Metaanalyse: Herzinsuffizienz-Medikamente könnten das Herz von Krebspatienten schützen

In einer aktuellen Metaanalyse stand der Schutz des Herzens von Krebspatienten im Fokus. (KI-generiertes Symbolbild: ©Gambar/stock.adobe.com)

Krebstherapien schädigen oft das Herz. Laut einer aktuellen Metaanalyse können Herzinsuffizienz-Medikamente wie RAAS-Hemmer und Betablocker hier protektiv eingreifen.

Patienten, die sich einer Krebsbehandlung unterziehen, sehen sich häufig mit zusätzlichen Komplikationen in Form von Nebenwirkungen konfrontiert, die das Herz beeinträchtigen. Dies kann dazu führen, dass die Krebstherapie abgebrochen werden muss, wodurch ihre Wirksamkeit verringert wird. Forscher des Erasmus University Medical Centre in Rotterdam, Niederlande, stellten nun in einem Vortrag auf dem ESC Cardio-Oncology 2026 Ergebnisse vor, denen zufolge Medikamente, die zur Behandlung einer Herzinsuffizienz eingesetzt werden, vor solchen kardiotoxischen Wirkungen schützen.

Metaanalyse zu 49 Studien und fasst 7000 Patienten

Die Referentin Ymke Appels erläuterte den Hintergrund der Analyse: „Die ESC-Leitlinien für die Kardio-Onkologie empfehlen den Einsatz bestimmter Behandlungen bei Krebspatienten, die Anzeichen einer Herzfunktionsstörung zeigen, doch die Evidenz hierfür stammt größtenteils aus kleinen Studien, aus Expertenmeinungen und/oder aus der Anpassung anderer Leitlinien, wie beispielsweise derjenigen zur Herzinsuffizienz. Wir haben eine Metaanalyse von Daten aus veröffentlichten Studien durchgeführt, um besser zu verstehen, inwieweit verschiedene, für die Herzinsuffizienz empfohlene Therapien eine Verschlechterung der Herzfunktion bei Patienten verhindern, die mit Krebsmedikamenten behandelt werden.“

Die Analyse umfasste eine systematische Suche in biomedizinischen Literaturdatenbanken nach Studien an Patienten, die mit Krebsmedikamenten behandelt wurden und in denen die Wirkungen von Therapien bewertet wurden, die in den ESC-Leitlinien 2021 zur Diagnose und Behandlung von akuter und chronischer Herzinsuffizienz sowie in der Aktualisierung von 2023 empfohlen werden. Es wurden randomisierte kontrollierte Studien sowie retrospektive und prospektive nicht randomisierte Studien einbezogen. Die untersuchten Wirkstoffklassen waren Inhibitoren des Renin-Angiotensin-Aldosteron-Systems (RAAS; Angiotensin-Converting-Enzym-Hemmer, Angiotensin-Rezeptor-Blocker und Angiotensin-Rezeptor-Neprilysin-Hemmer), Betablocker, Mineralokortikoid-Rezeptor-Antagonisten und SGLT2-Hemmer. Auch Statine wurden berücksichtigt. Insgesamt wurden 49 Studien mit 6998 Patienten identifiziert.

Wirksamer Schutz durch RAAS-Inhibitoren und Betablocker

Die Analyse untersuchte vor allem die Auswirkungen der verschiedenen Therapien auf die linksventrikuläre Ejektionsfraktion (LVEF). In 23 Studien zur RAAS-Hemmung verbesserte sich die LVEF im Vergleich zu Placebo bzw. zur Standardtherapie um 2,88 Prozentpunkte (p<0,001). In den 22 Studien zu Betablockern zeigte sich eine geringere Verbesserung der LVEF um 1,20 Prozentpunkte im Vergleich zu Placebo bzw. der Standardtherapie (p=0,05). Bemerkenswerterweise verbesserte sich in den acht Studien, in denen eine Kombination aus RAAS-Hemmung und Betablockern zum Einsatz kam, die LVEF um 2,98 Prozentpunkte (p<0,001). Signifikante positive Veränderungen der globalen Längsdehnung wurden ebenfalls bei RAAS-Hemmern, Betablockern und der Kombination beider Therapien beobachtet.

Auch Mineralokortikoid-Antagonisten schienen vielversprechende schützende Wirkungen zu zeigen, mit einem Anstieg der LVEF um 4,68 Prozentpunkte im Vergleich zur Kontrollgruppe. Diese Daten stammten jedoch nur aus zwei Studien. Die einzige Studie mit einem SGLT2-Inhibitor zeigte eine Verbesserung der LVEF um 3,20 Prozentpunkte. Statine wurden in sieben Studien untersucht und zeigten im Vergleich zur Kontrollgruppe einen Anstieg der LVEF um 2,49 Prozentpunkte (p<0,001).

Bedarf an weiterer Forschung für neuere Therapieansätze

Der leitende Forscher Dr. Wouter Meijers resümierte: „Durch die Zusammenfassung der Studienergebnisse haben wir bestätigt, dass die in den Leitlinien empfohlenen Therapien bei Herzinsuffizienz – insbesondere eine Kombination aus RAAS-Hemmern und Betablockern – die Herzfunktion bei Patienten schützen, die wegen einer Krebserkrankung behandelt werden. Die Anzahl der Studien zu anderen Therapien bei Herzinsuffizienz war gering, was die Notwendigkeit weiterer randomisierter Studien unterstreicht, insbesondere zu neueren kardiovaskulären Behandlungen, um deren Stellenwert in der Kardio-Onkologie vollständig zu verstehen.“

(ah/BIERMANN)