Mit neuem Herz die Welt entdecken

Das DHZB-Team verabschiedet den kleinen Andi (Name geänd. [d. Red.]/rechts auf dem Arm seiner Mutter) und seine Familie. Bild: DHZB/Witte

Im Juli 2021 erhielt Deutschlands jüngster Patient im Alter von damals acht Wochen ein Kunstherz am Deutschen Herzzentrum Berlin (DHZB). Nach fünf Monaten im DHZB wurde er im Dezember 2021 herztransplantiert. Jetzt wurde er entlassen, wie das Zentrum aktuell mitteilt.

Andi R. (Name geändert, d. Red.) und seine Zwillingsschwester wurden im Mai 2021 in Zwickau geboren. Zunächst schienen beide Kinder gesund, doch schnell ging es Andi schlechter. Die Ärztinnen und Ärzte in Leipzig stellten eine Dilatative Kardiomyopathie fest. Der Junge wurde an ein ECMO-System angeschlossen, das die Herz- und Lungenfunktion ersetzt und aufrechterhält. Doch sein Zustand war kritisch. Nach zwei Tagen wurde er deshalb im Juli 2021 per Hubschrauber als Notfall ins DHZB verlegt und sofort operiert.

Während der 14-stündigen Operation stellten Mi-Young Cho, Leitende Oberärztin der DHZB-Klinik für Chirurgie Angeborener Herzfehler – Kinderherzchirurgie, und ihr Team fest, dass auch die rechte Herzkammer beeinträchtigt war. Der Junge benötigte als Übergangslösung ein Biventrikuläres Unterstützungssystem (BiVAD), das beide Herzkammern unterstützt. Gleichzeitig wurde er auf die Warteliste für ein Spenderherz gesetzt.

Die DHZB-Medizinerinnen und -Mediziner implantierten dem damals 55 Tage jungen Baby ein „Berlin Heart EXCOR Pediatric“; das weltweit einzige zugelassene Kunstherzsystem für Kinder ab einem Gewicht von 2200 Gramm. Es besteht aus Pumpen außerhalb des Körpers, die über Schläuche direkt mit dem Herzen verbunden sind. So übernimmt das System die komplette Herzfunktion und unterstützt damit den Körper- und Lungenkreislauf. Mit bisher über 150 Implantationen des „Berlin Heart EXCOR Pediatric“ ist das DHZB eigenen Angaben zufolge das weltweit führende Zentrum für den Einsatz dieses Systems.

Nach der OP begann die Wartezeit auf ein Spenderherz für Andi. Fünf Monate wurde er auf der Kinderstation H4 des DHZB unter der Leitung von Oberärztin Prof. Katharina Schmitt kardiologisch versorgt. Dann war es schließlich soweit: Im Dezember 2021 setzten Prof. Joachim Photiadis, Direktor der Klinik für Chirurgie Angeborener Herzfehler – Kinderherzchirurgie, und sein Team Andi das Spenderherz ein.

Er ist das jüngste Kind in ganz Deutschland, dem ein BiVAD eingesetzt und das erfolgreich transplantiert wurde. Außerdem ist er das zweitleichteste Kind in Deutschland, dem das BiVAD-System von „Berlin Heart“ eingesetzt wurde. Bei der Implantation wog Andi nur 4,3 Kilogramm.

Andi hat die Operation gut überstanden und konnte jetzt – nach insgesamt sechs Monaten im DHZB – entlassen werden.