Meniskus, O-Beine und Arthrose: Mediziner weisen erstmals Zusammenhang nach9. Februar 2022 Foto: FATDOG PHOTOGRAPHY – stock adobe.com Menschen mit Schäden am Innenmeniskus und O-Beinen erleiden im Laufe des Lebens häufig eine Arthrose am Knie. Orthopädische Chirurgen um Prof. Henning Madry konnten diese Beobachtung aus der klinischen Praxis nun erstmals wissenschaftlich untermauern. Madry, Inhaber des Lehrstuhls für Experimentelle Orthopädie und Arthroseforschung an der Universität des Saarlandes sowie Direktor des Zentrums für Experimentelle Orthopädie am Universitätsklinikum des Saarlandesging mit Kolleginnen und Kollegen aus dem Saarland und Luxemburg der Frage nach, ob ein Meniskusschaden bei einem O-Bein tatsächlich zu mehr Knie-Arthrose führt, und ob dies beim X-Bein weniger der Fall ist. „Diesen Zusammenhang vermuten wir aus dem klinischen Alltag. Aber wissenschaftlich ursächlich nachgewiesen hat dies bisher niemand.“Bis jetzt. Denn Madry und seine Kollegen sind dieser vordergründig banalen Frage nun weltweit erstmals in einer wissenschaftlichen Studie nachgegangen. Entscheidend für die Antwort auf die Frage, ob es den beobachteten Zusammenhang tatsächlich gibt, ist die Beinachse und Abweichungen wie X- oder O-Beine. Beides ist weder ungewöhnlich noch ungesund, aber in beiden Fällen wird der Druck, der auf den Kniegelenken lastet, übermäßig stark nach innen (O-Beine) oder außen (X-Beine) abgeleitet. Ein unverletztes Knie kann eine solche Achsabweichung jedoch tolerieren. Madry und seine Kollegen haben diese Fehlstellungen sowie die normale Beinachse im Tiermodell nachgebildet und die Auswirkungen eines Meniskusschadens auf das anschließende Arthrose-Risiko untersucht, nachdem sie an einem Arthrose-Patienten, der sich einer operativen Korrektur des O-Beines unterzog, die klinische Relevanz des Problems aufgezeigt haben. „Wir haben in der Studie sehr detailliert nachweisen können, dass ein Meniskusschaden tatsächlich das Risiko für eine Arthrose im Kniegelenk messbar steigert“, so der Knorpelspezialist. Die wichtigste Erkenntnis aus der Studie lautet Madry zufolge, dass die Neigung der Beinachse ein entscheidendes Element ist für den Schweregrad der Arthrose ist: „O-Beine sind viel riskanter für die letztendliche Entstehung einer Arthrose nach Innenmeniskusschädigung als X-Beine“, lautet das Fazit. Insbesondere für gängige Therapieverfahren dürften diese Erkenntnisse von großer Bedeutung sein. „Es gibt zwei unterschiedliche Ansätze, die Achse zu korrigieren: Durch Schuheinlagen oder Knieorthesen sowie durch den chirurgischen Eingriff der kniegelenksnahen Umstellungsosteotomie, der die knöchern bedingte Achsfehlstellung unter Erhalt des natürlichen Kniegelenks korrigiert.“ Letzterer konkurriere mit einer Knieendoprothese, die aber bei jungen Patienten in etwa 25 Prozent der Fälle nach zehn Jahren ausgetauscht werden muss, da das künstliche Gelenk dann oftmals ans Ende seiner Nutzungsdauer gelangt ist. „Insbesondere für diese Patienten, die zumeist noch sehr aktiv sein wollen, ist dies natürlich sehr belastend“, so Madry. Die grundlegenden Erkenntnisse aus seiner Studie könnten nun dafür sorgen, dass diese Operation der kniegelenksnahen Umstellungsosteotomie unter Erhalt des natürlichen Knies verstärkt eingesetzt wird, um den Patienten eine gute Lebensqualität zu erhalten, ohne sich primär eine Knieprothese einsetzen zu lassen.
Mehr erfahren zu: "Krankenhäuser fürchten neue Milliardenlöcher und Pleiten" Krankenhäuser fürchten neue Milliardenlöcher und Pleiten Die große Mehrheit der deutschen Krankenhäuser ist in finanziell prekärer Lage. Die Einsparungen der Bundesregierung werden die Not einer Umfrage unter Klinikchefs zufolge noch vergrößern.
Mehr erfahren zu: "Weltmännertag: Echte Stärke heißt auch, auf sich selbst zu achten" Weltmännertag: Echte Stärke heißt auch, auf sich selbst zu achten Zum Weltmännertag am 3. November weist das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG) auf das Problem hin, dass Männer oftmals nicht genug auf sich selbst achten – mit Folgen für Gesundheit […]
Mehr erfahren zu: "Zi-Studie: Zahl der MVZ deutlich gewachsen – Kliniken betreiben die meisten Standorte" Zi-Studie: Zahl der MVZ deutlich gewachsen – Kliniken betreiben die meisten Standorte Die Zahl der MVZ-Betriebsstätten ist zwischen 2017 und 2020 um 35 Prozent gestiegen und die Trägerarten unterscheiden sich je nach Region deutlich. Das sind die Ergebnisse einer aktuellen Analyse.