Mit Dampf gegen Rauch: Neuer Cochrane-Review zur Rauchentwöhnung mit E-Zigaretten23. Oktober 2020 Foto: ©L.Klauser – stock.adobe.com Viele Raucher hoffen, durch nikotinhaltige E-Zigaretten vom ungesunden Tabakkonsum loszukommen. Ein aktualisierter Cochrane-Review bestätigt nun, dass diese Strategie tatsächlich besser klappt als mit Nikotinersatzprodukten. Der Review zeigt aber auch Wissenslücken zu den Langzeitwirkungen des Nikotindampfens auf. Tabak in jeglicher Form ist gesundheitsschädlich und trägt Schätzungen zufolge weltweit jährlich zu über acht Millionen Todesfällen bei. Obwohl viele RaucherInnen eigentlich aufhören wollen, fällt ihnen ein langfristig erfolgreicher Rauchstopp oft schwer. In Deutschland waren laut der WHO im Jahr 2018 immerhin noch geschätzte 25 Prozent der Bevölkerung Raucher, in Österreich 26 Prozent und in der Schweiz 23 Prozent. Nikotinersatztherapien Eine der wirksamsten und am weitesten verbreiteten Strategien, mit dem Rauchen aufzuhören, sind Nikotinersatzprodukte wie Hautpflaster oder Kaugummis. Sie dämpfen den Drang zum Rauchen durch die Aufnahme von kleinen Dosen Nikotin. Einen ähnlichen Ansatz verfolgen elektronische Zigaretten, wenn man sie mit dem Vorsatz der Rauchentwöhnung nutzt. Ein Team von Cochrane-Autoren hat nun einen Cochrane-Review aktualisiert, der die Wirksamkeit von nikotinhaltigen E-Zigaretten mit einer Reihe anderer Maßnahmen zur Rauchentwöhnung vergleicht. Zu diesen Vergleichsinterventionen zählten neben einem Rauchstopp ohne spezielle Unterstützung auch Nikotinersatzprodukte (Kaugummis oder Pflaster), verhaltenstherapeutische Unterstützung und E-Zigaretten ohne Nikotin. Der Review umfasst 50 Studien – 35 mehr als der im Jahr 2016 publizierte Vorgänger. Rund die Hälfte davon sind Beobachtungsstudien ohne Kontrollgruppe. Die Ergebnisse dieser methodisch schwächeren Studien decken sich aber weitgehend mit denen kontrollierter Studien. Die Ergebnisse im Einzelnen Die Autoren identifizierten drei Studien mit 1498 Personen, die E-Zigaretten mit Nikotinpflastern oder -kaugummis verglichen. Die Ergebnisse zeigen, dass mehr Menschen mit dem Rauchen aufhören, wenn sie nikotinhaltige E-Zigaretten verwenden, als wenn sie andere Nikotinersatzprodukte anwenden. In absoluten Zahlen: Während sechs von 100 Personen mit Hilfe einer Form von Nikotinersatztherapie mit dem Rauchen aufhören, schaffen dies unter Verwendung von nikotinhaltigen E-Zigaretten zehn von 100 Personen. Diese Ergebnisse beruhen auf Evidenz, deren Vertrauenswürdigkeit von den Autoren als moderat eingestuft wird. Ähnliche Ergebnisse mit ebenfalls moderater Vertrauenswürdigkeit der Evidenz wurden in drei weiteren Studien mit 802 Personen gefunden, die nikotinhaltige E-Zigaretten mit nikotinfreien E-Zigaretten verglichen. Evidenz aus vier Studien (2312 Personen, Vertrauenswürdigkeit sehr niedrig) zeigte auch, dass Menschen, die nikotinhaltige elektronische Zigaretten verwenden, öfter mit dem Rauchen aufhörten als solche, die nur eine verhaltenstherapeutische Unterstützung oder gar keine Unterstützung erhielten. Während ohne Unterstützung rund vier von 100 Personen den Absprung vom Rauchen schaffen, gelingt dies mit nikotinhaltigen E- Zigaretten zehn von 100, also mehr als doppelt so vielen. Welche Nebenwirkungen haben E-Zigaretten? Die Autoren fanden keine gute Evidenz zu ernsthaften unerwünschten Nebenwirkungen oder Schäden durch die Nutzung von E-Zigaretten. Allerdings ist dieses Ergebnis mit hoher Unsicherheit behaftet, da es zu dieser Frage zu wenige Studien gab. Auch gab es keine Informationen über die Auswirkung eines Langzeitkonsums (> 2 Jahre). Kurz- bis mittelfristig (≤ 2 Jahre) waren Reizungen von Rachen und Mund, Kopfschmerzen sowie Husten und Übelkeit die am häufigsten berichteten Nebenwirkungen. Ein weiteres Caveat: Die Studien gingen nicht auf andere unerwünschte Folgen ein, die in der Diskussion um E-Zigaretten oft diskutiert werden. Dazu gehört die Frage, ob E-Zigaretten den Nikotinkonsum für Nichtrauchern fördern oder insbesondere für Jugendliche als „Einstiegsdroge“ wirken können. Jamie Hartmann-Boyce, Public-Health-Forscherin an der Universität Oxford und Hauptautorin des aktualisierten Reviews von der Cochrane Tobacco Addiction Group (https://tobacco.cochrane.org/), kommentiert: „Seit der letzten Version dieses Reviews gibt es deutlich mehr Evidenz zur Rauchentwöhnung. Sie gibt nun eindeutigere Hinweise darauf, dass elektronische Zigaretten mit Nikotin die Chancen auf einen erfolgreichen Rauchstopp im Vergleich zu Nikotinkaugummis oder Nikotinpflastern erhöhen können. E-Zigaretten entwickeln sich technologisch stetig weiter. Moderne elektronische Zigaretten haben eine bessere Nikotinabgabe als die frühen Geräte, die in den von uns gefundenen Studien getestet wurden. Deshalb sind mehr Studien erforderlich, um zu erfahren, ob die Raten des Rauchstopps durch die Art der verwendeten elektronischen Zigaretten beeinflusst werden können.” Zwar gebe es derzeit keine eindeutige Evidenz für schwerwiegende Nebenwirkungen, aber es bestehe eine beträchtliche Unsicherheit, was die Nebenwirkung von E-Zigaretten betrifft, vor allem bei längerfristiger Nutzung. Der wissenschaftliche Konsens laute deshalb, dass E-Zigaretten wesentlich weniger schädlich sind als traditionelle Zigaretten, risikofrei seien sie jedoch nicht, so Hartmann-Boyce. „Es ist ermutigend, dass jetzt schon weitere 20 Studien laufen. Unser Plan ist es, den Review regelmäßig zu aktualisieren, damit wir Rauchern, Gesundheitsdienstleistern und Entscheidungsträgern die notwendigen Informationen zum potenziellen Nutzen sowie den potenziellen Schäden von E-Zigaretten liefern können.” Originalpublikation: Hartmann-Boyce J et al. Electronic cigarettes for smoking cessation. Cochrane Database of Systematic Reviews, 14. Oktober 2020
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