Morbus Crohn: Wer im Kindesalter mit Hunden zusammenlebt, hat offenbar einen gewissen Schutz23. Mai 2022 Foto: © ivanko80/stock.adobe.com Möglicherweise sind Personen vor der Entwicklung eines Morbus Crohn geschützt, wenn sie in einer Großfamilie aufgewachsen sind oder als Kind einen Hund hatten. Das berichten Forschende anlässlich der diesjährigen Digestive Disease Week® (DDW). „Unsere Studie scheint andere zu bestätigen, die die ‚Hygienehypothese‘ untersucht wurde“, erklärt Dr. Williams Turpin, Seniorautor der Studie und wissenschaftlicher Mitarbeiter am Mount Sinai Hospital in Toronto und an der Universität Toronto (Kanada). „Die Studie lässt die Schlussfolgerung zu, dass mangelnder Kontakt mit Mikroorganismen in jungen Jahren zu einer fehlenden Immunregulation gegenüber Umweltmikroben führen kann.“ Die Wissenschaftler erhoben unter fast 4300 Verwandten ersten Grades von Personen mit Morbus Crohn, die am CCC-GEM-Projekt (Crohn’s and Colitis Canada Genetic, Environmental, and Microbial) teilnehmen, Informationen mithilfe eines Fragebogens. Anhand der Antworten und mithilfe historischer Daten, die zum Zeitpunkt der Rekrutierung für die Studie gesammelt worden waren, analysierten Turpin und sein Team mehrere Umweltfaktoren. Dazu gehörten auch die Größe der Familie, das Vorhandensein von Hunden oder Katzen als Haustiere, die Anzahl der Badezimmer im Haus, Leben auf einem Bauernhof, der Konsum nichtpasteurisierter Milch und von Wasser aus einem Brunnen. Die Analyse umfasste auch das Alter zum Zeitpunkt der Exposition. Die Studie ergab, dass eine Exposition gegenüber Hunden, insbesondere im Alter von fünf bis 15 Jahren, mit einer gesunden Darmpermeabilität und einem Gleichgewicht zwischen den Mikroben im Darm und der körpereigenen Immunantwort verbunden ist, die alle zum Schutz vor Morbus Crohn beitragen könnten. Ähnliche Wirkungen wurden bei der Exposition gegenüber Hunden aller Altersgruppen beobachtet. „Wir haben bei Katzen nicht die gleichen Ergebnisse gesehen, obwohl wir immer noch versuchen herauszufinden, warum“, berichtet Turpin. „Es könnte möglicherweise daran liegen, dass Hundebesitzer häufiger mit ihren Haustieren nach draußen gehen oder in Gebieten mit mehr Grünflächen leben, was sich in der Vergangenheit als Schutz vor Morbus Crohn erwiesen hat.“ Ein weiterer Schutzfaktor schien das Zusammenleben mit drei oder mehr Familienmitgliedern im ersten Lebensjahr zu sein, was mit der Zusammensetzung des Mikrobioms im späteren Leben zusammenhängt. Es wird angenommen, dass das Darmmikrobiom bei einer Reihe von Leiden wie entzündlichen Darmerkrankungen, Darmkrebs, Diabetes und Bluthochdruck eine Rolle spielt. Turpin und seine Kollegen hoffen, dass ihre Ergebnisse Ärzten helfen können, ihren Patienten detaillierte Fragen zu stellen, um festzustellen, wer am stärksten gefährdet ist. Turpin merkt jedoch an, dass die Informationen zu Umweltfaktoren im frühen Leben mittels Fragebögen erhoben wurden, sodass bei der Interpretation dieser Ergebnisse aufgrund einer möglichen Erinnerungsverzerrung Vorsicht geboten ist. Die Gründe, warum Hundehaltung und größere Familien Schutz vor Morbus Crohn zu bieten scheinen, bleiben unklar. DDW 2022 Abstract 793: Environmental factors associated with risk of Crohn’s disease (CD) development in a prospective cohort of healthy first-degree relatives of CD patients.
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