Menopause verändert womöglich abrupt Lebensvorgänge

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Die Menopause könnte einen deutlicheren physiologischen Wendepunkt darstellen als bislang angenommen. Eine Studie in „Nature Medicine“ fand rund um die letzte Menstruation abrupte Veränderungen bei zahlreichen Laborparametern verschiedener Organsysteme.

Während bisherige Forschung die Veränderungen im Zeitraum um die Menopause häufig als graduellen Prozess beschreibt, identifizierten die Forschenden einen ausgeprägten physiologischen Wendepunkt („physiological cliff“) rund um die letzte Menstruation.

Für die Studie werteten sie mehr als 300 Millionen Laborergebnisse von über einer Million Frauen aus zwei unabhängigen Datenquellen aus: Die US-amerikanische National Health and Nutrition Examination Survey (NHANES) lieferte Labordaten aus den Jahren 1999 bis 2022. Ergänzend wurden Daten aus dem elektronischen Patientenakten-System des israelischen Krankenversicherers Clalit aus den Jahren 2004 bis 2024 analysiert.

Eine Herausforderung bei der Untersuchung der Menopause ist, dass in großen Routinedatensätzen häufig Angaben zum genauen Zeitpunkt der letzten Menstruation (Final Menstrual Period, FMP) fehlen. Die Forschenden nutzten daher die bekannte Verteilung des Menopausenalters in der Bevölkerung und die zeitlichen Veränderungen der Laborwerte, um den Zeitpunkt der FMP mithilfe mathematischer Modelle abzuschätzen.

Veränderungen an mehreren Organsystemen

Rund um die Menopause zeigten sich bei zahlreichen Laborparametern abrupte Veränderungen. Betroffen waren unter anderem Marker der Leber- und Nierenfunktion, des Knochenstoffwechsels und des Lipidstoffwechsels. Insgesamt zeigten 52 der 90 untersuchten Laborwerttypen einen solchen Umbruch. Bei Männern vergleichbaren Alters fanden sich diese abrupten Veränderungen nicht.

Auch bei der Häufigkeit bestimmter Erkrankungen zeigten sich zeitliche Veränderungen rund um die Menopause. Unter anderem nahm die Inzidenz von Herzinfarkt, Schlaganfall und Osteoporose nach der letzten Menstruation stärker zu.

Den abrupten Veränderungen gingen bereits Jahre zuvor Veränderungen der Sexualhormone voraus: Die Konzentrationen von Östrogen und Progesteron nahmen ab, während der FSH-Spiegel anstieg. Diese hormonellen Veränderungen begannen den Analysen zufolge bereits mehr als ein Jahrzehnt vor der Menopause.

Hormontherapie schwächt Veränderungen ab

Eine menopausale Hormontherapie schien die plötzlichen physiologischen Veränderungen abzuschwächen. Laut der Autorinnen und Autoren zeigte sich dann bei Untersuchungen von Leber, Nieren und Knochen ein gleichmäßigerer Übergang der Werte vor und nach der Menopause. Eine Hormontherapie ist aber nicht präventiv, sondern nur bei Beschwerden indiziert und birgt je nach Präparat unterschiedliche Risiken: Beispielsweise kann eine menopausale Hormonersatztherapie die Wahrscheinlichkeit für eine Venenthrombose, einen Schlaganfall und Krebs erhöhen. Daher ist es notwendig, Nutzen und Risiken individuell abzuwägen.