Methylphenidat zur Behandlung der Apathie bei Alzheimer-Demenz22. Dezember 2021 Foto: ©Dmitry Berkut – stock.adobe.com Das Psychostimulans Methylphenidat kann die Apathie von Alzheimer-Erkrankten singnifikant positiv beeinflussen. Das zeigt eine aktuelle Studie, die auch die Sicherheit des Medikamentes bestätigt, wie die Deutsche Gesellschaft für Neurologie berichtet. Im Rahmen einer Alzheimer-Erkrankung kann es auch zu neuropsychiatrischen Symptomen kommen, eines der häufigsten ist eine Apathie. Die Betroffenen weisen einen verminderten Antrieb, Empathie- und Interessenverlust auf, was die Behinderung weiter verstärkt und die Belastung der Betreuenden beziehungsweise den Pflegeaufwand (und somit auch die Behandlungskosten) sowie die Mortalität erhöht. Einige Behandlungsstudien zeigten bisher keine Wirkung. An der Apathie setzt die Behandlung mit Methylphenidat an, das sonst zur Behandlung der Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) und der Narkolepsie eingesetzt wird. Kleinere Untersuchungen zeigten bislang günstige Effekte auf die Apathie bei Alzheimer-Erkrankten, sodass nun die ADMET-2-Studie („Apathy in Dementia Methylphenidate Trial 2“), eine multizentrische, randomisierte, verblindete, placebokontrollierte Phase-III-Studie die Substanz an einer größeren Zahl Betroffener evaluiert hat. Von 2016 bis 2020 wurden in einem kanadischen und sieben spezialisierten Demenz-Zentren der USA 307 Alzheimer-Erkrankte gescreent, von denen 200 Personen in die Studie eingeschlossen werden konnten. Die Teilnehmenden hatten milde bis moderate kognitive Beeinträchtigungen und zeigten häufige oder schwere Apathie-Zustände (gemessen mit einem speziellen Demenz-Fragebogen, dem NPI/„Neuropsychiatric Inventory“). 99 Teilnehmende erhielten über sechs Monate Methylphenidat (2 x täglich 10 mg oral) und 101 ein Placebo. Das mediane Alter lag bei 76 Jahren (IQR 71–81), 66% waren männlich. Das Outcome beinhaltete (1) Veränderungen des initialen Apathie-NPI-Scores oder (2) eine Verbesserung des Alzheimer-Scores ADCS-CGIC („Alzheimer’s Disease Cooperative Study-Clinical Global Impression of Change”; Werte von 1-7, wobei höhere Werte schlechter sind). Weitere Endpunkte waren Veränderungen kognitiver Fähigkeiten, Lebensqualität und das Sicherheitsprofil. Im Ergebnis zeigten sich nach sechs Monaten in der Methylphenidat-Gruppe gegenüber der Placebo-Gruppe signifikante Verbesserungen des Apathie-Scores (mittlerer NPI-Unterschied -1,25; p=0,002). Am deutlichsten verbesserte Methylphenidat den Score in den ersten 100 Tagen (HR 2,16 für das vollständige Verschwinden der Apathie-Symptome, p=0,01). Auch der Alzheimer-Score verbesserte sich in der Methylphenidat-Gruppe fast doppelt so häufig (OR 1,9; p=0,07): Der Unterschied der mittleren Änderung des ADCS-CGIC im Studienzeitraum betrug 1,43 (p=0,048). Bei den kognitiven Tests und der Lebensqualität gab es in beiden Gruppen keine Veränderung. Von 17 schweren unerwünschten Ereignissen stand keines im Zusammenhang mit dem Studienmedikament; das Sicherheitsprofil war in beiden Gruppen gut. Mehr Teilnehmer in der Wirkstoffgruppe (10 vs. 6) berichteten über einen Gewichtsverlust von mehr als sieben Prozent während der Studie. „Da es noch keine in Europa zugelassene kausale Alzheimer-Therapie gibt, muss die Behandlung auch an allen Risikofaktoren und begleitenden Symptomen ansetzen. Nach diesen Studiendaten stellt Methylphenidat eine wirksame und sichere Option für die Behandlung der Apathie dar“, betont Prof. Richard Dodel, Essen. „Soziale Isolation und Bewegungsmangel bedingen und verstärken sich gegenseitig und sind Treiber einer Demenz. Symptome wie Depressionen und Apathie verhindern die Mitarbeit – gerade in frühen Erkrankungsstadien ist es aber wichtig, dass die Betroffenen sich bewegen oder Sport treiben, mobil und unternehmungslustig bleiben und soziale Kontakte haben, denn dies kann das Fortschreiten der Demenz beeinflussen.“
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