Mehr als zehn Prozent der Kinder mit Typ-1-Diabetes zeigen einen genetischen Befund

Wissenschaftler wertet DNA-Gel aus. (Foto: © gopixa – stock.adobe.com)

Kinder, die zum Zeitpunkt der Typ-1-Diabetes(T1D)-Diagnose keine T1D-spezifischen Autoantikörper zeigen, sollten einem Gentest unterzogen werden, um eine monogene Ursache der Erkrankung festzustellen oder auszuschließen. Das raten finnische Wissenschaftler im Journal „Diabetologia”.

Monogene Diabetesformen (MODY, neonataler Diabetes mellitus und syndromale Formen) sind selten und die betroffenen Personen werden zuweilen falsch eingestuft und suboptimal behandelt. Die Prävalenz eines T1D ist bei finnischen Kindern hoch, doch ein systematisches Screening auf monogenen Diabetes wird bisher nicht durchgeführt.

Nun überprüften finnische Forschende die Prävalenz und die klinischen Manifestationen des monogenen Diabetes bei Kindern (Alter ≤15 Jahre), die ursprünglich mit einem T1D im Finnischen Pädiatrischen Diabetes­register gelistet waren, aber zum Zeitpunkt der Diagnose keine T1D-spezifischen Autoantikörper (AAB) oder Inselzell-Autoantikörper (ICA) mit nur niedrigem Titer aufwiesen.

Zur Identifizierung des mono­genen Diabetes wurde ein Next-Generation-Sequencing-Panel mit 42 Genen verwendet. Einen besonderen Fokus legten die Forscher auf Varianten des Gens HNF1A (Hepatocyte Nuclear Factor 1 Homeobox A) bezüglich pathogener Befunde.

Von 6482 Teilnehmern sequen­zierten die Wissenschaftler die DNA von 152 (2,3 %) Kindern, die negativ auf alle AAB getestet worden waren und von 49 (0,8 %), die nur niedrige ICA-Titer (ICAlow) aufwiesen. Bei 19 (12,5 %) der AAB-negativen Patienten und zwei (4,1 %) der ICAlow-Gruppe wurde eine monogene Form von Diabetes festgestellt. Keiner der Patienten hatte zum Zeitpunkt der Diagnose eine Keto­­azidose oder trug HLA(Humanes Leukozyten Antigen)-Genotypen, die ein hohes T1D-Risiko bedingen. Die betroffenen Gene waren unter anderem HNF1A, HNF4A, HNF1B, INS (Insulin), KCNJ11 (Potassium Inwardly Rectifying Channel Subfamily J Member 11), RFX6 (Regulatory Factor X6) und WFS1 (Wolframin). Bei vier von fünf Patienten mit Varianten in HNF1A, HNF4A oder KCNJ11 war eine Umstellung von Insulin auf orale Medikamente erfolgreich.

Damit zeigen mehr als zehn Prozent der AAB-negativen Kinder mit neu diagnostiziertem Diabetes einen genetischen Befund, der mit einem monogenen Diabetes assoziiert ist. Da die genetische Diagnose zu wichtigen Änderungen in der Behandlung führen kann, sollten AAB-negative pädiatrische Patienten mit Diabetes einen Gentest absolvieren, empfehlen die Autoren. (je)