Morbus Crohn: Studie benennt Risikofaktoren in der frühen Kindheit5. November 2024 Erstmals konnte gezeigt werden, dass Kinder, die in den ersten drei Lebensjahren Passivrauch ausgesetzt sind, ein um 23 Prozent höheres Risiko für einen späteren Morbus Crohn besitzen. (Foto: © New Africa/stock.adobe.com) Ein Forschungsteam aus Kanada hat einige vielversprechende Entdeckungen dazu gemacht, welche Risikofaktoren mit Chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen (CED) in Zusammenhang stehen. Die Untersuchung an 2728 Bewohnern der kanadischen Stadt Quebec liefert den Wissenschaftlern zufolge vor allem neue wissenschaftliche Erkenntnisse zur Ätiologie von Morbus Crohn. „Entzündliche Darmerkrankungen betreffen fast einen von 100 Kanadiern und haben erhebliche Auswirkungen auf die Lebensqualität der Patienten“, erläutert Erstautor Canisius Fantodji. Er ist Doktorand in der von Prof. Marie-Claude Rousseau geleiteten Abteilung für Epidemiologie und Immunologie am Armand-Frappier Santé Biotechnologie Research Centre des Institut National de la Recherche Scientifique (INRS) in Quebec. „Mit unserer Arbeit bieten wir konkrete Möglichkeiten zur Prävention, da unseres Wissens alle untersuchten Faktoren durch eine Änderung der Gewohnheiten beeinflusst werden können.“ Nach Angaben der Autoren ist die vorliegende eine der wenigen Studien, die sich mit der Exposition in der frühen Kindheit, insbesondere in den ersten drei Lebensjahren, befassen. Dabei ist die frühe Kindheit eine entscheidende Zeit für die Etablierung und Diversifizierung der Darmmikrobiota. Stillen und Kinderernährung: Wichtige Faktoren Das Forschungsteam beobachtete die Auswirkungen des Stillens und der Ernährung in der frühen Kindheit auf das Risiko, später im Leben eine CED zu entwickeln. In Bezug auf die Ernährung machte das Forschungsteam eine neue Entdeckung: Es wurde ein leichter Anstieg des Risikos für M. Crohn beobachtet, wenn feste Nahrung früher (zwischen 3 und 6 Monaten) als später (nach 6 Monaten) in die Ernährungsgewohnheiten des Kindes eingeführt wurde. „Unsere Arbeit legt nahe, dass die frühe Einführung fester Nahrung im Säuglingsalter das Risiko erhöhen kann, später im Leben an M. Crohn zu erkranken. Diese Entdeckung muss in anderen Populationen überprüft werden, aber sie eröffnet neue Forschungsansätze auf diesem Gebiet“, betont Rousseau. Das Forschungsteam betont auch die Bedeutung des ausschließlichen Stillens, wann immer dies möglich ist, da dies tendenziell das Risiko verringert, an M. Crohn zu erkranken. Diese Beobachtung steht im Einklang mit dem aktuellen wissenschaftlichen Wissen und unterstützt Empfehlungen zur Säuglingsernährung. Gefahren des Passivrauchens Die mit dem Rauchen verbundenen Gesundheitsrisiken sind weithin bekannt. Doch erstmals konnte das Forschungsteam nachweisen, dass Kinder, die in den ersten drei Lebensjahren Passivrauch ausgesetzt waren, im Vergleich zu in diesem Alter Nichtexponierten ein um 23 Prozent höheres Risiko dafür besitzen, an M. Crohn zu erkranken. Nur ein kleiner Teil dieses erhöhten Risikos lässt sich laut den Forschenden durch das aktive Rauchen der Probanden im Erwachsenenalter erklären – ein bisher unerforschter Aspekt. „Unsere Arbeit hat mehrere einzigartige Erkenntnisse für die weitere Forschung ans Licht gebracht, insbesondere in Bezug auf den schädlichen Einfluss von Passivrauchen in der frühen Kindheit auf die Entwicklung Chronisch-entzündlicher Darmerkrankungen“, erklärt Fantodji. „Bislang sind in nur wenigen Studien die Zusammenhänge zwischen Passivrauchen in der frühen Kindheit und CED untersucht worden“, betont Dr. Prévost Jantchou, klinischer Forscher und Gastroenterologe am Centre Hospitalier Universitaire (CHU) Sainte-Justine und außerordentlicher klinischer Professor an der Université de Montréal (beide Kanada). „Zudem konnte bisher in keiner Studie festgestellt werden, inwieweit die Wirkung des Passivrauchens durch das aktive Rauchen der Teilnehmer im späteren Leben erklärt werden konnte. Das unterstreicht, wie wichtig es ist, den Kontakt von Kindern mit Tabakrauch zu vermeiden – nicht nur für ihre allgemeine Gesundheit, sondern auch um ihr Risiko für die Entwicklung chronischer Darmerkrankungen in der Zukunft zu begrenzen.“
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