsätzlicher Selbstverletzung, Suizid und psychiatrischen Erkrankungen. Petition zur Erstattung der Therapiekosten Medikamente, die das Haarwachstum fördern, dürfen gemäß §34 Abs. 1 Satz 7 SGB V nicht zu Lasten der gesetzlichen Krankenkassen verordnet werden. Der Dermatologe Prof. Matthias Augustin aus Hamburg kennt aus eigener Erfahrung im Umgang mit seinen Patientinnen und Patienten den Leidensdruck von Menschen mit Alopecia areata und die möglichen Folgen dieser Autoimmunerkrankung. „Die Einordnung als ,Lifestyle-Erkrankung‘ wird dem Leidensdruck bei schweren Formen der Alopecia areata nicht gerecht. Sie erschwert Betroffenen den notwendigen Zugang zu modernen Behandlungsmöglichkeiten”, so Augustin. Gemeinsam mit anderen Kolleginnen und Kollegen unterstützt er daher eine Online-Petition an den Deutschen Bundestag, mit der Betroffene erreichen möchten, dass die Alopecia areata als Autoimmunerkrankung anerkannt und damit eine Erstattung der Therapiekosten von zugelassenen Arzneimitteln ermöglicht wird. Auch der Haarspezialist Dr. Uwe Schwichtenberg, niedergelassener Dermatologe aus Bremen und ärztlicher Leiter der Informationsseite https://www.haarerkrankungen.de, setzt sich für die Betroffenen ein. „Wir haben im Moment die Situation, dass per Gesetz die Alopecia areata völlig zu Unrecht in den gleichen Topf geworfen wird mit allen anderen Haarausfall-Varianten und somit meine Geheimratsecken in der gleichen Liga spielen wie ein kreisrunder Haarausfall, bei dem die gesamte Kopfhaut, Augenbrauen und Wimpern betroffen sind. Die praktische Konsequenz, die sich daraus ergibt, ist, dass heutzutage zwar wirksame Medikamente zur Verfügung stehen, die dann aber nicht zum Einsatz kommen, weil sie nicht erstattungsfähig sind. Das ist eine versicherungsrechtliche Katastrophe und sollte so nicht bleiben”, so Schwichtenberg. „Als Betroffene weiß ich, was es bedeutet, mit dieser stigmatisierenden Erkrankung leben zu müssen. Wirksame Behandlungsmöglichkeiten können eine Rückkehr zu einem normalen Leben bedeuten. Dies sollte man Betroffenen nicht verwehren“, begründet Patientin Michelle Koch, selbst seit acht Jahren an Alopecia areata erkrankt, ihr Engagement für diese Petition. Sie hofft auf zahlreiche Unterschriften von Unterstützern, die sich seit Anfang Mai unter dem Link Petition 148387 ihrer Petition anschließen können.
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