Monozentrische Studie zeigt geringes Risiko für nosokomiale COVID-19-Infektion12. November 2020 © DC Studio – stock.adobe.com (Symbolbild) Viele Patienten meiden den Gang ins Krankenhaus, weil sie befürchten, sich dort mit SARS-CoV-2 zu infizieren. Eine monozentrische Studie aus den USA zeigt allerdings, dass diese Befürchtung aufgrund umfassender Hygienemaßnahmen unbegründet zu sein scheint. Die Kohortenstudie umfasste alle Patienten, die zwischen dem 07.03.und dem 30.05.2020 im Brigham and Women’s Hospital in Boston (USA) aufgenommen wurden. Die Nachbeobachtung erfolgte bis zum 17.06.2020. Ziel der Studie war es, anhand des Testzeitpunktes, des klinischen Verlaufes und der Exposition herauszufinden, ob die Infektion mit SARS-CoV-2 im Krankenhaus erfolgte oder außerhalb. Dazu wurde die Inzidenz von COVID-19 bei Patienten erfasst, die in den 12 Wochen nach Aufnahme des ersten COVID-19-Falles in die Klinik ebenfalls stationär behandelt wurden. Analysiert wurden die Krankenakten aller Patienten, bei denen ein SARS-CoV-2-Test mittels Reverse-Transkriptions-PCR (RT-PCR) am/nach dem 3. Krankenhaustag oder innerhalb von 14 Tagen nach der Entlassung erstmals positiv ausfiel. In der Klinik wurden umfassende Maßnahmen zur Infektionskontrolle durchgeführt, die spezielle COVID-19-Einheiten mit Isolierräumen für luftübertragene Infektionen, persönliche Schutzausrüstung gemäß den Empfehlungen der US Centers for Disease Control and Prevention, Maskenpflicht, Einschränkung von Besuchen und umfassende RT-PCR-Tests bei symptomatischen und asymptomatischen Patienten umfassten. Über einen Zeitraum von 12 Wochen wurden 9149 Patienten (mittleres Alter 46,1 ±26,4 Jahre; medianes Alter 51 Jahre [IQR 30–67 Jahre]; 5243 weibliche Patienten [57,3%]) ins Krankenhaus eingewiesen, für die 7394 SARS-CoV-2-Tests durchgeführt wurden. Dabei wurden 697 COVID-19-Fälle bestätigt, was 8656 Tagen COVID-19-bezogener Behandlung entspricht. Zwölf der 697 ins Krankenhaus eingewiesenen Patienten mit COVID-19 (1,7%) wurden erstmals an Krankenhaustag 3 oder später positiv getestet (Median 4 Tage; Bereich 3–15 Tage). Von diesen wurde nur 1 Fall als im Krankenhaus erworben betrachtet, höchstwahrscheinlich von einem präsymptomatischen Ehepartner, der täglich zu Besuch war und bei dem COVID-19 diagnostiziert wurde, bevor Besuchseinschränkungen und Maskenpflicht eingeführt wurden. Von 8370 Patienten mit nicht COVID-19-bezogenen Krankenhausaufenthalten, die bis zum 17.06. entlassen wurden, wurden 11 (0,1%) innerhalb von 14 Tagen positiv getestet (mediane Zeit bis zur Diagnose 6 Tage; Spanne 1–14 Tage). Für nur 1 Fall wurde eine Ansteckung im Krankenhaus als wahrscheinlich erachtet, auch wenn die Exposition nicht bekannt war. Fazit In der Kohortenstudie an einem großen akademischen medizinischen Zentrum mit strengen Maßnahmen zur Infektionskontrolle waren nosokomiale Infektionen mit COVID-19 während des Höhepunktes der Pandemie in der Region selten. Diese Ergebnisse könnten zur Information anderer Institutionen dienen und Patienten beruhigen, die befürchten, sich im Krankenhaus mit COVID-19 zu infizieren, schlussfolgern die Autoren. (ej) Autoren: Rhee C et a. Korrespondenz: Chanu Rhee; [email protected] Studie: Incidence of Nosocomial COVID-19 in Patients Hospitalized at a Large US Academic Medical Center Quelle: JAMA Netw Open 2020;3(9):e2020498. Web: https://doi.org/10.1001/jamanetworkopen.2020.20498
Mehr erfahren zu: "Badeunfall: Kein Sprung in flaches Wasser" Badeunfall: Kein Sprung in flaches Wasser Die DGOU macht zur Badesaison auf das Risiko von Querschnittlähmungen nach Kopfsprüngen aufmerksam. Vor dem Sprung solle die Wassertiefe geprüft und auf Kopfsprünge in trübes Wasser grundsätzlich verzichtet werden, ebenso […]
Mehr erfahren zu: "Schleswig-Holstein: Uniklinikum behandelte bereits 1200 Menschen mit E-Scooter-Unfällen" Schleswig-Holstein: Uniklinikum behandelte bereits 1200 Menschen mit E-Scooter-Unfällen Jeder sechste Unfall mit E-Scootern steht unter Alkoholverdacht – und junge Männer sind besonders häufig betroffen. Was steckt hinter dem Anstieg der Notfälle in Kiel und Lübeck?
Mehr erfahren zu: "„Gute“ Immunzellen helfen bei der Regeneration von Rückenmarksverletzungen" „Gute“ Immunzellen helfen bei der Regeneration von Rückenmarksverletzungen Ein Forschungsteam hat den Mechanismus entschlüsselt, wie bei Zebrafischen Schäden am Rückenmark vollständig heilen. Bestimmte Immunzellen regulieren die Entzündung herunter, damit die Nervenregeneration ermöglicht wird.