„Menschen mit psychischen Krankheiten trifft die Isolation schwer“15. April 2020 Prof. Dr. Georg Schomerus, Direktor der Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie am Universitätsklinikum Leipzig. © Stefan Straube / UKL Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie am Universitätsklinikum Leipzig bietet Notfall-Versorgung und Gruppen-Chat. “Mit dem Shutdown hat sich für alle Menschen der Alltag verändert”, sagt Prof. Dr. Georg Schomerus, Direktor der Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie am Universitätsklinikum Leipzig (UKL). “Für viele Menschen mit schweren psychischen Krankheiten aber sind die Veränderungen besonders schwerwiegend: Statt persönlicher Gespräche sind nur Telefonsprechstunden möglich, Beratungsstellen in der Stadt wurden geschlossen, soziale Kontakte fallen weg, die bisherige Struktur des Alltags und vor allem der Austausch mit anderen sind gestört. Das ist eine Herausforderung – für die Patienten, aber auch für uns.” Deshalb bringen sich die Mitarbeiter der Klinik verstärkt persönlich ein. Auf der Webseite der Klinik werden den Patienten die E-Mail-Adressen der Ärzte, Psychologinnen und Sozialarbeiter aufgeführt mit der Bitte, direkt mit dem Behandelnden Kontakt aufzunehmen und per Mail eine Rückrufnummer anzugeben. So können telefonische Einzel-Termine vereinbart werden. Außerdem gibt es nun unter 0341 / 97-24444 eine Hotline für Menschen in Krisen, die täglich von 11 von 15 Uhr erreichbar ist. “Daneben werden in ganz dringenden Fällen natürlich auch Termine vereinbart, bei denen sich Patienten persönlich bei uns vorstellen”, so Schomerus. “Das versuchen wir aber im Rahmen zu halten. Denn auch für uns gilt es, keine Infektionsketten zuzulassen.” Die Psychiatrische Institutsambulanz (PIA) der Klinik bietet außerdem den Patienten Gruppen-Chats an. “Mit Hilfe dieses Projektes soll unseren Patientinnen und Patienten der Austausch mit Therapeuten und Mitpatienten ermöglicht werden”, so Prof. Dr. Christine Rummel-Kluge, Oberärztin und Leiterin der PIA. “Die aktuelle Situation macht es schwer, ambulante psychiatrische Patienten weiter ausreichend psychiatrisch und psychosozial versorgen zu können. Denn viele unserer Patienten, die sonst regelmäßig und mehrmals wöchentlich unsere Therapie- und Gruppenangebote nutzen, können dies aktuell nicht tun. Deshalb bieten wir unseren Patienten diagnosespezifische Chats an.” Manchen Patienten fällt es sogar leichter, über manche Themen in einem Chat zu schreiben. Aus diesem Chat-Projekt will Rummel-Kluge zudem eine Studie ableiten. Über die Situation der schwer psychisch Kranken berichtet Schomerus, dass es vielen zunächst durchaus gut gelingt, mit der Kontaktsperre zurechtzukommen. Doch mit der Dauer der Sperre erwüchsen dann Probleme. “Am Ende entstehen echte psychiatrische Notfälle”, berichtet er. Manchen Patienten würde die Zahl der Probleme – die eigene psychische Krankheit, der Furcht vor der Seuche und die gesellschaftliche Isoliertheit – über den Kopf wachsen, andere hätten unter der fehlenden Tagesstruktur und der Isolation zu leiden. Über die Ambulanz versucht die Klinik, mit Patienten zu Hause telefonisch im Kontakt zu bleiben. Aber das gelingt nicht bei allen. “Wer Schwierigkeiten hat, soll sich gerne bei uns melden”, so Schomerus. “Wir suchen dann gemeinsam eine Lösung.”
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