Mitralkappeninsuffizienz bei Herzschwäche: Das unterschätzte Risiko einer häufigen Erkrankung5. Juli 2021 Foto: © SciePro/stock.adobe.com Das Auftreten einer Mitralklappeninsuffizienz wurde bisher bei Menschen mit chronischer Herzschwäche unterschätzt und selten behandelt. Das zeigt eine Wiener Studie, die nun im „British Medical Journal“ (BMJ) veröffentlicht wurde. Besonders gefährlich und besonders häufig ist die Mitralklappeninsuffizienz bei Personen mit einer chronischen Herzschwäche. Das zeigen die aktuellen Studienergebnisse einer Arbeitsgruppe um Philipp Bartko und Georg Goliasch von der Klinischen Abteilung für Kardiologie der Universitätsklinik für Innere Medizin II von AKH Wien und MedUni Wien. Die Arbeitsgruppe wertete Daten von über 13.000 Patientinnen und Patienten aus, die die Kriterien für eine Herzinsuffizienz erfüllen und bei denen zwischen 2010 und 2020 ein Herz-Ultraschall an der Klinischen Abteilung für Kardiologie von AKH Wien und MedUni Wien durchgeführt wurde. Mittels Herz-Ultraschall kann die Mitralklappeninsuffizienz gut und einfach erkannt werden. Die Arbeitsgruppe stellte bei den Untersuchten einen Zusammenhang zwischen der Sterblichkeit und der Mitralklappeninsuffizienz fest. „Bisher wurde die Mitralklappeninsuffizienz häufig als Voranschreiten der Herzschwäche, nicht als eigene, behandelbare Erkrankung interpretiert. Die Studienergebnisse zeigen, dass die Mitralklappeninsuffizienz bei Menschen mit chronischer Herzschwäche viel häufiger als bisher angenommen auftritt und dass sich diese besonders ungünstig auf die Langzeitprognose der Patientinnen und Patienten auswirkt“, sagt Goliasch. „Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass die Mitralklappeninsuffizienz auch bei Patientinnen und Patienten mit chronischer Herzschwäche nicht als vorangeschrittene Herzschwäche, sondern als eigene Erkrankung interpretiert und behandelt werden sollte“, ergänzt Bartko. Neue Therapieoptionen ermöglichen Behandlung von Personen unter Risiko Dass die Mitralklappeninsuffizienz bei Menschen mit chronischer Herzschwäche bisher selten als eigene Erkrankung behandelt wurde, hängt mit den Therapieoptionen zusammen. „Bis vor wenigen Jahren war die einzige Behandlungsmöglichkeit einer Mitralklappeninsuffizienz die offene Herzoperation. Bei diesem Verfahren wird der Brustkorb geöffnet und die Patientin oder der Patient wird an eine Herz-Lungenmaschine angeschlossen. Für Personen mit einer chronischen Herzschwäche ist das Risiko eines derartigen Eingriffs erhöht“, so Bartko. In den vergangenen Jahren ist die Erkrankung an der Herzklappe verstärkt in den Fokus gerückt. Neue schonende Therapiemöglichkeiten wurden entwickelt, die auch jenen Menschen eine Behandlung ermöglichen, deren Herzklappenerkrankung zuvor nicht oder nur mit erhöhtem Risiko behandelbar war. Die kathetergestützten Verfahren können mit einem sehr niedrigen Risiko durchgeführt werden. Bei den minimalinvasiven Eingriffen wird die Herzklappe über ein Leistengefäß repariert und die Operierten können meist bereits am Folgetag nach Hause entlassen werden. Herzklappenerkrankungen werden mit zunehmendem Alter häufiger Die Studienergebnisse der Arbeitsgruppe weisen darauf hin, dass die Wahrscheinlichkeit, an einem Herzklappenfehler zu erkranken, mit zunehmendem Alter steigt. Aufgrund der steigenden Lebenserwartung der Allgemeinbevölkerung geht Goliasch daher auch von einer Zunahme der Erkrankung in naher Zukunft aus. Am gemeinsamen Standort von AKH Wien und MedUni Wien sei man auf diese Herausforderungen vorbereitet: „Wir können nicht nur die Mitralklappe minimalinvasiv versorgen, sondern auch die meisten anderen Herzklappenundichtigkeiten und Verengungen wie die Aortenstenose oder Trikuspidalinsuffizienz und defekte Klappenprothesen minimalinvasiv ersetzen.“ Für die Eingriffe steht laut MedUni Wien seit einigen Jahren ein hochmoderner Hybrid-Operationssaal zur Verfügung, der gemeinschaftlich von der Klinischen Abteilung für Kardiologie und der Universitätsklinik für Herzchirurgie und in enger Zusammenarbeit mit der Universitätsklinik für Anästhesie, Allgemeine Intensivmedizin und Schmerztherapie und der Klinischen Abteilung für Gefäßchirurgie sowie der Klinischen Abteilung für Kardiovaskuläre und Interventionelle Radiologie betrieben wird.
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