Modell sagt steilen Anstieg alkoholassoziierter Lebererkrankungen voraus9. Juni 2020 Foto: © eranicle/Adobe Stock Eine neue Analyse von Forschern des Massachusetts General Hospital, der Harvard Medical School und der Georgia Tech zeigt, dass Fälle von alkoholbedingten Lebererkrankungen in den kommenden Jahren dramatisch zunehmen werden, wenn keine drastischen Schritte unternommen werden, um den Hochrisiko-Alkoholkonsum zu reduzieren. Alkoholbedingte Lebererkrankungen sind derzeit in den USA der häufigste Grund für eine Lebertransplantation. In den vergangenen Jahren hat der Hochrisiko-Alkoholkonsum in fast allen soziodemografischen Gruppen zugenommen. Dies trifft allerdings insbesondere auf Frauen zu. Ein Hochrisiko-Konsum wird definiert als Überschreitung der täglichen Grenzen des Alkoholgenusses (mehr als 4 bzw. 5 Standardgetränke für Frauen bzw. Männer) mindestens wöchentlich für ein ganzes Jahr. Um die Auswirkungen alkoholbedingter Lebererkrankungen in den nächsten zwei Jahrzehnten zu prognostizieren, entwickelte die Arbeitsgruppe ein Modell des Trinkverhaltens und alkoholbedingter Lebererkrankungen für Personen, die zwischen 1900 und 2012 in den USA geboren wurden. Die Prognosen reichten bis ins Jahr 2040. Das Modell stützte sich auf Daten aus mehreren Quellen: die National Epidemiologic Survey on Alcohol and Related Conditions, das National Institute of Alcohol Abuse and Alcoholism, den US National Death Index, das National Vital Statistics System und zahlreiche veröffentlichte Studien. Das Modell wurde dahingehend validiert, dass es die von 2005 bis 2018 beobachteten Trends bei Todesfällen aufgrund alkoholbedingter Lebererkrankungen genau reproduzierte. In der Analyse wurden zukünftige Trends anhand von drei möglichen Szenarien modelliert, die auf dem Grad der Interventionen zur Bekämpfung von Hochrisiko-Alkoholkonsum basieren. So wurde berechnet, dass bei einer unveränderten Entwicklung (Status quo) bis 2040 mehr als 1 Million Menschen an alkoholbedingten Lebererkrankungen sterben könnten, von denen den Schätzungen zufolge 35 Prozent jünger als 55 Jahre sind. Eine Reduktion des Hochrisiko-Alkoholkonsums auf das Level des Jahres 2001 könnte im selben Zeitraum 35.000 Todesfälle verhindern, so die Forscher weiter. Eine Senkung der Raten des Hochrisiko-Alkoholkonsums um 3,5 Prozent pro Jahr – ähnlich der Reduktion der Tabakkonsumrate nach Einführung entsprechender Regelungen und sozialer Interventionen in den 1960er-Jahren in den USA – könnte im Vergleich zum Status-Quo-Szenario 299.000 Todesfälle verhindern (ein Rückgang um 30%). Die Analyse prognostizierte auch, dass im Vergleich zum Status Quo eine Senkung des Raten des Hochrisiko-Alkoholkonsums um 3,5% pro Jahr die Zahlen für alkoholbedingten Leberkrebs und dekompensierte Zirrhose bis 2040 um 30 Prozent verringern könnte. “Unsere Studie unterstreicht die Notwendigkeit, alkoholassoziierte Erkrankungen in den Vordergrund der politischen Diskussionen zu rücken und wirksame Strategien zur Reduzierung des Hochrisiko-Alkoholkonsums in den USA zu ermitteln”, betont Seniorautor Jagpreet Chhatwal vom MGH Institute for Technology Assessment und der Harvard Medical School. Hauptautor Jovan Julien von der Georgia Tech merkt an, dass es Jahre braucht, bis man die Auswirkungen eines Hochrisiko-Alkoholkonsums bemerkt. “Unser Modell unterstreicht das langfristige Risiko, insbesondere für die jüngeren Generationen, deren Alkoholkonsum den der älteren weiterhin übertrifft”, sagte er. “Da klinische Studien zur Erforschung der Langzeiteffekte eines verstärkten Alkoholkonsums praktisch nicht durchführbar sind, sind auf Daten beruhende Modeling-Studien wie unsere so wertvoll für das Verständnis der Auswirkungen eines Hochrisiko-Alkoholkonsums und für das Treffen fundierter Entscheidungen”, fügt Koautor Turgay Ayer von der Georgia Tech hinzu. (ac)
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