Menschen mit Vorhofflimmern und vorherigem Schlaganfall profitieren von frühem Rhythmuserhalt

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Menschen mit Vorhofflimmern und einer Schlaganfall-Vorgeschichte haben ein hohes Risiko für erneute Schlaganfälle und kardiovaskuläre Komplikationen. Eine frühe rhythmuserhaltende Behandlung ist für diese hoch gefährdete Patientengruppe sicher und besonders wirksam, wie eine neue Subgruppenanalyse der Studie EAST-AFNET 4 in „The Lancet Neurology“ belegt.

Die Studie EAST-AFNET 4  (Early Treatment of Atrial Fibrillation for Stroke Prevention) konnte zeigen, dass eine rhythmuserhaltende Therapie mittels Antiarrhythmika oder Katheterablation – wenn sie im ersten Jahr nach der Diagnose Vorhofflimmern begonnen wird – bei Menschen mit Vorhofflimmern und Begleiterkrankungen kardiovaskuläre Ereignisse um 21 Prozent verringert.

Eine frühzeitige rhythmuserhaltende Therapie mit Medikamenten und/oder Ablation führte im Vergleich zur üblichen Behandlung zu weniger Todesfällen, Schlaganfällen und Krankenhausaufenthalten wegen Verschlechterung einer Herzschwäche oder akutem Koronarsyndrom. In der Studie wurden 2789 Patientinnen und Patienten mit kürzlich diagnostiziertem Vorhofflimmern (innerhalb eines Jahres nach Diagnose) und kardiovaskulären Risikofaktoren in den beiden Studiengruppen „früher Rhythmuserhalt (early rhythm control, ERC)“ und „übliche Behandlung (usual care, UC)“ über einen Zeitraum von fünf Jahren behandelt und beobachtet.

Vorhergehender Schlaganfall prädisponiert für weitere kardiovaskuläre Ereignisse

Dr. Märit Jensen vom Universitätsklinikum Hamburg Eppendorf (UKE), die die Ergebnisse beim Weltschlaganfallkongress vorgestellt hat, erklärt den Hintergrund der neuen Subgruppenanalyse von EAST-AFNET 4: „Zehn bis fünfzehn Prozent aller Patientinnen und Patienten mit Vorhofflimmern haben eine Schlaganfall-Vorgeschichte. Sie haben ein sehr hohes Risiko, einen weiteren Schlaganfall oder kardiovaskuläre Komplikationen zu erleiden. Aufgrund ihres Alters, der Begleiterkrankungen und häufig wegen einer dauerhaften Behinderung nach einem Schlaganfall erhalten diese Patientinnen und Patienten derzeit selten eine rhythmuserhaltende Therapie. Eine systematische frühzeitige rhythmuserhaltende Behandlungsstrategie verhindert Schlaganfälle und kardiovaskuläre Ereignisse bei Menschen mit kürzlich diagnostiziertem Vorhofflimmern. Allerdings sind Menschen mit Vorhofflimmern, die bereits einen Schlaganfall hatten, oft schwach und schwerkrank und könnten möglicherweise ein besonderes Risiko für Nebenwirkungen der rhythmuserhaltenden Therapie haben. Deshalb haben wir hier untersucht, ob eine frühe rhythmuserhaltende Behandlung bei diesen Patientinnen und Patienten sicher ist und unerwünschte kardiovaskuläre Folgen verhindern kann.“

Schlaganfall-Patienten profitieren von frühem Rhythmuserhalt

Eine Schlaganfall-Vorgeschichte hatten 217 Teilnehmende (8 %) der EAST-AFNET-4-Studie. Ihr Alter lag im Median bei 72 Jahren, der Frauenanteil bei 44 Prozent, der mittlere CHA2DS2-VASc Score bei fünf. Von diesen 217 Probanden gehörten 110 (51 %) der Studiengruppe „früher Rhythmuserhalt“ und 107 (49 %) der Studiengruppe „übliche Behandlung“ an.

Ein primärer Studienendpunkt – definiert als erstes Auftreten eines der Ereignisse Tod aus kardiovaskulärer Ursache, Schlaganfall oder Krankenhausaufenthalt wegen Verschlechterung einer Herzschwäche oder eines akuten Koronarsyndroms – ereignete sich bei 18 Patientinnen und Patienten der ERC-Gruppe (3,7 pro 100 Personenjahre) und bei 33 Patientinnen und Patienten der UC-Gruppe (7,4 pro 100 Personenjahre). Das Verhältnis der Ereignisraten lässt sich beschreiben durch eine Hazard Ratio von 0,52 (95%-Konfidenzintervall 0,29–0,93).

Ein primäres Sicherheitsereignis – Tod oder Schlaganfall oder eine schwerwiegende unerwünschte Folge der rhythmuserhaltenden Therapie – trat ein bei 17 Personen der ERC-Gruppe (16 %) und bei 30 der UC-Gruppe (28 %). Die Sterberate war bei den Patientinnen und Patienten mit frühem Rhythmuserhalt niedriger als bei denen, die die übliche Behandlung erhielten (10 % gegenüber 20 %).

Zur Sekundärprävention früher Rhythmuserhalt auch bei vorherigem Schlaganfall 

Jensen kommentiert die Ergebnisse: „Unter den Patientinnen und Patienten mit Vorhofflimmern und Schlaganfall-Vorgeschichte war die frühe rhythmuserhaltende Behandlung mit einem geringeren Risiko für unerwünschte kardiovaskuläre Folgen verbunden als die übliche Behandlung. Schwerwiegende Komplikationen der antiarrhythmischen Medikamente oder der Vorhofflimmer-Ablation bei früher rhythmuserhaltender Behandlung (3 %) waren nicht häufiger als bei den Studienteilnehmerinnen und Studienteilnehmern ohne Schlaganfall-Vorgeschichte (5 %).“

Prof. Götz Thomalla, Leiter des Clinical Stroke and Imaging Forschungslabors am UKE und Co-Autor der Studie, sagt: „Diese Subgruppenanalyse verdeutlicht den Nutzen der frühen rhythmuserhaltenden Therapie zur Verhinderung kardiovaskulärer Komplikationen bei Patientinnen und Patienten mit Vorhofflimmern, die bereits einen Schlaganfall hatten.“ Das unterstreiche die Bedeutung einer guten Zusammenarbeit zwischen Medizinerinnen und Medizinern aus Neurologie und Kardiologie in der Sekundärprävention bei diesem Patientenkollektiv.

Der wissenschaftliche Leiter der Studie, Prof. Paulus Kirchhof vom UKE, hebt hervor, dass der frühe Rhythmuserhalt genauso sicher erscheint wie bei Patientinnen und Patienten ohne vorherigen Schlaganfall. „Unsere Ergebnisse sprechen für eine frühe rhythmuserhaltende Behandlung bei Menschen mit Vorhofflimmern und Schlaganfall-Vorgeschichte zusätzlich zur Antikoagulation und Behandlung kardiovaskulärer Begleiterkrankungen.“