Molekulargenetische Studie: Korrelation zwischen Alkoholabhängigkeit und anderen psychischen Erkrankungen

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Alkoholabhängigkeit zeigt eine molekulargenetische Korrelation zu Schizophrenie, Aufmerksamkeitsdefizit- und Hyperaktivitätsstörungen (ADH beziehungsweise ADHS) oder Depressionen. Diesen Schluss lässt eine großangelegte internationale Assoziationsstudie zu.

„Die Studie ist in ihrer Form einmalig, denn es ist die größte molekulargenetische Studie mit Fokus auf diagnostizierte Alkoholabhängigkeit“, sagte Prof. Dan Rujescu, Direktor der Universitätsklinik und Poliklinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik der Universitätsmedizin Halle (Saale). Dazu wurden genetische Daten aus insgesamt 28 Fallkontroll- und familienbasierten Studien von annähernd 15.000 Menschen sowie von weiteren knapp 38.000 als Kontrollgruppe in einer Meta-Analyse ausgewertet. Bei einigen Menschen existieren Genvarianten, die die Umwandlung in verschiedene Zwischenprodukte während des Alkoholabbaus (wie Acetaldehyd/Ethanal) beeinflussen und so das Risiko für eine Alkoholerkrankung verändern.

Man wisse, dass die Neigung zur Alkoholabhängigkeit einen genetischen Anteil hat, aber bisher sei wenig über die molekulargenetische Verwandtschaft zu anderen psychischen Erkrankungen bekannt gewesen, so die Forscher.

Nun konnten sie zeigen, dass es eine signifikante molekulargenetische Korrelation zwischen Alkoholkrankheit, und 17 anderen psychiatrischen Erkrankungen oder Verhaltensvariablen gibt, darunter Schizophrenie, ADHS und Depressionen, aber auch zum Konsum von Zigaretten und Cannabis. „Aus den Ergebnissen könnte man die Hypothese ableiten, dass jemand, der zum Beispiel Depressionen hat, aufgrund der molekulargenetischen Korrelation auch ein erhöhtes Risiko hat, alkoholkrank zu werden. Das ist insofern relevant, weil manche Menschen Alkoholkonsum durchaus als eine Art Selbsttherapie sehen“, sagte Rujescu.

Dabei zeigte sich des Weiteren, dass die molekulargenetischen Voraussetzungen für eine Alkoholabhängigkeit und die für Alkoholkonsum nur teilweise überlappen, was die Unterscheidung zwischen Abhängigkeit und gemäßigtem Trinkverhalten unterstreicht. „Das heißt aber nicht, dass Menschen mit geringerer molekulargenetischer Vulnerabilität nicht auch eine Alkoholabhängigkeit entwickeln können“, so Rujescu.

Aber ebenso interessant: Je älter Menschen bei der Geburt ihres ersten Kindes, je sozioökonomisch besser gestellt und je gebildeter sie sind, desto geringer ist das Risiko für diese psychischen Erkrankungen, zeigen die Daten. Ob die genetischen Korrelationen beispielsweise kausale Prozesse oder den Einfluss von bisher ungemessenen anderen Faktoren abbilden, müsse die weitere Forschung zeigen, schreiben die Autoren.

Originalpublikation:
Walters R.K. et al.: Transancestral GWAS of alcohol dependence reveals common genetic underpinnings with psychiatric disorders. Nature Neuroscience 2018;21:1656–1669.