Metaanalyse zur Therapie der resistenten Hypertonie: Spironolacton hat die Nase vorn

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Eine Metaanalyse in der Fachzeitschrift „Cardiovascular Research“ verglich medikamentöse, interventionelle und den Lebensstil betreffende therapeutische Maßnahmen zur Behandlung eines resistenten Bluthochdrucks. Neben Therapietreue und einem gesunden Lebenswandel zeigte sich dabei ein klarer Favorit.

Bei der resistenten Hypertonie kommen verschiedene Medikamente zum Einsatz, aber auch interventionelle Eingriffe. Dazu gehören die renale Denervation und die Barorezeptorstimulation. Ein Team um Prof. Bernhard Schmidt, Oberarzt an der Klinik für Nieren- und Hochdruckerkrankungen der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH), hat nun untersucht, welche therapeutischen Maßnahmen die wirksamsten sind, um den Blutdruck bei resistenter Hypertonie zu senken. Dafür haben die Forschenden in einer Netzwerk-Metaanalyse eine Vielzahl bereits veröffentlichter wissenschaftlicher Studien zusammengefasst und so die Wirksamkeit der verschiedenen Behandlungsmethoden verglichen.

Das Ergebnis: Der Wirkstoff Spironolacton, der das Hormon Aldosteron an seiner Wirkung hindert, hatte den stärksten blutdrucksenkenden Effekt. Auch eine Änderung des Lebensstils zeigte bei dieser schweren Hypertonie eine deutliche positive Wirkung. Dagegen waren die Effekte der anderen medikamentösen und interventionellen Verfahren geringer ausgeprägt.

Vergleich der Wirkstärke unterschiedlicher Bluthochdrucktherapien

Die Studienautoren definierten eine resistente Hypertonie als einen Blutdruck von mehr als 140/90 mmHg trotz gleichzeitiger Einnahme von drei verschiedenen antihypertensiven Substanzklassen bei maximal verträglicher Dosierung. Für die Metaanalyse analysierten die Forschenden 24 Studien mit insgesamt 3458 inkludierten Patienten, die unterschiedliche Therapien bei resistenter Hypertonie testeten. Neben den medikamentösen Therapien mit Spironolacton, Doxazosin, Betablocker, Clonidin, Darusentan und Guanfacin waren verschiedene Arten der renalen sympathischen Denervierung, Lifestyle-Intervention, kontinuierlicher positiver Atemwegsdruck und Barorerezeptorstimulation Gegenstand der Analyse. „Auch wenn jede dieser Studien für sich genommen jeweils nur eine Blutdruckbehandlung im Vergleich zu Scheintherapien (Placebo) untersuchte, konnte durch die spezielle Methodik der Netzwerk-Metaanalyse ein Vergleich der unterschiedlichen Behandlungsformen über die unterschiedlichen Studien hinweg ermöglicht werden. „Dabei konnten wir sehen, dass alle Therapien einen Effekt hatten, aber in unterschiedlicher Stärke“, sagt Schmidt.

Therapietreue als Voraussetzung für die Behandlung

Auch die Therapietreue, also die Bereitschaft, ärztlichen Anweisungen zu folgen, spiele bei der Behandlung von Bluthochdruck eine große Rolle. „Interessanterweise hatten auch die Placebo-Behandlungen in den Studien positive Wirkung, vermutlich weil die Patientinnen und Patienten besser mitarbeiteten, wenn sie das Gefühl haben, dass sie ärztlich betreut werden“, vermutet Schmidt. Nimmt der Patient die Medikamente nicht oder nicht wie verordnet ein und der Blutdruck bleibt hoch, spricht die Medizin von pseudoresistenter Hypertonie. „Das müssen die behandelnden Ärztinnen und Ärzte natürlich im Blick haben.“

Doch etwa zehn Prozent der Bluthochdruck-Betroffenen leiden unter tatsächlicher resistenter Hypertonie. „Hier haben unsere Untersuchungen gezeigt, welchen überraschend großen Einfluss die Änderung des Lebensstils hatte“, stellt der Nephrologe fest. Wer sich gesund und salzarm ernähre, sich ausreichend bewege, Übergewicht vermeide und den Konsum von Nikotin und Alkohol reduziere, könne selbst sehr viel gegen Bluthochdruck tun. In Kombination mit Spironolacton lassen sich die größten blutdrucksenkenden Effekte erwarten.

Doch Spironolacton hat auch Nebenwirkungen wie etwa eine Vergrößerung der Brustdrüse bei Männern. Zudem verändert es den Elektrolythaushalt im Blut. Das kann erhöhte Kaliumwerte zu Folge haben, die sich negativ auf das Herz auswirken. Es gibt aber schon vielversprechende Studien zu ähnlich wirkenden Alternativen, die weniger Nebenwirkungen haben. „Bis die auf dem Markt sind, bleibt der seit Jahren bewährte Wirkstoff Spironolacton der Goldstandard in der Behandlung“, betont Schmidt.