MHH: Weshalb Herzkranke auf Sahnetorte verzichten sollten17. Juni 2021 Dietmar Manstein mit einer schematischen Darstellung der Herzmuskelproteine (bunt) und der daran bindenden Rumensäure (grau). Foto: ©Karin Kaiser/MHH Forschende der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) untersuchten den Einfluss der Transfettsäure Rumensäure auf Herzmuskelfasern. Den kürzlich publizierten Studienergebnissen zufolge kann sich diese bei PatientInnen mit geschädigtem Herzen negativ auswirken. Wichtige Auslöser für Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind neben Stress und Bewegungsmangel eine ungesunde Ernährung. Jetzt hat ein Forschungsteam um Prof. Dietmar Manstein, Direktor des Instituts für Biophysikalische Chemie der MHH, einen weiteren Grund entdeckt, weshalb Menschen mit Herzproblemen auf Butter, Sahnetorte oder Lammbraten verzichten sollten: Sie enthalten Rumensäure, eine Transfettsäure, die in Kuhmilchprodukten und dem Fleisch von Wiederkäuern vorkommt. Die Forschungsergebnisse sind jetzt in der Fachzeitschrift „Journal of Physiology“ veröffentlicht. Erhöhter Energieverbrauch durch die Rumensäure „Rumensäure bindet an das kardiale Motorprotein Myosin, einen wichtigen Baustein unserer Herzmuskelfasern“, erklärt Manstein. Schon lange beschäftigt sich der Biochemiker und Strukturbiologe mit der Frage, wie bestimmte Stoffe in der Nahrung unseren Körper chemisch und biologisch steuern und beeinflussen. Dabei stellte er in biochemischen Experimenten fest, dass die im Pansen von Wiederkäuern gebildete Rumensäure offenbar gut an das motorische Muskeleiweiß im menschlichen Herzen andocken kann. Mit der Nahrung gelangt die konjugierte Transfettsäure entweder direkt oder in Form von Vaccensäure, die erst im Körper zu Rumensäure umgewandelt wird, über den Darm in das Blut und weiter zum Herzen. Dort sorgt sie dafür, dass sich der Herzmuskel häufiger zusammenzieht und sich der Energieverbrauch des Organs erhöht. „Für Gesunde ist das zwar vollkommen unproblematisch“, sagt der Wissenschaftler. Bei einem geschädigten Herzen könne der Effekt aber negative Folgen haben – etwa für Patientinnen und Patienten, deren Herzmuskelgewebe nach einer Arteriosklerose oder einem Herzinfarkt weniger stark durchblutet ist und entsprechend schlechter mit Nährstoffen und Sauerstoff versorgt wird. Wirkung von Myosin-Aktivatoren herabgesetzt Arzneistoffe, die zur Behandlung einer akut lebensbedrohlichen Herzkrankheit eingesetzt werden, senken typischerweise den Blutdruck und die Schlagfolge des Herzens. Die Rumensäure trägt in dieser Situation zum dauerhaften Verlust von funktionellem Herzmuskelgewebe bei, indem sie den Energieverbrauch erhöht. Zusätzlich bindet die Rumensäure in der gleichen Myosin-Region wie der kardiale Myosin-Aktivator Omecamtiv-Mecarbil, welcher zu einer neuen Klasse therapeutischer Wirkstoffe gehört, die bei Herzinsuffizienz zum Einsatz kommen. Die Rumensäure hebt deren Wirkung teilweise auf. „Somit kann eine unangepasste Ernährung die therapeutische Wirksamkeit dieser vielversprechenden Wirkstoffe erheblich einschränken“, stellt Manstein fest.
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