Mehr als jeder dritte Mensch mit Diabetes entwickelt eine Neuropathie11. April 2019 Foto: © Zerbor, Fotolia.com Die „diabetische Neuropathie“ ist neben Veränderungen an den Blutgefäßen, der Netzhaut des Auges und der Nieren eine häufig auftretende Folgeerkrankung bei Diabetes Typ 1 und Typ 2. Von den derzeit etwa 6,7 Millionen Menschen mit Diabetes in Deutschland entwickelt im Durchschnitt mehr als jeder Dritte auch eine Nervenerkrankung. Sie kann alle Organsysteme des Körpers betreffen und verschiedenste Beschwerden bereiten. Dazu zählen unter anderem Schmerzen, Missempfindungen wie „Kribbeln“ auf der Haut, Wadenkrämpfe, Muskelschwäche oder Taubheitsgefühle in den Füßen. Im ersten Video der zweiten Staffel der Video-Reihe „Diabetes kostet Lebenszeit” spricht Stephanie Haack über ihr Leben mit der Folgeerkrankung Polyneuropathie. Die gemeinnützige Gesundheitsorganisation diabetesDE – Deutsche Diabetes-Hilfe veröffentlicht die Videos alle 14 Tage jeweils donnerstags. „Seit ich vor fast 10 Jahren die Diagnose ‚Typ-1-Diabetes‘ bekam, ist der Diabetes mein ungebetener Lebenspartner“, erzählt Stephanie Haack. Die Sozialwissenschaftlerin, Marketingfachfrau und Bloggerin lebt aktiv, reist viel, macht beruflich Karriere. „Dann kam im Herbst 2018 der Schock: Polyneuropathie an den Füßen. Eine Folgeerkrankung mit 27 Jahren!“ Bei dieser sogenannten „peripheren Neuropathie“ sind meistens die Nerven der Füße und Beine, manchmal jedoch auch die Nerven in Händen und Armen betroffen. Symptome können Schmerzen in den betroffenen Gliedmaßen wie Zehen, Füßen oder Fingern sein. Manchmal verläuft die Neuropathie jedoch auch schmerzfrei oder sogar ohne jegliche Beschwerden. Dies kann besonders an den Füßen schwerwiegende Folgen haben: Denn abgeschwächte oder fehlende Empfindlichkeit der betroffenen Gliedmaßen verursacht Druckstellen, Geschwüre, starke Hornhautbildung, Verletzungen oder Verbrennungen. Stephanie Haack sagt: „Ich muss jetzt lernen, mit der Folgeerkrankung zu leben. Sonst kostet mich mein Diabetes noch mehr Lebenszeit und Lebensqualität!“ Rund ein Drittel aller Menschen mit Diabetes Typ 1 oder Typ 2 entwickelt im Laufe der Erkrankungszeit auch Schäden am willkürlichen oder vegetativen Nervensystem. Sie bilden sich bereits in einer frühen Erkrankungsphase aus und verlaufen meist lange unbemerkt. „Ursache kann eine über Jahre schlechte Stoffwechseleinstellung mit zu hohen Blutzuckerwerten sein“, sagt Professor Dr. med. Thomas Haak, Vorstandsmitglied von diabetesDE – Deutsche Diabetes-Hilfe und Chefarzt am Diabetes Zentrum Mergentheim. Der Diabetologe betont: „Die Entstehungsmechanismen sind jedoch sehr individuell und komplex. Kein Betroffener hat Schuld an seinem Diabetes selbst oder einer solchen Folgeerkrankung.“ Neben der peripheren Form kommt auch die „autonome Neuropathie“ vor. Sie kann nahezu jedes Organsystem betreffen. „Nervenveränderungen an Organen rufen Symptome hervor, die auch bei anderen Erkrankungen auftreten können und die der Arzt ausschließen muss“, erklärt Professor Haak. „Sind zum Beispiel Speiseröhre und Magen betroffen, zählen Schluckstörungen, Übelkeit, Erbrechen, Völlegefühl und Unterzuckerung nach Mahlzeiten zum Beschwerdebild.“ Menschen mit Diabetes können einer diabetischen Neuropathie vorbeugen, indem sie auf gute Blutzuckerwerte achten, etwaiges Übergewicht abbauen, nicht rauchen und mindestens einmal jährlich zur Kontrolluntersuchung gehen. Die Video-Reihe „Diabetes kostet Lebenszeit” ist in 2018 mit insgesamt 12 Videos gestartet. Darin formulieren Betroffene – Prominente und weniger Prominente, Menschen mit Diabetes Typ 1 und Typ 2 – kurz und prägnant in einer Minute ihre gesundheitspolitischen Forderungen. Ab heute folgt die zweite Staffel, in der Menschen zu Wort kommen, die nicht nur an Diabetes mellitus, sondern darüber hinaus an einer oder sogar mehreren Folgeerkrankungen leiden. Auch diese kosten Lebenszeit.
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