Menschen zu meiden, ist für Luchse wichtigster Faktor bei der Lebensraum-Wahl2. Februar 2022 Menschenscheu und schön: der Eurasische Luchs. Foto: © Antranias – pixabay.com Eine neue Datenanalyse liefert wichtige Informationen zur Habitatwahl des Eurasischen Luchses. Wie ein Team der Fakultät für Umwelt und Natürliche Ressourcen der Universität Freiburg herausgefunden hat, meidet er menschliche Infrastruktur und orientiert sich an Versteckmöglichkeiten sowie Beutetiervorkommen. Der Wahl des Lebensraumes ist bei Wildtieren ein Prozess, der auf mehreren Ebenen abläuft: Dem Abwägen zwischen Vorteilen wie zum Beispiel hohes Vorkommen von Nahrung und Nachteilen wie zum Beispiel Störungen durch den Menschen. Auf diese Störungen reagieren große Raubtiere mit ihrem hohen Raumbedarf besonders empfindlich. Ein Team um die Naturschutzbiologen Prof. Dr. Marco Heurich und Joseph Premier von der Fakultät für Umwelt und Natürliche Ressourcen der Universität Freiburg hat diesen Prozess zur Wahl des Lebensraumes beim Eurasischen Luchs untersucht. Ihre Ergebnisse, die die Forschenden in Biological Conservation veröffentlicht haben, liefern wichtige Informationen für die Erhaltung dieser Tierart in von Menschen dominierten Landschaften. „Durch die Untersuchung können wir das erste Mal das Habitatwahlverhalten einer großen Raubtierart auf kontinentaler Ebene verallgemeinern“, erklärt Heurich. Großer Datensatz mit Tieren in mehreren europäischen Gebieten Die Forschenden um Heurich und Premier verwendeten einen Datensatz, der aus Telemetriepositionen zu 125 Luchsen aus neun Untersuchungsgebieten in ganz Europa bestand. Sie verglichen die für die Raubtiere verfügbaren und tatsächlich von ihnen genutzten Standorte auf zwei Ebenen miteinander: der Landschafts-Ebene, die zeigt, wie Luchse ihr Streifgebiet in der Landschaft platzieren, und der Aktionsraum-Ebene beziehungsweise der Streifgebiets-Ebene, die aussagen, wie Luchse die Habitate innerhalb ihres Streifgebietes nutzen. Für diesen Vergleich verwendete das Forschungsteam einen neuartigen Ansatz des maschinellen Lernens, den sogenannten Random Forest-Algorithmus. Dieser wurde um einen zufälligen Effekt erweitert, so dass Variabilität in und zwischen den Untersuchungsgebieten berücksichtigt werden kann. Was die Tiere meiden, woran sie sich orientieren Auf der Landschaftsebene war auffällig, dass Luchse Straßen und menschliche Siedlungen meiden. Auf der Ebene ihres Aktionsraumes beziehungsweise Streifgebietes orientierten sich die Tiere an Versteckmöglichkeiten sowie an dem Vorkommen von Beutetieren. Die Forschenden stellten nur geringe Unterschiede zwischen weiblichen oder männlichen Luchsen bei der Wahl des Lebensraumes fest. Die größten Differenzen in der Habitatwahl der Luchse konnten Heurich und Premier auf der Landschaftsebene festgestellen, wo sich deutliche Unterschiede zwischen den verschiedenen Untersuchungsgebieten zeigten, zum Beispiel zwischen den Schweizer Alpen und den Ebenen Estlands. Innerhalb der Streifgebiete verhielten sich die Luchse in ganz Europa sehr ähnlich und bevorzugen heterogene Waldgebiete und Bereiche in denen sie vor menschlichen Störungen sicher sind.
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