Mikrobielle Metaboliten als Risikofaktoren für Parkinson?17. Oktober 2023 Das Wissen um die Bedeutung des Darmmikrobioms für die Gesundheit des Körpers wächst stetig. (Foto: © Artur – stock.adobe.com) Wissenschaftler der Universitäten Konstanz und Wien, Österreich, sowie des Albert Einstein Colleges of Medicine, USA, haben einen mikrobiellen Metaboliten entdeckt, der Dopamin produzierende Neuronen zerstört. Weitere Versuche zeigten, dass in Folge davon parkinsonähnliche Symptome auftreten. Diese Entdeckung wirft ein neues Licht auf potenzielle Umweltfaktoren – wie Metaboliten des menschlichen Mikrobioms – als Auslöser von Parkinson. Die zugrundeliegenden Ursachen von Morbus Parkinson liegen noch immer im Dunkeln. Während genetische Mutationen als eine Ursache für die Erkrankung bekannt sind, treten 90 Prozent der Fälle sporadisch auf, also ohne klaren genetischen Ursprung. Wissenschafter vermuten, dass Umweltfaktoren eine Rolle spielen könnten – Substanzen wie Pestizide und Industriechemikalien werden daher auf mögliche Verbindungen zur Neurodegeneration untersucht. Neueste Studien unterstreichen die Wichtigkeit der Darm-Hirn-Achse und legen nahe, dass das menschliche Mikrobiom neurodegenerative Krankheiten beeinflussen könnte. Das Darmmikrobiom von Parkinson-Patienten unterscheidet sich von jenem gesunder Menschen. Einige mikrobielle Metaboliten greifen speziell Dopamin-produzierende Neuronen an, die bei Parkinson entscheidend betroffen sind. Forscher der Universität Wien, der Universität Konstanz und des Albert Einstein College of Medicine konzentrierten sich in der aktuellen Studie auf einen Metaboliten, der vom Bakterium Streptomyces venezuelae produziert wird. Das Team isolierte und identifizierte diesen Metaboliten und setzte ihn menschlichen Dopamin-produzierenden Neuronen aus. Die Ergebnisse waren eindeutig: Der Metabolit hatte eine zerstörerische Wirkung, die ähnlich wie bei Parkinson zu neuronalem Verlust führte. Um ihre Ergebnisse weiter zu validieren, untersuchten die Forscher die Wirkung dieses bakteriellen Metaboliten auf Fadenwürmer, die in der Folge Bewegungsschwierigkeiten und spezifische neuronale Muster zeigten, ähnlich denen von menschlichen Parkinson-Patienten. Marcel Leist von der Universität Konstanz und Thomas Böttcher von der Universität Wien arbeiteten zusammen an dieser Studie, die die Bereiche mikrobielle Biochemie und molekulare Neurowissenschaften verbindet. „Unsere Forschung stellt eine greifbare Verbindung zwischen einem spezifischen bakteriellen Metaboliten und Symptomen her, die Parkinson ähneln. Es ist ein weiterer Schritt um zu verstehen, wie unsere Umwelt, bis hin zu den Mikroben um uns herum, den Beginn oder den Verlauf solcher Krankheiten beeinflussen könnte“, erklärte Leist. Den Forschenden zufolge bietet ihre Entdeckung nicht nur eine neue Perspektive auf die Auslöser von Parkinson, sondern eröffnet auch neue Wege für die Forschung. Könnten andere mikrobielle Substanzen neurodegenerative Krankheiten beeinflussen? Wie interagieren diese Substanzen mit unseren Neuronen? Und am wichtigsten: Kann dieses Wissen zu neuen Behandlungen oder Vorbeugemaßnahmen führen? „Obwohl die Studie erst einen Anfang darstellt, ist sie ein vielversprechender Schritt zur Entschlüsselung der molekularen Ursachen von Parkinson und anderen neurodegenerativen Erkrankungen“, ist Böttcher überzeugt.
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