MHH-Kardiologie implantiert neueste Generation selbstauflösender Stents

Filigranes Geflecht: der neue resorbierbare Stent. Foto: ©Karin Kaiser/MHH

An der Klinik für Kardiologie und Angiologie der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) wurde einem Patienten ein neuartiger resorbierbarer Stent eingesetzt. Das Implantat aus Magnesium stützt die Herzkranzgefäße und hält sie offen. Es war weltweit die zweite Implantation dieser Art.

Ein Stent stellt den Blutfluss in der ursprünglich verengten Herzkranzarterie wieder her. Er hält das Gefäß offen und stützt die Gefäßwand. Im Gegensatz zu Stents aus Metall, die im Körper verbleiben, lösen sich bioresorbierbare Stents von selbst auf und verschwinden. Dr. L. Christian Napp sieht darin einen deutlichen Fortschritt: „Selbstauflösende Gefäßstützen sorgen dafür, dass die Arterie ihre natürliche Funktion inklusive der Beweglichkeit der Gefäßwand zurückerlangt“, erklärt der Geschäftsführende Oberarzt und Leiter des Herzkatheterlabors der Klinik für Kardiologie und Angiologie. „Das ist ein großer Vorteil für den Fall, dass die Arterienverkalkung insgesamt fortschreitet und zu einem späteren Zeitpunkt weitere Eingriffe an den Herzkranzgefäßen vorgenommen werden müssen.“ Aus diesem Grund eignen sich selbstauflösende Stents besonders gut für jüngere Patientinnen und Patienten.

Stent aus Magnesium

Das neuartige Modell namens Freesolve von der Firma Biotronik besteht fast ausschließlich aus Magnesium, das im Körper ohnehin vorhanden ist. Der Stent löst sich über einen Zeitraum von etwa zwölf Monaten auf, und gibt gleichzeitig ein Medikament ab, das die Gefäßwandheilung fördert und Wiederverengungen verhindert. Da der Magnesiumstent sehr dünne und fein gearbeitete Streben hat, lasse er sich sehr gut implantieren und eine optimale Heilung und Auflösung erwarten, heißt es von der MHH.

Erblich vorbelastet

Kubilay C. aus Neustadt ist der erste Patient, dem in der Klinik für Kardiologie und Angiologie der neuartige Stent eingesetzt wurde. Der 48-Jährige ist sportlich, raucht nicht und lebt gesund – hat aber ein familiäres Risiko für Arteriosklerose. Bei ihm machte sich die Erkrankung im Dezember 2022 erstmals deutlich bemerkbar. „Ich bekam auf der Arbeit plötzlich anhaltendes Herzrasen“, erinnert er sich. Es folgten Untersuchungen im Krankenhaus, beim Hausarzt und beim niedergelassenen Kardiologen. Wie sich herausstellte, waren drei Herzkranzgefäße verengt. Der Kardiologe überwies Kubilay C. zur Weiterbehandlung in die MHH. Im Juli 2023 implantierte ihm Napp den ersten Stent, ein ebenfalls selbstauflösendes Vorgängermodell von Freesolve. „Nachdem wir mit dem Vorgänger gute Erfahrungen gemacht hatten, entschieden wir uns beim zweiten Mal für Freesolve“, erklärt Napp. Am 22. Februar dieses Jahres war es so weit. Der Eingriff erfolgte minimalinvasiv unter örtlicher Betäubung. „Zu Beginn kontrollierten wir den Stent aus dem vergangenen Jahr – er war bereits fast nicht mehr zu erkennen, da die Auflösung nahezu abgeschlossen war.“

Nach einer Nacht in der Klinik konnte der Familienvater wieder nach Hause. Die dritte Stent-Implantation hat er zwar noch vor sich, doch fühlt er sich eigenen Angaben zufolge schon sehr viel besser als vor den Eingriffen. Auch sein dritter Stent wird ein Freesolve werden.

Neue Möglichkeit für viele Patientinnen und Patienten

Durch die Implantation von Stents bleiben Kubilay C. wesentlich belastendere Bypass-Operation erspart. „Mit den neuen selbstauflösenden Stents sind wir an einem Punkt angelangt, an dem Gefäßstützen aus Metall zumindest teilweise abgelöst werden können“, meint Napp. Klinikdirektor Prof. Johann Bauersachs sieht das genauso: „Selbstauflösende Stents werden sich für sehr viele Patientinnen und Patienten eignen. Das wird die Zukunft sein.“