Menopause: Hormonfreies Hydrogel könnte vaginale Symptome lindern

Frauen leiden nach den Wechseljahren oft unter vaginaler Trockenheit und Schmerzen. Symbolbild Jo Panuwat D/stock.adobe.com

Bioingenieure der University of California San Diego (USA) haben ein Hydrogel entwickelt, das die vaginalen Gewebeveränderungen nach der Menopause umkehren und damit gängige Symptome reduzieren könnte, wie die präklinischen Ergebnisse andeuten.

Das urogenitale Menopausensyndrom (UGMS) betrifft bis zu 85 Prozent der Frauen über 40 Jahre, von denen rund 30 bis 60 Prozent unter vaginaler Trockenheit und Schmerzen leiden. Betroffene berichten von Schlafstörungen, Beeinträchtigungen des Sexuallebens und der Reise-, Sport- und Sozialfähigkeit. Ein Großteil dieser Frauen gibt außerdem an, mit den derzeit verfügbaren verschreibungspflichtigen und rezeptfreien Behandlungen unzufrieden zu sein.

Wissenschaftlern der University of California San Diego (USA) ist es gelungen, ein hormonfreies Hydrogel zu entwickeln, das direkt auf das Vaginalgewebe aufgetragen wird und die negativen Auswirkungen der Wechseljahre lindern könnte. Die Ergebnisse der Studie wurden in der Fachzeitschrift „Advanced Materials“ veröffentlicht.

Hydrogele aus extrazellulärer Matrix

Die hormonellen Veränderungen nach den Wechseljahren haben vielfältige Auswirkungen auf die Gesundheit von Frauen. Das Vaginalgewebe wird dünner und Blutgefäße schrumpfen, ebenso wie das Bindegewebe und die glatten Muskelschichten, die die Vagina beim Geschlechtsverkehr erweitern und Beckenorgane wie Blase, Gebärmutter und Rektum stützen.

„Wir haben ein neues Material entwickelt, speziell für die Vagina“, erklärt Prof. Karen Christman, Ko-Korrespondenzautorin der Studie. Sie leitet ein Team aus Bioingenieuren, das Hydrogele aus extrazellulärer Matrix herstellt. Die Forschenden hatten zuvor gezeigt, dass diese Art von Biomaterialien unter anderem zur Heilung von Herzmuskelgewebe nach einem Herzinfarkt beitragen. Für kardiale Anwendungen wurden die Hydrogele bereits erfolgreich in einer von der FDA zugelassenen klinischen Phase-I-Studie getestet.

Alternative zu Östrogenbehandlung

Der derzeitige Standard für die Behandlung von UGMS ist eine niedrig dosierte vaginale Östrogentherapie, die sich als hochwirksam bei der Verdickung der Vaginalschleimhaut erwiesen hat. Diese Behandlung hat jedoch keinen Einfluss auf das tiefere glatte Muskelgewebe in der Vaginalwand, das für die Struktur und Funktion des Organs verantwortlich ist. Darüber hinaus lehnen viele Patientinnen und sogar einige Ärzte diese Behandlung immer noch ab, weil sie befürchten, dass sie das Risiko für hormonsensitive Krebserkrankungen erhöhen könnte – eine Befürchtung, die Studien zufolge unbegründet ist.

„Wir wollen Östrogenbehandlungen nicht ersetzen“, ergänzt Erstautorin Dr. Emma Zelus. „Wir wollen eine Alternative für Patientinnen und Ärzte bieten, die entweder keine hormonbasierte Therapie wünschen oder für Frauen, bei denen vaginales Östrogen allein nicht ausreicht.“

Wirkung auf Muskulatur

In Zusammenarbeit mit Prof. Marianna Alperin, ebenfalls Ko-Korrespondenzautorin, testeten die Forschenden das neue Hydrogel an Ratten und analysierten die Veränderungen des Vaginalgewebes. Die Ergebnisse zeigen, dass durch die Behandlung, insbesondere in höherer Dosierung, das Vaginalgewebe wieder dem Gewebe von Tieren vor der Menopause ähnelte und zudem die glatte Muskulatur an Dicke zunahm.

Eine detailliertere Untersuchung ergab, dass das Hydrogel nicht nur in die obere Gewebeschicht, sondern auch die tiefergelegenen Muskelschichten der Scheidenwand eindrang. Darüber hinaus erhöhte sich durch die Anwendung der Anteil an Makrophagen, die Reparaturmechanismen im Gewebe fördern.

Im Uhrzeigersinn: gesundes, mit Kochsalzlösung, dem vECM-Hydrogel und Kollagen behandeltes Vaginalgewebe von Ratten nach 14-tägiger Behandlung. Die Färbung zeigt Zellkerne (blau), Stammzellen (magenta) und Epithelzellen (grün). Bildquelle: UC San Diego

Klinische Erprobung ausstehend

Diese präklinischen Ergebnisse sind vielversprechend, zumal sich keine Nebenwirkungen in den Tieren zeigten. Dennoch braucht es größere präklinische Studien, um die Ergebnisse zu validieren. Ratten werden zudem zwar häufig für die Erforschung von hormonellen Therapien eingesetzt, allerdings durchlaufen sie keine richtige Menopause.

Es bleibt also abzuwarten, ob sich der Einsatz des neuen Hydrogels gegenüber der Hormonbehandlung auch in den Patientinnen bewährt. Um die Gesundheitsprobleme von Frauen zu lösen, brauche es multidisziplinäre Ansätze, betont Alperin abschließend.

(mkl/BIERMANN)