Morbus Crohn bei Kindern: Lokalisation im Kolon ist mit erhöhten Verlaufs- und Therapierisiken assoziiert24. April 2026 Abbildung: Berit Kessler/stock.adobe.com Ein Morbus Crohn kann das Ileum (MC-L1) oder das Kolon betreffen (MC-L2). Forschende haben jetzt das klinische Erscheinungsbild bei der Diagnose und den Verlauf eines kolonalen gegenüber einem ilealen MC beziehungsweise einer Colitis ulcerosa bei Kindern verglichen. Ein Forscherteam um Erstautor Dr. Mathurin Fumery von der Universitätsklinik Amiens bewertete den Erkrankungszustand der Patienten (bis zu einem Alter von 17 Jahren) zum Zeitpunkt der Diagnose. Beurteilt wurden auch das Risiko für Komplikationen, Operationen, Klinikaufenthalte und die Exposition gegenüber verschiedenen Biologika bei 215 Kindern mit MC-L1, bei 234 mit MC-L2 und bei 337 Kindern mit Colitis ulcerosa. Die jährlichen Inzidenzraten beziffern die Forschenden mit 0,65 (MC-L1) und 0,71 (MC-L2) beziehungsweise 1,02 (C. ulcerosa) pro 105 Personen. Zum Zeitpunkt der Diagnose waren der Anteil der männlichen Betroffenen (53% und 53% bzw. 43%; p=0,012) und das Alter (15 und 13,7 bzw. 14 Jahre; p=0,003) in den drei Gruppen unterschiedlich. Auch in Bezug auf die CED-Familienanamnese (13% und 11% bzw. 5%; p=0,005) sowie Verzögerungen bei der Diagnosestellung (3 und 3 bzw. 2 Monate; p=0,001) und die Prävalenz des Rauchens (12% und 8% bzw. 6%; p=0,041) beobachteten die Forschenden Unterschiede zwischen den untersuchten Gruppen. Blutiger Stuhlgang zum Zeitpunkt der Diagnose wurde bei 15 Prozent der Kinder mit MC-L1, bei 44 Prozent derjenigen mit MC-L2 sowie bei 91 Prozent derjenigen mit C. ulcerosa beobachtet (p<0,001). Die entsprechenden Raten für Durchfall lagen bei 47 Prozent und 72 Prozent beziehungsweise 65 Prozent (p<0,001). Höhere Medikamenten-Exposition bei Lokalisation im Kolon Während das Fünfjahresrisiko einer Operation bei MC-L1 signifikant höher ausfiel (37% vs. 13% bzw. 13%; p< 0,001), war die Fünfjahresexposition gegenüber Corticosteroiden (55% vs. 69% bzw. 67%; p<0,001), Immunsuppressiva (47% vs. 61% bzw. 42%; p<0,001) und auch Anti-TNF(Tumornekrosefaktor)-Medikamenten (16% vs. 35% bzw. 21%; p<0,001) bei L2-Lokalisation höher. Des Weiteren wiesen bei der Diagnose 13 Prozent der MC-L1- und 31 Prozent der MC-L2-Patienten ein Granulom auf (p<0,001). Das Risiko für eine Ausbreitung auf L3 (ileokolischer MC) war bei MC-L2 signifikant höher als bei MC-L1 (nach 5 Jahren 37% vs. 14%; p<0,001). Eine Lokalisation in L2 war mit einem geringeren Risiko für eine luminale Fistel verbunden (Hazard Ratio [HR] 0,4; p<0,001), jedoch mit einem höheren Risiko für eine anoperianale Läsion (HR 2,1; p=0,003). Zudem war die Prävalenz extraintestinaler Manifestationen, sowohl artikulärer (p<0,001), als auch kutaner (p<0,001) bei MC-L2 höher. Das Erscheinungsbild und der Verlauf eines MC-L1 und MC-L2 unterscheiden sich bei Kindern, konstatieren die Forschenden somit. Die kolonale Lokalisation ist mit einem hohen Risiko für perianale Formen, extraintestinale Manifestationen und die Gabe von Steroiden, Immunsuppressiva und Anti-TNF-Medikamenten assoziiert. (je) Mehr zu Morbus Crohn im Kindesalter: M. Crohn bei Kindern: Mikrobiom-Analyse könnte personalisierte Therapie verbessern
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