Mehrfachverzweigter Stentgraft: Erster Aortenaneurysma-Patient in Europa mit innovativer Therapie behandelt

Das internationale OP-Team nach dem gelungenen Eingriff mit dem Stentgraft-G-Branch. (Foto: ©Asklepios)

Erstmals in Europa gelang den Gefäßchirurgen der Asklepios Klinik Nord-Heidberg (Hamburg) die erfolgreiche Implantation eines G-Branch Stentgraft, einer mehrfachverzweigten Gefäßprothese zur Behandlung eines lebensbedrohlichen, acht Zentimeter umfassenden Aortenaneurysmas an der Bauchschlagader.

Das gefäßchirurgische Team unter der Leitung von Chefarzt PD Dr. Marwan Youssef konnte mit dem mehrstündigen und komplikationslosen Eingriff einen älteren Patienten vor dem großen Risiko des Platzens der Hauptschlagader bewahren. Bei der Implantation des G-Branch Stentgraft handelt es sich laut Klinikangaben um „eine der komplexesten minimalinvasiven Gefäßinterventionen, bei der die innovativste endovaskuläre Technik zum Einsatz kommt“.

Der Stentgraf-G-Branch vor dem Eingriff. (Foto: ©Asklepios)

Bislang wurde die Therapie mittels des innovativen High-End-Stentgraft nur im Entwicklerland China erfolgreich erprobt. Die Gefäßexperten der Asklepios Klinik Nord identifizierten den Patienten aufgrund des bei ihm einerseits sehr ausgeprägten Aneurysmas bei gleichzeitig höherem Lebensalter als für die neue G-Branch-Methode besonders geeignet. Den Eingriff führten sie am 19. Juni 2023 durch. „Ein konventioneller Eingriff hätte für den Patienten möglicherweise ein zu hohes Gefährdungspotenzial bedeutet“, erklärt Youssef und sagt weiter: „Denn, auch wenn die Methode noch sehr neu ist, wurden die Begleitrisiken, die sich durch eine klassische große Operation ergeben hätten, als schwerwiegender eingeschätzt, als der sorgfältig vorbereitete Eingriff mit dem neuen Verfahren.“

3D-Rekonstruktion der postoperativen CTA-Kontrolle zeigt regelhaftes Ergebnis der G-Branch-Implantation (Foto: ©Asklepios)

Entwickelt wurde das System von Prof. Gou an der University of Peking (China) – erste positive Erfahrungen mit ca. 95 Implantationen wurden vor dem erstmaligen Einsatz in Europa an der Asklepios Klinik Nord daher bereits in China gemacht. „Aufgrund der ausgewiesenen Expertise unseres Teams der Gefäßchirurgie durften wir als erste Behandler in Europa diesen Eingriff mit dem High-End-Stentgraft durchführen“, berichtet Youssef. „Besonders freut es uns, dass wir diese Innovation für den Patienten einsetzen können und ihm so eine Implantation zukam, die weniger komplex und damit sicherer war, als bisherige Verfahren mit der bekannten Prothesen-Generation. Zugleich dauerte sie weniger lang, was das Risiko der Anästhesie noch einmal reduzierte. Der Patient hat sich deshalb auch deutlich schneller von dem Eingriff erholt – bereits am Tag nach der OP fühlte er sich gut und konnte schon 10 Tage später aus der Klinik entlassen werden. Dem Patienten geht es gegenwärtig sehr gut.“

Dem Klinikum zufolge war eine monatelange Planung, diverse Simulationen und aufwändige Vorbereitungen im Vorfeld dieses ersten Eingriffs mit dem neuen Verfahren nötig. Der Eingriff selber sei per Live-Online-Schaltverbindung zu einem Team in Peking und auch vor Ort in Hamburg durch Entwickler und beteiligte Ingenieure unterstützt worden. „Im Zentrum aller Überlegungen stand immer die optimale Patientenversorgung, die zu jedem Zeitpunkt während des Eingriffs gewährleistet war“, betont Youssef.