Milchbetriebe: Umstellung auf Bio verbessert Klimabilanz7. Juli 2022 Gesprächsrunde Foto: © Petra Bosse – pixabay.com Stellt ein Milchbetrieb seine Produktion von konventionell auf ökologisch um, kann das seinen Klimafußabdruck um bis zu neun Prozent reduzieren. Trotz des Mehraufwands blieben auch die Erträge auf hohem Niveau, wie eine neue Studie im Fachjournal „Agronomy for Sustainable Development” belegt. Im Rahmen der Studie unter Leitung der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (MLU) und des Leibniz-Instituts für Agrarentwicklung in Transformationsökonomien (IAMO) wurde ein Milchbetrieb über zwei Jahre bei diesem Prozess begleitet. „Unsere Studie zeigt, dass es keinen Widerspruch zwischen einer umweltfreundlichen Produktion und dem Aufrechterhalten der Produktivität eines Betriebs geben muss“, sagt Arthur Groß vom Institut für Agrar- und Ernährungswissenschaften der MLU. Das Team untersuchte den Milchviehbetrieb Hof Pfaffendorf nördlich von Halle, der 2018 seine Produktion von konventionell auf ökologisch umgestellt hat. Mit einer Ackerfläche von etwa 675 Hektar und mehr als 650 Kühen gehöre der Bio-Betrieb zu den größten in der Region, so Groß.Während der Umstellung wurde zum Beispiel das Futter für die Kühe geändert: Anstelle von Kraftfutter sollte künftig vermehrt auf regional angebaute Feldfrüchte, Stroh und Gras gesetzt werden. „Kraftfutter wird relativ energieintensiv und abseits des Hofs produziert. Eine regionale Futterproduktion ist dagegen deutlich ressourcenschonender und umweltfreundlicher, da die externen Anlieferungen wegfallen und weniger Dünger zum Einsatz kommt“, sagt Groß. Außerdem beschlossen die Landwirte, den in der Bio-Produktion untersagten Mineraldünger ausschließlich durch hofeigene Gülle zu ersetzen und keine weiteren organischen Düngemittel extern zuzukaufen.Vor und während der Umstellung führten die Forscher anhand internationaler Standards eine sogenannte „Carbon Footprint“-Analyse durch, um eine ganzheitliche Klimabilanz für den Betrieb zu ermitteln. Hierfür sammelten sie alle verfügbaren Betriebsdaten. Dazu gehören zum Beispiel Angaben zu angebauten Pflanzen, zum Einsatz von Dünger, zur Größe des Betriebs oder zu Futtermitteln für die Kühe. Auch der Kraftstoffverbrauch der verwendeten Fahrzeuge und ob bestimmte Produkte eingekauft und angeliefert werden müssen, wurden für die Berechnung berücksichtigt. „All das ist relevant, um die Klimabilanz eines Betriebs präzise zu modellieren”, sagt Dr. Florian Schierhorn vom IAMO. Anschließend berechnete das Team die Emissionen pro produziertem Liter Milch.Das wichtigste Ergebnis: Durch die Umstellung sanken die Treibhausgas-Emissionen pro Liter um neun Prozent. Allerdings profitierten nicht alle Bereiche des Hofs gleichermaßen von dem Wechsel: Während die Emissionen beim Dünger und beim Tierfutter deutlich sanken, stieg der Methanausstoß der Tiere an, da durch den höheren Raufasergehalt der Bio-Futtermittel die Verdauung angeregt wird. Zudem sank durch den Verzicht auf Kraftfutter die Milchleistung der Kühe. „Allerdings sind die Ertragseinbrüche unter den Erwartungen geblieben, das Produktionsniveau konnte relativ gut gehalten werden”, erklärt Schierhorn. Insgesamt überwogen die positiven Folgen, sodass während der Umstellung die Emissionen pro Liter deutlich sanken.Die Ergebnisse der halleschen Forscher decken sich mit Erhebungen in ähnlich intensiven Produktionsregionen etwa in Europa und Nordamerika, die die Klimabilanz von Bio-Betrieben berechneten. Das Autorenteam geht davon aus, dass sich die Ergebnisse auf viele ähnlich strukturierte Betriebe in Deutschland übertragen lassen. „Die Bundesregierung hat das Ziel, den Ökolandbau auf einen Flächenanteil von 30 Prozent auszuweiten. Unsere Studie liefert dafür klimapolitische und wirtschaftliche Argumente”, sagt Schierhorn abschließend.
Mehr erfahren zu: "Biosicherheit umsetzen – die menschliche Seite der Tiergesundheit" Biosicherheit umsetzen – die menschliche Seite der Tiergesundheit Ein globales Review liefert neue Erkenntnisse für eine bessere Biosicherheit. So zeigt eine neue Studie der Universität Vermont: Bessere Biosicherheit bedeutet mehr als nur Schulungen für Landwirte. Es geht darum, […]
Mehr erfahren zu: "128.000 Hundenamen ausgewertet: Luna und Buddy an der Spitze" 128.000 Hundenamen ausgewertet: Luna und Buddy an der Spitze Einer Auswertung eines Versicherungsunternehmens zufolge tragen Deutschlands Hündinnen beliebte Mädchennamen wie Emma oder Luna. Bei den Rüden belegen Buddy, Balu und Bruno die ersten drei Ränge. Doch nicht alle Vierbeiner […]
Mehr erfahren zu: "Diskussion um Afrikanische Schweinepest in Nordrhein-Westfalen" Diskussion um Afrikanische Schweinepest in Nordrhein-Westfalen Mit Zäunen und Jagdprämien versucht das Land, die Afrikanische Schweinepest in Südwestfalen einzudämmen. In einigen Regionen leben inzwischen kaum noch Wildschweine.