Menopause: Höherer Gewichtsverlust durch Tirzepatid bei zeitgleicher Hormontherapie

Frauen haben nach der Menopause häufig mit Gewichtsproblemen zutun. Adipositas-Medikamente wie Tirzepatid wirken möglicherweise noch effizienter in Kombination mit einer Hormontherapie. Symbolbild: Pixel-Shot/stock.adobe.com

Viele Frauen haben nach der Menopause mit Gewichtsproblemen zu kämpfen. Neue Daten lassen vermuten, dass Tirzepatid in Kombination mit einer Hormontherapie zu deutlich größeren Gewichtsverlusten führen könnte als ohne Hormontherapie.

Frauen, die nach der Menopause eine Hormonersatztherapie erhalten, profitieren womöglich mehr von modernen Adipositas-Medikamenten wie Tirzepatid. Darauf deuten zumindest die Ergebnisse einer retrospektiven Studie der Mayo Clinic (USA) hin, veröffentlicht in der Fachzeitschrift „The Lancet Obstetrics, Gynaecology, & Women’s Health“. Sie könnten die Behandlungsmöglichkeiten für Millionen von Frauen erweitern, die nach der Menopause mit Adipositas und damit verbundenen Erkrankungen zu kämpfen haben.

Menopause erhöht kardiometabolisches Risiko

Die Menopause kann die altersbedingte Gewichtszunahme beschleunigen und das Risiko für Übergewicht und Adipositas sowie in der Folge Typ-2-Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen erhöhen. Der charakteristische Abfall von Östrogen ist zudem mit gewichtsunabhängigen Veränderungen verbunden, die potenziell das Herz-Kreislauf-Risiko erhöhen können.

„Unsere Studie liefert wichtige Erkenntnisse für die Entwicklung effektiverer und personalisierter Strategien zur Behandlung des kardiometabolischen Risikos bei postmenopausalen Frauen“, erklärt Regina Castaneda, Postdoktorandin an der Mayo Clinic und Erstautorin der Studie.

Die Hormonersatztherapie ist die wirksamste Erstlinienbehandlung von Wechseljahresbeschwerden wie Hitzewallungen und Nachtschweiß. Bis zu 75 Prozent der Frauen sind nach den Wechseljahren davon betroffen. Die Datenlage zu Wechselwirkungen der Hormontherapie mit Medikamenten zur Gewichtsreduktion ist begrenzt. Jedoch zeigen einige Studien, dass postmenopausale Frauen unter einer Hormontherapie einen stärkeren Gewichtsverlust erzielen können, wenn sie zusätzlich mit dem GLP-1-Rezeptoragonisten Semaglutid behandelt werden.

Höherer Gewichtsverlust durch Tirzepatid bei zeitgleicher Hormontherapie

Ob dieser Zusammenhang auf für den neueren dualen Agonisten Tirzepatid besteht, wurde bislang nicht untersucht. Castaneda und ihr Forschungsteam analysierten deshalb die Daten von 120 übergewichtigen oder adipösen Teilnehmerinnen, die Tirzepatid über mindestens zwölf Monate hinweg zur Gewichtsreduktion anwendeten. Patientinnen, die Tirzepatid zusätzlich zur Hormontherapie erhielten, wurden mit Teilnehmerinnen mit ähnlichen Merkmalen verglichen, die keine Hormontherapie anwendeten.

„In dieser Beobachtungsstudie verloren Frauen, die eine Menopause bedingte Hormontherapie anwendeten, etwa 35 Prozent mehr Gewicht als Frauen, die nur Tirzepatid anwendeten. Da es sich allerdings nicht um eine randomisierte Studie handelt, lässt sich nicht sagen, ob die Hormontherapie selbst zu einem zusätzlichen Gewichtsverlust führte“, erklärt Maria Daniela Hurtado Andrade, Endokrinologin an der Mayo Clinic und Letztautorin der Studie.

„Es ist möglich, dass die Frauen, die eine Hormontherapie anwendeten, bereits einen gesünderen Lebensstil pflegten. Oder dass die Linderung der Wechseljahresbeschwerden den Schlaf und die Lebensqualität verbesserte, wodurch es ihnen leichter fiel, eine gesündere Ernährung und körperliche Aktivität beizubehalten.“

Wechselwirkungen näher beleuchten

Zwar seien deshalb weitere Studien erforderlich, die diese Faktoren berücksichtigen, aber die Ergebnisse dennoch klinisch relevant: „Das Ausmaß dieses Unterschieds rechtfertigt zukünftige Studien, die dazu beitragen könnten, die Wechselwirkungen zwischen GLP-1-basierten Medikamenten gegen Adipositas und der Hormontherapie in den Wechseljahren zu klären. Interessanterweise deuten präklinische Daten auf eine mögliche Synergie hin, wobei Östrogen die appetitzügelnde Wirkung von GLP-1 zu verstärken scheint“, so Castaneda.

„Als Nächstes planen wir, diese Beobachtungen in einer randomisierten klinischen Studie zu überprüfen. So wollen wir feststellen, ob die Vorteile über die Gewichtsabnahme hinausgehen – insbesondere, ob die Hormontherapie auch die Wirkung dieser Medikamente auf kardiometabolische Parameter verstärkt“, ergänzt Hurtado Andrade. Sollten sich die Ergebnisse bestätigen, könne das die Entwicklung und Anwendung neuer, evidenzbasierter Strategien zur Behandlung postmenopausaler Frauen beschleunigen.

(mkl/BIERMANN)

Mehr zum Thema Menopause:

Menopause: Kein Einfluss von Ursache und Zeitpunkt auf das Diabetesrisiko

Menopause: DMG begrüßt Kurskorrektur zur Einstufung der Hormonersatztherapie