Merkelzellkarzinom: Den Gegenangriff des Immunsystems stärken

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Ein Forschungsteam hat eine Methode zur Identifizierung der Zellen des Immunsystems, die Krebszellen erkennen und bekämpfen können, in Proben von Patienten mit einem Merkelzellkarzinom nachgewiesen.

Das Merkelzellkarzinom ist eine seltene und aggressive Form von Hautkrebs, die durch das Merkelzell-Polyomavirus und/oder UV-Strahlung verursacht wird. Es tritt vor allem im Kopf- und Halsbereich sowie an den Armen und Beinen auf, wo die Haut am meisten Sonne abbekommt. Der Krebs zeigt sich in der Regel als feste, rötlich-violette Beule auf der Haut, die nicht empfindlich ist, aber schnell wächst. Die Krankheit betrifft in der Regel Menschen über 70 Jahre – Frauen sind etwas häufiger betroffen als Männer. Bei etwa einem Drittel hat die Krankheit zum Zeitpunkt der Diagnose bereits gestreut.

Ein internationales Team von Forschenden unter der Leitung von Prof. Sine Reker Hadrup von der Danmarks Tekniske Universitet (DTU) hat die Elemente im Merkelzell-Polyomavirus identifiziert, die als Epitope bekannt sind und von den T-Zellen des Immunsystems erkannt werden können. Das Merkelzell-Polyomavirus ist direkt an der Entstehung von Merkelzellkrebs beteiligt. Normalerweise ist das Immunsystem in der Lage, diese Epitope zu erkennen und zu bekämpfen, aber vor allem bei älteren und immungeschwächten Patienten ist diese Reaktion beeinträchtigt. In Studien haben Forschende gezeigt, dass die Fähigkeit der Patienten, eine Immunreaktion gegen diese Elemente hervorzurufen, ausschlaggebend dafür ist, wie wirksam die Immuntherapie bei der Behandlung ihres Hautkrebses ist.

Aufbauend auf früheren Behandlungsversuchen arbeiten die Forschenden nun daran, die Immunantwort bei Patienten mit Merkelzellkarzinom weiter zu verstärken, und sie haben gezeigt, dass sie in der Lage sind, eine große Anzahl der gewünschten T-Zellen zu erzeugen – selbst bei Patienten, die normalerweise keine haben.

Bei den Versuchen nutzten die Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen die Immun-Checkpoint-Blockade. Das Behandlungsprinzip wurde 2018 mit dem Nobelpreis für Medizin ausgezeichnet und ist heute eine weitverbreitete Behandlungsstrategie für viele Krebsarten. Bei der Behandlung wird der PD1-Rezeptor blockiert – eine Struktur, die normalerweise die T-Zellen des Immunsystems nach einer Infektion im Körper bremst.

Das körpereigene Immunsystem ankurbeln

In den Laborexperimenten nehmen die Forschenden T-Zellen von Patienten und mischen sie mit einer Nanostruktur, die sie so konzipiert haben, dass sie die T-Zellen des Immunsystems gegen genau die Elemente des Merkelzell-Polyomavirus stimuliert, die an der Krebsbildung beteiligt sind. Auf diese Weise können die Forschenden eine große Anzahl von T-Zellen erzeugen, die in der Lage sind, Krebszellen abzutöten. Die Methode basiert auf einer von der DTU patentierten Technologie – einer Expansionsstrategie für T-Zellen – die von Hadrup entwickelt wurde.

„In der Studie zeigen wir, dass die Expansionsstrategie für Immunzellen, die Merkelzellkrebs bekämpfen können, für Menschen mit dieser Art von Krebs relevant ist. Wir haben einige molekulare Strukturen entworfen, die eine Reihe verschiedener Moleküle enthalten, die die Reaktion im Immunsystem aktivieren können, die die Krebszellen besiegen kann“, sagt Hadrup.

Der nächste Schritt wird sein, eine größere Studie durchzuführen und die Ergebnisse dann in einer Versuchsbehandlung mit Patienten zu verwenden. Längerfristig eröffnen die Forschungsergebnisse die Möglichkeit, die Behandlung zu einer neuen Art von Immuntherapie für Patienten mit Merkelzellkrebs zu entwickeln.