Mit nichtinvasiver Vagusnervstimulation körperliche Symptome bei Depression behandeln6. Dezember 2023 In einer Studie wird am UKB die Anwendung einer nicht-invasiven transkutanen Stimulation des Vagusnervs (tVNS) mittels eines Stimulationsgeräts zur Behandlung von körperlichen Symptomen bei Depressionen untersucht. (Quelle: Sven Wasserthal | Universitätsklinikum Bonn) Der Vagusnerv spielt eine zentrale Rolle bei der Kommunikation zwischen den Organsystemen des Körpers und dem Gehirn zur Steuerung des Verhaltens. In einer gemeinsamen Studie des Universitätsklinikums Bonn (UKB) und des Universitätsklinikums Tübingen soll nun die Anwendung einer nichtinvasiven transkutanen Stimulation des Vagusnervs (tVNS) zur Behandlung von körperlichen Symptomen bei Depressionen untersucht werden. Bis vor Kurzem war die Forschung zum Vagus-Input und deren klinische Wirkung bei verschiedenen Krankheitsbildern auf die Anwendung invasiv implementierter VNS-Geräte begrenzt, die bei Erkrankungen wie therapieresistenten Epilepsien oder Depressionen bereits seit Jahren eine anerkannte Therapiemethode sind. „Die Anwendung einer invasiven Vagusnervstimulation, die meist einer kleinen Operation zur Implantierung eines Stimulationsgerätes bedarf, kann jedoch mit teils schwerwiegenden Nebenwirkungen wie beispielsweise Heiserkeit, Dyspnoe, oder Schluckstörungen einhergehen“, erklärt Prof. Nils Kroemer, Professor für Medizinische Psychologie an der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie des Universitätsklinikums Bonn (UKB), der auch an der Universität Bonn forscht. „Deshalb ist die nichtinvasive Stimulation des Vagusnervs als mögliche neue Therapieoptionen bei Erkrankungen wie Adipositas, Essstörungen oder eben Depressionen immer mehr in das Interesse der Forschung gerückt“, fährt Kroemer fort, der sich im Rahmen seiner Forschungen bereits mehrfach mit der Vagusnervstimulation beschäftigt hat. So veröffentlichte der Wissenschaftler kürzlich eine Übersichtsarbeit im Fachmagazin „Trends in Cognitive Sciences“, die anhand des aktuellen Forschungsstandes untermauern konnte, dass die tVNS bei psychischen Erkrankungen wirksam sein könnte. Besonders innovativ ist hierbei sein Ansatz, dass man Störungen der Motivation, wie Antriebslosigkeit bei der Depression, durch tVNS-verstärkte Signale des Körpers schneller behandeln könnte. „Denn normalerweise sorgt die Aktivierung des Gehirns über den Vagusnerv dafür, dass wir uns ausreichend mit Energie versorgen und uns einprägen, wo welche Lebensmittel besonders viel Energie liefern“, erklärt Kroemer. Die Erkenntnisse der Übersichtarbeit decken sich auch mit den Ergebnissen einer früheren Studie, die der Wissenschaftler gemeinsam mit einem Team an den Universitätskliniken in Bonn und Tübingen zur Beeinflussung menschlichen Verhaltens und körperlicher Wahrnehmung durch nichtinvasive Stimulation des Vagusnervs durchgeführt hat. In der vorangegangenen Studie über die Anwendung einer tVNS zur Modulation der Magen-Hirn-Kopplung zeigte sich, dass sich durch die Methode die Kopplung von Signalen des Magens im Hirnstamm und im Mittelhirn erhöht und zugleich die Kopplung des Magens im gesamten Gehirn durch die Stimulation unmittelbar und schnell zugenommen hatte. Neue Studie über tVNS zur Behandlung von körperlichen Symptomen bei Depression Nun soll eine Studie zur Anwendung einer tVNS in der Behandlung von körperlichen Symptomen bei Depressionen untersuchen, ob eben dieser Mechanismus helfen kann, bestimmte Symptome einer Depression, beispielsweise Veränderungen im Appetit oder Verdauungsbeschwerden, schneller zu behandeln. Auf Basis der Studienerkenntnisse soll eine zusätzliche Therapieoption zur Anwendung bei Depressionen entwickelt und deren klinische Wirksamkeit untersucht werden. Die Veränderung in der Kommunikation zwischen dem Körper und dem Gehirn gilt als wesentlicher Faktor zur Ausbildung einer Depression. Die tVNS könnte den betroffenen Personen dabei helfen, die Wahrnehmung der Körpersignale wiederherzustellen oder zu verbessern. Das wichtigste zur Studie auf einen Blick Für die Studie werden 40 Personen mit Depressionen und 40 physisch und psychisch gesunde Kontrollpersonen aus Bonn und Umgebung gesucht. Während der Untersuchung wird der Nervus vagus der Teilnehmenden durch ein spezielles Stimulationsgerät aktiviert. Insgesamt beinhaltet die Studie sechs Termine im Labor. Eine vollständige Teilnahme umfasst die Messung der Wirkung der Vagusnervstimulation auf das Gehirn und den Magen im Vergleich zu einer Kontrollbedingung sowie eine längere Anwendungsphase der Vagusnervstimulation in zwei Intensitäten. Als Aufwandsentschädigung für die Teilnahme erhalten die Teilnehmenden 200 Euro (+ Gewinne für Aufgaben zur Motivation, ca. 20 Euro). Weitere Informationen und ein Kontaktformular finden Sie unter: https://neuromadlab.org/de/forschung/forschungsprojekte/tvns-zur-behandlung-von-depression/
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