Minimalinvasive Trikuspidalklappenreparatur senkt Sterblichkeit und Klinikaufenthalte

Das TRIC-I-HF-Studienteam am LMU Klinikum München (von rechts): Thomas Stocker, Studienleiter, Zahra Mahmoudi, Study Nurse, Steffen Massberg, Direktor der Medizinischen Klinik, Jörg Hausleiter, Studienleiter und stellv. Direktor der Klinik. Copyright: LMU Klinikum

Eine aktuelle Studie des Deutschen Zentrums für Herz-Kreislauf-Forschung (DZHK) unter Leitung des LMU Klinikums München zeigt erstmals im primären Endpunkt Vorteile der minimalinvasiven Trikuspidalklappenreparatur bei harten klinischen Ereignissen. Die Daten wurden auf dem ESC Congress 2026 in München vorgestellt.

Menschen mit einer undichten Trikuspidalklappe leiden häufig unter zunehmender Leistungseinschränkung, Luftnot bei Belastung sowie Wassereinlagerungen bis hin zu wiederkehrenden Krankenhausaufenthalten. Das Auftreten der Erkrankung nimmt mit steigendem Lebensalter zu und führt unbehandelt zu einer fortschreitenden Herzschwäche. Zwar kann die Trikuspidalklappe seit einigen Jahren minimalinvasiv repariert werden – ob diese Behandlung jedoch auch den Krankheitsverlauf verbessert, war bislang unklar.

Eine zeitgleich im „New England Journal of Medicine“ veröffentlichte und auf dem Jahreskongress der European Society of Cardiology (ESC) vorgestellte Studie zeigt nun erstmals: Die minimalinvasive Reparatur der Trikuspidalklappe senkt das Risiko für herzinsuffizienzbedingte Krankenhausaufenthalte und einen vorzeitigen Tod.

Deutlicher klinischer Nutzen der Trikuspidalklappenreparatur

In der vom Deutschen Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung (DZHK) initiierten und geförderten TRIC-I-HF-(TRICuspid Intervention in Heart Failure)-DZHK24-Studie wurden 360 Patient:innen mit einem Durchschnittsalter von rund 80 Jahren untersucht. Alle litten an einer schweren Trikuspidalklappeninsuffizienz und hatten ein hohes Risiko für Herzinsuffizienz-Komplikationen. An der Studie beteiligten sich 29 spezialisierte Herzzentren in Deutschland.

Die teilnehmenden Patient:innen wurden nach dem Zufallsprinzip entweder einer minimalinvasiven Klappenreparatur zusätzlich zur optimalen medikamentösen Herzinsuffizienztherapie oder einer alleinigen medikamentösen Behandlung zugeteilt. Bei dem minimalinvasiven Eingriff wird ein Katheter über die Leistenvene bis zum Herzen vorgeschoben. Zumeist werden dann kleine „Clip“-Implantate an der Trikuspidalklappe befestigt, die zwei Klappensegel miteinander verbinden (Trikuspidalklappen-Clipping).

Die TRIC-I-HF-DZHK24-Studie zeigte einen deutlichen klinischen Nutzen: Das kombinierte Risiko für herzinsuffizienzbedingte Krankenhausaufenthalte oder einen vorzeitigen Tod sank im Vergleich zu einer alleinigen medikamentösen Behandlung um 60 Prozent. Der Behandlungseffekt war so deutlich ausgeprägt, dass nur vier Patient:innen behandelt werden mussten, um einen Endpunkt (Tod oder herzinsuffizienzbedingten Krankenhausaufenthalt) zu verhindern.

Zudem verbesserten sich die Lebensqualität und die körperliche Belastbarkeit der Patient:innen. Gleichzeitig zeigte die Studie, dass diese Eingriffe mit einer hohen Sicherheit und nur wenigen Komplikationen – auch bei älteren, multimorbiden Patient:innen – durchgeführt werden können. Schwerwiegende Komplikationen innerhalb der ersten 30 Tage nach dem Eingriff traten bei weniger als sechs Prozent der behandelten Patientinnen und Patienten auf.

Neue Perspektive für Betroffene mit Herzinsuffizienz

Die Ergebnisse legen nahe, dass die minimalinvasive Reparatur der Trikuspidalklappe künftig eine deutlich wichtigere Rolle in der Behandlung ausgewählter Patientinnen und Patienten mit schwerer Trikuspidalklappeninsuffizienz spielen wird.

„Für Patientinnen und Patienten mit fortgeschrittener Herzinsuffizienz eröffnet die minimalinvasive Reparatur der Trikuspidalklappe eine neue Behandlungsperspektive. In der TRIC-I-HF-Studie wurden Patienten mit erhöhtem Risiko für zukünftige Herzinsuffizienz-Ereignisse selektioniert. Dabei entspricht dieses Kollektiv im Wesentlichen denjenigen Patientinnen und Patienten, die wir im Rahmen der klinischen Routine bislang ohnehin behandelt hatten. Die Ergebnisse zeigen erstmals überzeugend, dass der Eingriff nicht nur die Lebensqualität verbessert, sondern auch schwere Krankheitsverläufe verhindern kann“, erklärt Prof. Thomas Stocker vom LMU Klinikum München. Er ist gemeinsamer Erstautor und Studienleiter der TRIC-I-HF-DZHK24-Studie.

Co-Erstautor und Studienleiter Prof. Jörg Hausleiter, ebenfalls vom LMU Klinikum München, ergänzt: „Ein Grund für die positiven Ergebnisse der Studie dürfte neben der gezielten Patientenselektion auch in der zunehmenden Erfahrung mit interventionellen Trikuspidalklappentherapien liegen. Anders als in früheren Studien nahmen besonders erfahrene Zentren teil, die vor Studienbeginn im Mittel bereits deutlich über 100 Transkatheter-Eingriffe an der Trikuspidalklappe durchgeführt hatten.“

Hintergrund: Die lange „vergessene“ Herzklappe

Die Trikuspidalklappe ist eine der vier Herzklappen. Sie liegt zwischen rechtem Vorhof und rechter Herzkammer und verhindert, dass Blut beim Herzschlag in den rechten Vorhof zurückfließt. Schließt die Klappe nicht mehr richtig, spricht man von einer Trikuspidalklappeninsuffizienz.

Lange galt die Trikuspidalklappe als „vergessene Herzklappe“. Während Erkrankungen der Aorten- und Mitralklappe bereits seit vielen Jahren operativ und später auch minimalinvasiv behandelt werden konnten, standen für die Trikuspidalklappe lange Zeit kaum geeignete Therapieoptionen zur Verfügung. Viele Betroffene sind älter, leiden an einer fortgeschrittenen Herzinsuffizienz und haben daher ein erhöhtes Operationsrisiko. Hinzu kommt, dass die komplexe Anatomie der Trikuspidalklappe minimalinvasive Eingriffe technisch besonders anspruchsvoll macht. Entsprechende Katheterverfahren wurden deshalb erst vor rund zehn Jahren entwickelt.