Mehr Lungenembolien bei höherem Feinstaub und Luftdruck

Symbolbild Lungenembolie. Abbildung: © Emanuel/stock.adobe.com

Eine von Forschenden der Medizinischen Universität Wien (Österreich) durchgeführte Analyse weist darauf hin, dass kurzfristige Anstiege bei Feinstaub und Luftdruck mit mehr Diagnosen von Lungenembolien einhergehen, nicht aber mit schwereren Krankheitsverläufen.

Die Wissenschaftler untersuchten, ob kurzfristige Umweltbelastungen das Auftreten von Lungenembolien beeinflussen könnten. Neben etablierten Risikofaktoren für Lungenembolien wie Operationen, Immobilisation oder Krebserkrankungen wird seit einigen Jahren diskutiert, ob auch Luftverschmutzung und meteorologische Bedingungen das Risiko mitbestimmen könnten.

Umweltfaktoren als mögliche Trigger zusätzlich zu klassischen Risikofaktoren

In die Kohortenstudie nahm das Team 969 Patienten am Universitätsklinikum AKH Wien mit bestätigter akuter Lungenembolie auf und analysierte Kurzzeit-Expositionen in den Tagen vor der Diagnose. Die Umweltdaten zu Feinstaub (PM2,5 und PM10), Luftdruck und Temperatur stammten aus Messnetzen von GeoSphere Austria sowie aus städtischen Messstationen der Stadt Wien.

Die Auswertung ergab eine Assoziation zwischen Umweltbelastung und der Häufigkeit von Lungenembolien. In Phasen mit höheren Feinstaubwerten sowie erhöhtem Luftdruck stellten die Wissenschaftler mehr Lungenemboliediagnosen fest. Besonders ausgeprägt war dieser Zusammenhang bei Patienten ohne erkennbare auslösende Risikofaktoren, also bei unprovozierter Lungenembolie, sowie bei ambulant diagnostizierten Fällen. Bei bereits stationär aufgenommenen Patienten zeigten sich hingegen keine klaren Effekte.

Für den klinischen Schweregrad der Lungenembolie fanden sich keine Zusammenhänge mit Feinstaub, Luftdruck oder Temperatur. Das spricht laut den Forschenden dafür, dass die untersuchten Umweltfaktoren eher mit dem Auftreten zusätzlicher Ereignisse in Verbindung stehen könnten, nicht aber mit einer Verschiebung hin zu schwereren Krankheitsbildern bei Diagnosestellung.

Beobachtete Effekte auf individueller Ebene gering

„Unsere Daten deuten darauf hin, dass kurzfristige Anstiege von Feinstaub und Luftdruck mit mehr Lungenembolien einhergehen, besonders bei Patientinnen und Patienten ohne klassische Risikofaktoren“, sagt Erstautor Stephan Nopp von der Klinischen Abteilung für Hämatologie und Hämostaseologie der Universitätsklinik für Innere Medizin I der MedUni Wien und des AKH Wien. „Das unterstreicht, dass Umweltbelastungen als potenzielle Auslöser mitgedacht werden sollten, auch wenn die beobachteten Effekte auf individueller Ebene gering sind.“

Studienleiter Cihan Ay, Klinische Abteilung für Hämatologie und Hämostaseologie, betont: „Es handelt sich um eine beobachtende Einzelzentrumsstudie, aus der sich keine Ursache-Wirkungs-Beziehung ableiten lässt. Die Ergebnisse liefern jedoch einen weiteren Baustein, um die Rolle modifizierbarer Umweltfaktoren bei thromboembolischen Erkrankungen besser zu verstehen.“

Das Team sieht weiteren Bedarf für multizentrische Studien in unterschiedlichen Klimaregionen sowie für Untersuchungen zu biologischen Mechanismen, etwa Entzündung, endotheliale Dysfunktion und prothrombotische Aktivierung, um die Befunde zu prüfen und besser einzuordnen.