Molekulare Analysen könnten Behandlungschancen bei seltenem Weichteiltumor erhöhen

Molekulare Analysen wie z.B. Multi-Omics, könnten bei seltenen Tumoren die Diagnostik verbessern und neue Behandlungsoptionen ermöglichen. Symbolbild: Kateryna/stock.adobe.com

Der desmoplastische klein- und rundzellige Tumor ist selten, aggressiv und schwer zu behandeln. Forschende aus Heidelberg haben 30 Tumoren umfassend analysiert und für fast alle Betroffenen potenzielle personalisierte Therapieoptionen abgeleitet – mit teils überraschendem Erfolg.

Der desmoplastische klein- und rundzellige Tumor (DSRCT) ist ein sehr seltener, aggressiver Weichteiltumor, der vor allem bei jungen Männern auftritt. Aufgrund seiner Seltenheit ist es sehr schwierig, für diese Krebsart klinische Studien durchzuführen. Die Behandlungsmöglichkeiten sind entsprechend begrenzt.

Dieses Problem wird dadurch verstärkt, dass die Krebszellen beim DSRCT meistens nur wenige genetische Veränderungen aufweisen. Das verringert zum einen die Wahrscheinlichkeit, dass die Tumoren auf gängige Immuntherapien ansprechen. Zum anderen führt es dazu, dass nur bei wenigen Betroffenen die Tumoren klassische, mit zielgerichteten Therapien ansprechbare Veränderungen aufweisen. Außerdem ist die Diagnosestellung herausfordernd, sodass DSRCT häufig zunächst als andere Krebsarten eingeordnet werden. Die Prognose für Patientinnen und Patienten mit der Erkrankung ist schlecht: Die meisten Betroffenen sterben innerhalb von drei Jahren nach der Diagnose.

Schwachstellen des Tumors identifizieren

Um die Behandlungsmöglichkeiten zu verbessern, haben Forschende am Nationalen Centrum für Tumorerkrankungen (NCT) Heidelberg und am Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) 30 Patientinnen und Patienten mit DSRCT untersucht, die am DKFZ/NCT/DKTK MASTER-Programm teilgenommen haben. Unter anderem führten sie umfassende Analysen des gesamten Genoms/Exoms, Transkriptoms und DNA-Methyloms durch. Die Ergebnisse sind in der Fachzeitschrift Nature Communications veröffentlicht.

Diese breite molekulare Untersuchung ermöglichte es, 28 von 30 Teilnehmenden insgesamt 107 auf den Analysen basierende Behandlungsempfehlungen auszusprechen. Bei 17 Teilnehmenden konnte sogar eine Eignung für klinische Studien überprüft werden. Die meisten Empfehlungen basieren auf der Überexpression der Tyrosinkinasen SSTR3/5 und CLDN6, die in 45 Prozent, 33 Prozent bzw. 20 Prozent der Fälle nachgewiesen wurden. Zusätzlich ergab die Studie, dass die Tumoren in acht von 30 Fällen erst durch die molekulare Analyse vollkommen richtig diagnostiziert werden konnten.

Immuntherapien mit überraschendem Erfolg

Bemerkenswert ist, dass die Forschenden im Tumorgewebe häufig Proteine nachweisen konnten, die mit neuartigen, zielgerichteten Therapien adressiert werden können. Dazu zählen insbesondere Antikörper-Wirkstoff-Konjugate (ADC) und CAR-T-Zellen. Bei 13 Teilnehmenden wurde die Therapieempfehlung umgesetzt, welche in acht Patient:innen zu einer Krankheitskontrolle führte. Mit einem ADC der jüngsten Generation (Trastuzumab Deruxtecan) wurde bei zwei Betroffenen eine ungewöhnlich lange anhaltende Tumorkontrolle erreicht, in einem Fall über zwei Jahre.

„Bei dieser Krebsart sind Fortschritte besonders wichtig, weil die Betroffenen oft sehr jung sind und wir dringend bessere Therapiemöglichkeiten benötigen, die wir ihnen anbieten können“, sagt Stefan Fröhling, Geschäftsführender Direktor am NCT Heidelberg und Leiter der Abteilung Translationale Medizinische Onkologie am DKFZ. Er betont außerdem die Bedeutung internationaler Zusammenarbeit, vor allem bei seltenen Tumoren. Sie sei besonders wichtig, um bei Patientinnen und Patienten mit seltenen Krebsarten neue Behandlungsoptionen zu schaffen. (mkl)

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